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"Wer glaubt ein Christ zu sein, weil er die Kirche
besucht, der irrt sich. Man wird ja auch kein
Auto, wenn man in einer Garage steht."

Albert Schweitzer

(1875 - 1965)

[Albert Schweitzer]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1875
14. Januar: Albert Schweitzer wird als eines von fünf Kindern des evangelischen Theologen Ludwig (bis 1871 zwangsromanisiert "Louis") Schweitzer (1846-1925) und seiner Ehefrau, der Pfarrerstochter Adele, geb. Schillinger (1842-1916), in dem überwiegend katholischen Weindorf Kaysersberg (Elsaß-Lothringen) geboren.


Juli: Die Familie übersiedelt nach Günsbach, wo Schweitzers Vater Pfarrer wird.

1880-1884
Schweitzer besucht die Volksschule in Günsbach.

1884-1885
Schweitzer besucht die Realschule in Münster.

1885-1893
Schweitzer besucht das Gymnasium in Mühlhausen und erlernt das Orgelspiel. (Sein erklärter Lieblingskomponist ist Johann Sebastian Bach; allerdings nennt er seine Lieblingsvögel "Tristan", "Parzival" und "Lohengrin" - nach Opern von Richard Wagner.)

1893
Nach dem Abitur beginnt Schweitzer ein Studium der Theologie und der Philosophie an der Universität Straßburg.

1894-1895
Schweitzer dient als "Einjährig Freiwilliger" beim Infanterieregiment 143 in Straßburg.

1898
Nach dem theologischen Examen beginnt Schweitzer ein Orgelstudium in Paris und Berlin.

1899
Schweitzer wird mit einer Dissertation über Kant zum Dr. phil. promoviert.

1900
Schweitzer besteht das 2. theologische Examen.

1901
Schweitzer wird mit einer Dissertation über den historischen Jesus und die Überlieferung der Geschichte vom Abendmahl zum Dr. theol. promoviert.

1902
Schweitzer habilitiert sich mit "Das Messianitäts- und Leidensgeheimnis" in evangelischer Theologie und wird anschließend Privatdozent an der Universität Straßburg, außerdem Vikar an der Kirche St. Nikolai.

1903
Schweitzer wird Direktor des Seminars St. Thomas in Straßburg (bis 1906).

1905
Schweitzer - der sich wegen seines sehr speziellen Jesus-Verständnisses innerlich mehr und mehr von der Kirche entfernt - beginnt ein Medizinstudium an der Universität Straßburg.

1908
Schweitzer veröffentlicht eine Monografie über Johann Sebastian Bach (die freilich erst nach ihrer Neuauflage anno 1979 größere Beachtung erfährt).
Schweitzer traut als Pfarrer Elly Knapp und Theodor Heuss.

1911
Schweitzer legt das medizinisches Staatsexamen ab.

1912
Schweitzer wird als Arzt approbiert und zum apl. Professor für Theologie ernannt.
Schweitzer heiratet Helene, geb. Breßlau. (Aus der Ehe geht eine Tochter hervor.)

1913
Schweitzer wird mit einer Dissertation über dem Titel "Die psychiatrische Beurteilung Jesu" zum Dr. med. promoviert. Danach geht er mit seiner Frau als Arzt - nicht als Missionar - in die französische Kolonie Gaboun (Gabun). In Lambaréné gründet er ein Hospital.

1914
Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Da sich die Deutschen - anders als die Alliierten - an die Vereinbarungen der Kongo-Akte gehalten haben, kein Militär in den Übersee-Kolonien zu stationieren, sind sie gegen die Angriffe der letzteren chancenlos.

1915
Schweitzer und seine Frau werden als Angehörige eines Feindstaats gefangen genommen und vier Jahre lang in Frankreich interniert, u.a. zwei Jahre in dem berüchtigten Konzentrationslager Saint-Rémy, wo schon der bekannte niederländische Maler Vincent van Gogh in den Irrsinn gefoltert worden war. Helene Schweizer erkrankt an Tuberkulose, von der sie sich nie wieder ganz erholt.

1919
Nach Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktats werden Schweitzers, halb zu Tode gequält, aus dem Konzentrationslager entlassen und in die Schweiz abgeschoben. Durch Annahme der französischen Staatsbürgerschaft gelingt es Schweitzer, eine Einreisegenehmigung nach Straßburg zu erhalten. Er wird Assistent an der Dermatologischen Klinik des Bürgerspitals in Straßburg.

1920
Schweitzer absolviert eine Konzerttournee durch Schweden, wo keine Inflation herrscht; von den Einnahmen kann er seine Schulden bezahlen.

1924
Schweitzer geht zurück nach Lambaréné und baut sein von den Franzosen vollständig zerstörtes Hospital wieder auf.

1928
28. August: Schweitzer wird in Frankfurt der Goethepreis verliehen.

1932
Schweitzer hält die Gedenkrede bei den Feiern zum 100. Todestag Goethes.

1936
Schweitzer unternimmt Konzertreisen durch die Schweiz.

1939
September: Schweitzer wird trotz seines französischen Passes die Einreise nach Frankreich verweigert. Frankreich hat dem Deutschen Reich den Krieg erklärt und alle Elsässer als potentielle Feinde ins Baskenland deportiert und in Konzentrationslager gesperrt; auch Schweitzer gilt als Angehöriger eines Feindstaates. Er geht zurück nach Gabun.

1940-1945
Schweitzer versorgt in seinem Hospital in Lambaréné - dessen Betrieb er mit privaten Medikamentenspenden aus Schweden und den USA mühsam aufrecht erhält - Angehörige sowohl der gaullistischen als auch der Vichy-Truppen.

1948
Oktober: Nach Aufhebung der Einreisesperre für Frankreich reist Schweitzer nach Bordeaux.

1949
Schweitzer reist in die USA und hält in Aspen (Colorado) eine Gedenkrede zum 200. Geburtstag Goethes.

1950
Mit dem Geld für die Goethe-Rede baut Schweitzer ein Lepradorf auf.

1951
Schweitzer erhält in Frankfurt aus den Händen von Theodor Heuss - der mittlerweile Bundespräsident geworden ist - den "Friedenspreis des deutschen Buchhandels".
3. Dezember: Schweitzer wird als Nachfolger des französischen Marshalls Henri Philippe Pétain zum Mitglied der "Académie des Sciences morales et politique" gewählt.

1953
Schweitzer erhält rückwirkend (!) den Friedensnobelpreis für das Jahr 1952. Das Preisgeld verwendet er für die Fertigstellung des "Village lumière".

1954
Bei der Übergabe des Friedensnobelpreises in Oslo versucht man Schweitzer in den Mund zu legen, daß "die Nazideutschen" am Krieg - und an allen anderen Übeln der Welt - schuld seien; in seiner mutigen Dankesrede "Das Problem des Friedens in der heutigen Welt" hält Schweitzer dem entgegen, daß jede Art von Gewalt zu allen und bei allen Völkern zu verurteilen sei - wofür er heute eine Verurteilung wegen "Relativierung des Holocaust" riskieren würde.
Schweitzer wird von Theodor Heuss der Orden "Pour le mérite" (Friedensklasse) verliehen.
Schweitzer wird bei einer repräsentativen Umfrage unter deutschen Schülern nach ihrem größten Vorbild neben Bundeskanzler Konrad Adenauer und Feldmarschall a.D. Erich v. Manstein am häufigsten genannt.

1955
14. Januar: Schweitzers 80. Geburtstag wird groß gefeiert. Er weiht sein neues Lepradorf ein.

1957
Schweitzer hält auf Radio Oslo eine Rede über "Das Problem der Atombombe".
1. Juni: Helene Schweitzer stirbt in Zürich.

1958
Schweitzer hält drei weitere Reden gegen Atomwaffen, die von Radio Oslo ausgestrahlt und später in Buchform veröffentlicht werden.


1960
Schweitzer veröffentlicht "Am Rande des Urwalds. Mein Leben und meine Gedanken." Dieses Werk wird - zu Unrecht - bis heute als sein Vermächtnis angesehen.

1962
Weniger bekannt ist dagegen Schweitzers letztes Werk, "Mein afrikanisches Notizbuch". Dies aus gutem Grund, denn es enthält eine ernüchterte - und ernüchternde - Bilanz seines Lebens, die heute nicht mehr als "politisch korrekt" gelten kann. Der große Afrika[ner]-Kenner schreibt darin u.a.: "Ich habe mein Leben hingegeben um die Leiden Afrikas zu mildern. Jene Individuen sind von minderwertiger Rasse. Sie haben weder die intellektuellen noch die geistigen noch die emotionellen Fähigkeiten um den Weißen gleich zu kommen oder mit ihnen auf gleiche Art und Weise an irgendeiner Funktion unserer Zivilisation teilzuhaben. Ich habe mein Leben gegeben um zu versuchen, ihnen die Vorteile näher zu bringen, die ihnen unsere Zivilisation bietet, aber mir ist bewußt geworden, daß wir diesen Status beibehalten müssen: Die Weißen sind die Höherwertigen, und jene die Minderwertigen."

1965
4. September: Albert Schweitzer stirbt und wird einen Tag später neben seiner Frau in Lambaréné beigesetzt.


1975
An Schweitzers 100. Geburtstag ist er noch nicht ganz vergessen.


2003
Bei einer vom Staatssender ZDF veranstalteten Wahl zum "besten Deutschen" kann sich Schweitzer - als einziger Elsässer - unter den ersten 200 plazieren; er belegt Platz 18 (immerhin nur zwei Plätze hinter einer so bedeutenden Persönlichkeit wie dem "Sänger" Daniel Kübelböck :-).


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