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1Vargas selber behauptete, 1883 geboren zu sein. Es gilt jedoch heute als erwiesen, daß er die diesbezüglichen Dokumente fäschte.
2Es wird oft behauptet, der Kaiser sei gestürzt worden, weil er 1888 mit der Abschaffung der Sklaverei die einflußreichen Plantagenbarone verärgert habe. Doch das ist eine Legende. Der Import schwarzer Sklaven aus Afrika war bereits 1850 verboten und durch die Immigration von in Europa (vor allem in deutschen und italienischen Staaten) angeworbenen Bauern-Knechten und -mägden ersetzt worden, die tüchtiger - und noch billiger - waren. (Selbst wenn sie "freie" Pächter waren, ging es den Immigranten oft nicht besser als Sklaven: Sie mußten 50% ihrer Ernte abliefern und außerdem die - vorgestreckten und hoch verzinsten - Kosten für Passage, Werkzeug und Saatgut abzahlen. Wenn Immigranten "eigenes" Land bekamen, dann lag dieses durchweg im Urwald, den sie erst einmal roden und "indiofrei" machen mußten. Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren so erbärmlich, daß Preußen 1859 die Auswanderung nach Brasilien verbot.) Ab 1871 wurden alle Kinder brasilianischer Sklaven frei geboren. Die "abolição" von 1888 betraf nur noch ca. 500.000 meist ältere Schwarze, die entweder sofort entlassen oder aber von ihren bisherigen Herren noch ein paar Jahre als "freie" Arbeiter weiter beschäftigt wurden; in beiden Fällen verloren sie ihre sklavischensozialen Versorgungs-Ansprüche bei alters- oder sonstwie bedingter Arbeitsunfähgkeit; ihre materielle Lage verschlechterte sich also durch die "Befreiung", ähnlich wie die der "befreiten" Sklaven in den USA und die der "befreiten" Bauern im Rußland. Ohnehin hatte der besonders sklavenintensive Anbau von Baumwolle und Zuckerrohr damals bereits stark an Bedeutung verloren, und für die immer wichtiger werdenden Kaffee-Plantagen setzte man ohnehin lieber Weiße ein. (Es stand denn auch nach der Abschaffung der Monarchie nie ernsthaft zur Debatte, die Sklaverei etwa wieder einzuführen.) Der wahre Grund für den Sturz des Kaisers war, daß die mächtige Elite der einzelnen Regionen die Zentralgewalt abschütteln wollte, was ihr mit der Errichtung einer föderativen Republik auch weitgehend gelang. (Die Bundesstaaten hatten eigene Steuerhoheit und sogar eigene Streitkräfte.) Durch stillschweigende Übereinkunft wechselten sich die "Gouverneure" der beiden wichtigsten Bundesstaaten, São Paulo und Minas Gerais, im Amt des (Bundes-)Präsidenten ab.
3Der Kurs des Real war seit dem Abkommen von Taubaté vom Februar 1906 ganz offiziell an den Kaffeepreis auf dem Weltmarkt gekoppelt: 1 Zentner Kaffee = 32 Milreis. (Ausgeprägt wurden Milreis bis 1913 à 9 gr Silber und bis 1922 à 0,8 gr Gold. Zum Vergleich: Die deutsche Mark wurde bis 1918 à 5 gr Silber und 0,35 gr Gold ausgeprägt.) Da es in den 1920er und 1930er Jahren noch fast überall sauberes Trinkwasser gab, das man unabgekocht trinken konnte und dessen Geschmack auch nicht "übertüncht" zu werden brauchte, konnte man auf den teuren Kaffee als erstes verzichten. [Auf den vor allem zur Autoreifen-Herstellung unverzichtbaren Kautschuk hatte Brasilien kein Monopol mehr. Nachdem es Henry Wickham 1876 gelungen war, Samen des Gummibaums aus Brasilien heraus zu schmuggeln, begannen die Briten in ihren Kolonien - vor allem in Malaya - eigene Plantagen anzulegen. Trotz erhöhten Bedarfs im Ersten Weltkrieg war Brasiliens Kautschuk-Produktion bereits bis 1918 um 75% gesunken.] Obwohl Brasilien große Mengen der Kaffee-Ernte vernichtete, um die Ware zu verknappen - angeblich wurden bis 1944 rund 78 Millionen Tonnen verbrannt - blieb der Weltmarkt-Preis niedrig. (Er stieg zwar bis 1932 wieder auf ca. 40%, allerdings nur gerechnet in Pound Sterling, das bis dahin um 50% abgewertet worden war.) Er ist nie wieder auf das Niveau vor 1929 gestiegen.
4Ausnahmen werden nur ab 1934 für einzelne Wissenschaftler gemacht, um die neu gegründeten Universitäten in São Paulo (1934) und Rio de Janeiro (1935) mit Lehrpersonal auszustatten, wovon vor allem in Deutschland vorzeitig in den Ruhestand versetzte Juden profitieren. 1941 - kurz bevor der "Holocaust" anläuft - wird dieses Anwerbeprogramm jedoch beendet; gleichzeitig beginnt Vargas, zahlreiche jüdische Prostituierte und Zuhälter - das horizontale Gewerbe Brasiliens befindet sich traditionell (seit 1867) fest in den Händen der "Zwi Migdal" - des Landes zu verweisen. 1938 wird auch die Einwanderung aus Asien - die man 30 Jahre zuvor zwecks Gewinnung billiger Kulis in großem Maßstab eingeführt hatte - praktisch verboten, was sich vor allem gegen Japan richtet.
5Über Vargas' sonstige politische Vorbilder ist viel spekuliert worden. Die Liste der Kandidaten reicht von Mussolini und Dollfuß (mit denen er zumindest die Körpergröße gemeinsam hatte :-) über Hitler, Pilsudski und Atatürk bis zu Stalin und Roosevelt. Tatsächlich stützte sich keiner der Vorgenannten in einer derartigen Einseitigkeit auf die Streitkräfte. Vargas' "Estado nôvo" war das klassische Beispiel einer südamerikanischen Militär-Diktatur - was freilich noch nichts über deren Qualität sagt.
6Die besten Fußballspieler Argentiniens und Uruguays waren traditionell italienischer Abstimmung und gingen regelmäßig als Profis nach Italien; wer für dessen Nationalelf in Frage kam, ließ sich dort einbürgern; wer dazu keine Chance sah - es gab damals noch keine Auswechslungen, also nur sehr begrenzte Kader - spielte weiter für sein Geburtsland. Kurz vor der WM war die komplette italienische Nationalmannschaft bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen; aber für neue Einbürgerungen war es zu spät; so spielten die "zweitbesten" Italiener nun für Uruguay. In manchen Sportgeschichten ist zu lesen, daß Vargas persönlich im Streit zwischen Argentinien und Brasilien um die Austragung der WM Juan Perón "von Präsident zu Präsident" zum Verzicht überredet habe. Dies ist unzutreffend, denn darüber wurde schon 1947 entschieden, und da war Vargas nicht Präsident. Die Unruhen nach der Niederlage hatten selbst im krisengeschüttelten Südamerika keinen Präzedenzfall; entgegen anders lautenden Behauptungen hatten sie ihren Hauptgrund nicht im allmählichen wirtschaftlichen Niedergang Brasiliens unter Dutra, sondern im Nichtgewinn der WM. Die "Verlierer" wurden auf Lebenszeit aus der Nationalmannschaft - die nie wieder in den althergebrachten Trikots spielen durfte - verbannt und gesellschaftlich geächtet. Torhüter Barbosa - dem vorgeworfen wurde, beim entscheidenden 1:2 "geschlafen" zu haben - soll kurz vor seinem Tode gesagt haben: "Die Höchststrafe für Mord in unserem Lande sind 30 Jahre; aber ich bin für ein Verbrechen, das ich nicht begangen habe, 50 Jahre lang bestraft worden."
7In dem anschließenden Strafprozeß nimmt Gregório Fortunato, der Chef der "Schwarzen Garde", die Anstiftung zum Mord auf sich und wird dafür 1956 zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt; er wird jedoch von Vargas' Nach-nachfolger João Goulart begnadigt (mit der hanebüchenden Begründung, Lacerda habe seinen Begleiter selber erschossen und sei selbst gar nicht verletzt worden) und später von Unbekannten ermordet.
8Es handelte sich um ein - ziemlich unausgegorenes - Textfragment in englischer Sprache.
9Seit der Währungsreform vom März 1986 werden auf brasilianischen Geldstücken aus Gründen der politischen Korrektheit nur noch Köpfe von Negern oder Mulatten abgebildet.

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