Free Web Hosting | free host | Free Web Space | BlueHost Review

Arthur Seyß-Inquart

(1892 - 1946)

[Arthur Seyß-Inquart]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1892
22. Juli: Arthur Seyß-Inquart wird in Stannern (heute: Stonarov) bei Iglau, seit seiner Gründung zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine rein deutsche "Sprachinsel" in Süd-Mähren, als Sohn eines Gymnasialdirektors geboren.

ab 1910
Nach der Matura beginnt Seyß-Inquart in Wien Rechtswissenschaften zu studieren.

1914-1918
Im Ersten Weltkrieg dient Seyß-Inquart, nachdem er 1915 sein Studium abgeschlossen hat, als Reserveoffizier.
Die Erfahrungen der Kriegszeit lassen bei den Deutsch-Österreichern - zu denen auch die Deutschen Böhmens, Mährens und der so genannten "Sudentenlande" gehören - den Wunsch nach einer "großdeutschen" Wiedervereinigung wachsen; die "kleindeutsche Lösung" Bismarcks, der 1866 Österreich, Böhmen und Mähren aus dem Deutschen Bund ausgeschlossen und diesen damit zerstört hatte, wird als historischer Irrtum erkannt.

1918
November: Nach dem Sturz der Habsburger und der Hohenzollern erklärt die Provisorische Nationalversammlung Deutsch-Österreich zur Republik und zum Bestandteil der deutschen Republik, die sich gerade konstituiert hat.

1919
10. November: Im Diktatfrieden von St. Germain werden die Bezeichnung "Deutsch-Österreich" und der "Anschluß" an das Deutsche Reich verboten.


1920
"Österreich" tritt dem Völkerbund bei, der das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" auf seine Fahnen geschrieben hat. Entgegen dem Diktat von St. Germain wird eine Volksabstimmung über den "Anschluß" an Deutschland angesetzt. Nachdem diese in Tirol 98,8% und in Salzburg 99,3% Ja-Stimmen gebracht hat, droht Frankreich mit einer Wiederaufnahme der Lebensmittelblockade (in Deutsch-Österreich sind nach dem Ersten Weltkrieg bereits über eine Million Menschen verhungert; in den Randprovinzen, vor allem in Galizien und Siebenbürgen, liegen die Zahlen noch höher) und erzwingt damit den Verzicht auf Abstimmung und "Anschluß".

1921
Seyß-Inquart läßt sich als Rechtsanwalt in Wien nieder. Als Verfechter des "Anschlusses" engagiert er sich in christlich-nationalen Verbänden.

1925
Seyß-Inquart wird Vorsitzender des Deutsch-Österreichischen Volksbunds und Mitglied des Steirischen Heimatschutzes.

1927
Ein Putschversuch der Sozialisten - bei dem der Wiener Justizpalast abgefackelt wird - scheitert.

ab 1931
Mai: Die Österreichische Creditanstalt bricht zusammen. Damit hat die seit 1929 schwelende Weltwirtschaftskrise auch Österreich voll erfaßt. Die zur Linderung ihrer Auswirkungen geplante Zollunion mit dem Deutschen Reich wird von Frankreich verhindert.
September: Ein Putschversuch der "Heimatwehren" in der Steiermark scheitert.
Seyß-Inquart knüpft Kontakte zur österreichischen Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).

1937
Juni: Seyß-Inquart wird in den österreichischen Staatsrat berufen. Er soll eine Verbindung zur "nationalen Opposition" herstellen.

1938
Seyß-Inquart tritt der NSDAP bei.
12. Februar: Im Gespräch mit dem österreichischen Bundeskanzler Kurt v. Schuschnigg droht Adolf Hitler mit dem Einmarsch der Wehrmacht, wenn das NSDAP-Verbot nicht aufgehoben wird, und fordert eine Beteiligung der Nationalsozialisten an der Regierung.
16. Februar: Seyß-Inquart wird daraufhin das Ministerium für innere Verwaltung und Sicherheit übertragen.
11. März: Nach dem Rücktritt Schuschniggs bildet Seyß-Inquart als neuer Bundeskanzler die nationalsozialistische Bundesregierung, welche den Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich unterstützt. Er ruft die deutschen Truppen offiziell ins Land.
13. März: Seyß-Inquart übernimmt die Vollmachten des Bundespräsidenten Wilhelm Miklas (1872-1956), der aus Protest zurücktritt. Miklas verweigert die Unterschrift unter Hitlers Gesetz zum Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich, während Seyß-Inquart dem Wunsch der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung bereitwillig folgt. Die staatlichen Einrichtungen "Österreichs" werden daraufhin durch reichsdeutsche Behörden übernommen und die österreichischen Beamten auf Hitler vereidigt.
16. März: Seyß-Inquart wird "Reichsstatthalter" im Range eines Gruppenführers der Schutzstaffel (SS).
10. April: In einer Volksabstimmung sprechen sich nachträglich 99,7% der "Ostmärker" für den "Anschluß" an das Deutsche Reich aus.
Oktober: Nach dem Münchner Abkommen werden die seit 1919 tschechisch besetzten Sudetenlande mit Deutschland wiedervereinigt.

1939
Nach dem Austritt der Slowaken aus der "Tschecho-Slowakei" und deren Selbstauflösung werden die alten deutschen Reichslande Böhmen und Mähren zum "Protektorat" des Deutschen Reiches.
1. Mai: Mit Inkrafttreten des Ostmarkgesetzes wird die österreichische Regierung aufgelöst, woraufhin Seyß-Inquart als Reichsminister ohne Geschäftsbereich fungiert.
12. Oktober: Nach Abschluß des Polenfeldzugs, der sich nach der Kriegserklärung Großbritanniens und Frankreichs an das Deutsche Reich bald zum Zweiten Weltkrieg ausweitet, wird Seyß-Inquart Stellvertreter des Generalgouverneurs Hans Frank in den besetzten polnischen Gebieten.

1940
29. Mai: Seyß-Inquart wird zum Reichskommissar in den besetzten Niederlanden ernannt (bis 1945). Durch sein rücksichtsloses Auftreten macht er die Deutschen dort noch verhaßter als sie es ohnehin schon sind. Insbesondere die Deportation der Juden in Konzentrationslager lassen sich die Niederländer - denen nicht entgangen ist, daß die Deutschen ("Moffen") die Drecksarbeit in den Ländern Osteuropas bereitwillig ihren polnischen, litauischen und ukrainischen "HiWis" überlassen - höchst ungerne aus der Hand nehmen. Der Satz "Die Drecks-Moffen sollen uns unsere Drecks-Juden gefälligst selber beseitigen lassen!" wird zum geflügelten [Un-]Wort.

1941
Seyß-Inquart wird zum SS-Obergruppenführer befördert.
28. Februar: Seyß-Inquart führt in den Niederlanden den obligatorischen Arbeitsdienst nach deutschem Muster ein.
22. September: Seyß-Inquart ordnet die Geltung aller deutschen Juden-Erlasse auch in den Niederlanden an.

1943
30. April: In den Niederlanden kommt es zum Generalstreik. Seyß-Inquart verhängt daraufhin den Ausnahmezustand.

1944
30. Juli: Nach mehreren blutigen Mordanschlägen der niederländischen Untergrundbewegung geht Seyß-Inquart dazu über, die Täter unmittelbar der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zur Exekution zu übergeben.

1945
1. Mai: Nach Hitlers Selbstmord wird Seyß-Inquart Nachfolger des bisherigen Außenministers Joachim v. Ribbentrop.
Seyß-Inquart wird von kanadische Truppen in den Niederlanden festgenommen und an das inter-alliierte Militär-Tribunal in Nürnberg überstellt. Hauptanklagepunkt ist, daß er an der Wiedervereinigung "Österreichs" mit dem Deutschen Reich entscheidend mitgewirkt habe.

1946
1. Oktober: Seyß-Inquart wird für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt.
16. Oktober: Arthur Seyß-Inquart wird als "Kriegsverbrecher" hingerichtet. Auch die übrigen Deutschen aus Böhmen und Mähren - 3,5 Millionen Menschen - werden ermordet oder vertrieben, die deutsche Kultur wird - wie überall in Ost- und Ostmitteleuropa - ausgerottet. Iglau und Umgebung werden mit Zigeunern neu besiedelt.


weiter zu Engelbert Dollfuß

zurück zu Bert Brecht

zurück zu Eine Reise nach Prag

zurück zu Politiker des 20. Jahrhunderts

heim zu Reisen durch die Vergangenheit