Ernst Weizsäcker
[seit 1916: E. von W.]
(1882 - 1951)
Adolf H. - 4 Pubärsche - v. Ribbentrop - Ernst v. Weizsäcker
(im August 1939 nach Abschluß des Nichtangriffspakts
zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion)
- 1882
- 25. Mai: Ernst Weizsäcker wird als Sohn des württembergischen Amtsrichters Karl Hugo Weizsäcker und dessen Ehefrau Paula (geb. v. Meibom) in Stuttgart geboren.
- 1900
- 1. April: Weizsäcker wird Seekadett bei der Kaiserlichen Marine in
Kiel.
- 1901-02
- Weizsäcker besucht die Marineoffiziersschule in Kiel.
- 1902-1905
- Stationierung auf dem Großen Kreuzer "Hertha" in Ostasien.
- Weizsäcker wird Ausbilder von Prinz Adalbert, dem dritten Sohn von Kaiser
Wilhelm II.
- 1905-1912
- Erneute Stationierung in Kiel.
- 1911
- 25. September: Weizsäcker heiratet Marianne von Graevenitz. Aus der Ehe gehen die Söhne Carl Friedrich (geb. 1912), Heinrich Victor (1917-1939) und
Richard sowie die Tochter Adelheid (geb. 1916) hervor.
- 1912
- Weizsäcker wird zum kaiserlichen Marinekabinett in
Berlin versetzt.
- 1914-1918
- Mit Beginn des
Ersten Weltkriegs läßt sich Weizsäcker zur Flotte versetzen. Seine anfängliche Euphorie weicht der Erkenntnis, daß die deutsche Flotte der englischen nicht gewachsen ist.
- 1916
- Der Vater, inzwischen württembergischer Ministerpräsident, wird vom württembergischen König Wilhelm II. in den erblichen Freiherrenstand erhoben.
- 1917
- Weizsäcker erhält das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse.
- 1918
- Weizsäcker wird Verbindungsoffizier der Marineleitung bei Generalstabschef
Paul v. Hindenburg.
- 1918-1920
- Weizsäcker arbeitet nach der
Novemberrevolution
im Reichsmarineamt in Berlin. Trotz Skepsis gegenüber der neuen "demokratischen" Verfassungsordnung (Weizsäcker befürwortet persönlich weiterhin das monarchische Prinzip und spricht sich im Flaggenstreit gegen "Schwarz-Rot-Mostricht" aus) zieht er diese doch einem bolschewistischen System vor, wie es die Führer der USPD und des Spartacusbundes, Rosa Luxemburg und
Karl Liebknecht,
mit Gewalt herbei führen wollen. Daher deckt Weizsäcker nach deren Beseitigung einen der Attentäter.
- 1919
- Weizsäcker wird Marineattaché in Den Haag. In dieser Funktion verhindert er die Auslieferung zahlreicher in die Niederlande geflohener U-Boot-Kommandanten an das deutsche Reichsgericht, vor dem sie auf Betreiben der Entente-Mächte als "Kriegsverbrecher" angeklagt werden sollen.
- Den
Versailler Vertrag
lehnt Weizsäcker vor allem wegen des "Kriegsschuldparagrafen" ab.
- 1920-1924
- Weizsäcker wird Beamter im Auswärtigen Dienst (seit 1921 als Konsul in Basel).
- Weizsäcker freundet sich mit dem Schweizer Diplomaten
Carl Jacob Burckhardt.
- 1924
- Weizsäcker wird als Gesandtschaftsrat nach Kopenhagen versetzt (bis 1927).
- Beruflich sieht sich Weizsäcker - wie damals jeder anständige Beamte - der Nation, nicht einer bestimmten Staatsform oder Regierung verpflichtet; daher tritt er zunächst auch keiner Partei bei, obwohl dies seiner Karriere förderlich wäre.
- 1927
- Weizsäcker leitet das Sachgebiet Abrüstung in der Berliner Zentrale.
- 1928-1931
- Weizsäcker leitet das Völkerbundreferat.
- 1931
- Weizsäcker wird Gesandter in Norwegen.
- 1933
- 30. Januar: Weizsäcker bleibt auch nach der
Machtübernahme
der Nationalsozialisten im Amt, angeblich unter inneren Vorbehalt seines "Gewissens", solange ihm dieses erlaube, Befehle des neuen Reichskanzlers
Adolf Hitler
auszuführen. Angeblich befürchtet er schon damals wegen "antisemitischer Ausschreitungen und Hitlers aggressiver Außenpolitik" um den Frieden, wiewohl es damals noch nichts von allem gab - geschweige denn deutsche Streitkräfte, mit denen sich ein Krieg hätte führen lassen. Angeblich unterstützte Weizsäcker das System lediglich, "um einen mäßigenden Einfluß auszuüben". Die nationalsozialistische Dimension der Begriffe Antisemitismus, Revision und Hegemonie habe er leider "mißverstanden".
- 1933-36
- Weizsäcker lebt als deutscher Gesandter in der Schweiz. Angeblich bemüht er sich als solcher u.a. um die Freilassung eines von der
Geheimen Staatspolizei (Gestapo) in der Schweiz gekidnappten Juden und wird wiederholt von in der Schweiz lebenden Nationalsozialisten "denunziert". (Wenn dem so war, hatte es jedenfalls keine Konsequenzen.) Seine "antifaschistische Gesinnung" stellt er dadurch unter Beweis, daß er nichtssagende Briefe nach Hause schreibt, von denen er später behauptet, sie hätten einen "Geheimcode" für "regimekritische Gedanken" enthalten.
- 1936
- Weizsäcker wird kommissarischer Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts in Berlin. Er plädiert für eine "defensive Sicherung des Reiches" durch Aufrüstung und für die Wiederherstellung der Grenzen von 1914. (Weizsäcker geht also weit über die Forderungen anderer führender Nationalsozialisten hinaus, die keine Ansprüche auf Elsaß-Lothringen,
Eupen-Malmedy, Nordschleswig, Posen oder Oberschlesien geltend machen.) Gleichwohl behauptet er später, er hätte "innerlich" mit dem "Nazi-Regime" gebrochen, als es zur
Besetzung des Rheinlands schritt, aber noch weiter an den Frieden geglaubt.
- 1937
- Mai: Weizsäcker wird Leiter der Politischen Abteilung des Auswärtigen Amts.
- 1938
- Im Zusammenhang mit der
Fritsch-Blomberg-Affäre wird der Außenminister
Konstantin von Neurath durch
Joachim v. Ribbentrop
ersetzt. Weizsäcker wird Staatssekretär des Auswärtigen Amts und damit dessen höchster Beamter. Wiewohl er Ribbentrop
formell untersteht, bestimmt Weizsäcker de facto zunehmend die Außenpolitik des Dritten Reiches; sowohl die Vorbereitung als auch die Durchführung des Krieges auf diplomatischer Ebene erweisen sich - wie schon vor und nach 1914 - als stümperhaft.
- April: Weizsäcker tritt in die NSDAP und in die SS ein. In letzterer erhält den Rang eines SS-Oberführers (vergleichbar einem heutigen Brigadegeneral).
- Weizsäcker leidet an massiver Gedächtsnisschwäche, behauptet später, Ribbentrop habe ihn "übergangen" und ihm "Informationen vorenthalten". Auch habe er seinen Rücktritt erwogen und sei lediglich im Amt geblieben, weil ihn "Freunde aus Widerstandskreisen" inständig darum baten. Ferner habe er versucht, "über ausländische Botschafter auf Hitler einzuwirken und dessen Kriegspläne zu verhindern". Gleichzeitig habe er seine Verbindungen genutzt, "um geheime Nachrichten nach Großbritannien zu schleusen" - also Hochverrat zu begehen, "um den Frieden zu retten".
- 1939
- 3. September: Nach Abschluß des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes und Beginn des
Polenfeldzugs
(in dem Weizsäckers Sohn Heinrich fällt) erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (nicht aber der Sowjetunion, als auch die Rote Armee in Polen einrückt), der sich bald zum Weltkrieg ausweitet.
- Weizsäcker versucht vergeblich, ein Marinekommando zu erhalten.
- Weizsäcker, der - wie so viele seiner Volksgenossen - auf die Anfangserfolge der
Wehrmacht
stolz ist und den Krieg befürwortet, solange er siegreich verläuft, aber schon immer dagegen gewesen sein will, wenn sich Niederlagen abzeichnen, nimmt höchstvorsorglich Kontakt zu
Wilhelm Canaris,
Ludwig Beck und
Franz Halder
auf, die den Sturz Hitlers planen.
- 1940
- Weizsäcker sabotiert nach Kräften eine von Ribbentrop geplante Umstrukturierung des verknöcherten und unfähigen Auswärtigen Amtes.
- 1941
- Weizsäckers Versuche, auf diplomatischem Weg den
Rußlandfeldzug
überflüssig zu machen, scheitern. Nach anfänglicher Ablehnung wandelt sich Weizsäcker angesichts der ersten Erfolgen der Wehrmacht gegen die Rote Armee erneut zum begeisterter Befürworter des Krieges; er ist auch Mitwisser der
Judenvernichtung
in den besetzten Gebieten Polens und der UdSSR.
- 1942
- Obwohl sich Weizsäcker - wie so viele "Widerständler" - der Illusion hingibt, die Alliierten würden nach einem Sturz
Hitlers mit einem "demokratischen" Deutschland Frieden schließen (womöglich in seinem gegenwärtigen Umfang als
"Großdeutsches Reich"), distanziert er sich von dem Plan, einen gewaltsamen Putsch zu versuchen.
- 20. Januar: Weizsäcker nimmt nicht an der
Wannsee-Konferenz
teil und äußert sich auch nicht zu deren Ergebnissen ("Endlösung" der Judenfrage).
- Angeblich hilft Weizsäcker privat Juden vor der Verfolgung. Amtlich unterzeichnet er jedoch Deportationsbefehle in das
Konzentrationslager
Auschwitz.
- 1943
- Nachdem sich die Wende des Krieges abzeichnet und die alliierten Bombenangriffe auf Berlin, insbesondere auf das Regierungsviertel, stark zugenommen haben, beantragt Weizsäcker seine Versetzung in den sicheren Vatikan; dem Antrag wird stattgegeben.
- Nach dem Sturz
Mussolinis,
dem Verrat der neuen italienischen Regierung und der darauf folgenden Besetzung Italiens durch deutsche Truppen vermittelt Weizsäcker zwischen Vatikan und NS-Regime. Er warnt die Juden Roms vor einer angeblich bevorstehenden Deportation und versteckt sie in Klöstern und katholischen Pfarreien.
- 1944
- 4. Juni: Nachdem deutsche Truppen Rom zur offenen Stadt erklärt haben, weil die Alliierten es sonst mitsamt seinen historischen Kunstschätzen ebenso zu zerstören drohten wie die alte Benediktiner-Abtei auf dem Monte Cassino und so viele andere Kulturstätten Europas, wird die "ewige Stadt" von alliierten Truppen kampflos besetzt. Weizsäcker findet Unterschlupf im Vatikan.
- 1945
- Nach der
bedingungslosen Kapitulation
des Deutschen Reiches und dessen Auflösung durch die alliierten Besatzer bleibt Weizsäcker zunächst als "Gast" im Vatikan, da ihm in Italien und Deutschland die Internierung droht.
- 1946
- August: Weizsäcker erhält freies Geleit zugesagt, um vor dem interalliierten
Kriegsverbrecher-Tribunal
in Nürnberg als Belastungszeuge gegen Ribbentrop auszusagen und kehrt nach Lindau am Bodensee zurück.
- 1947
- Weizsäcker sagt in Nürnberg gegen Ribbentrop aus.
- 25. Juli: Weizsäcker wird unter Bruch des Freien Geleits festgenommen und nun selber wegen Vorbereitung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Das Verfahren zieht sich fast zwei Jahre hin.
- 1949
- April: Weizsäcker wird für schuldig befunden, aber nur zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, während sein ehemaliger Chef Ribbentrop zum Tode durch den Strang verurteilt und hingerichtet worden ist.
- 1950
- Weizsäcker veröffentlicht seine "Erinnerungen".
- 13. Oktober: Weizsäcker wird auf Anordnung des amerikanischen Hochkommissars für Deutschland
John McCloy
im Zuge einer allgemeinen Amnestie aus dem Kriegsverbrechergefängnis entlassen.
- 1951
- 4. August: Ernst v. Weizsäcker stirbt nach einem Schlaganfall in Lindau.
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