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Kurt v. Schuschnigg

(1897 - 1977)

[Kurt v. Schuschnigg]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1897
14. Dezember: Kurt v. Schuschnigg wird als Sohn eines Generalmajors in Riva (am Gardasee) geboren.

1914-1918
Im Ersten Weltkrieg dient Schuschnigg, nachdem er 1915 die Matura an einem Jesuitengymnasium in Feldkirch (Vorarlberg) erworben hat, als Reserveoffizier (zuletzt im Range eines Leutnants).
Die Erfahrungen der Kriegszeit lassen bei den Deutsch-Österreichern den Wunsch nach einer "großdeutschen" Wiedervereinigung wachsen; die "kleindeutsche Lösung" Bismarcks, der 1866 Österreich, Böhmen und Mähren aus dem Deutschen Bund ausgeschlossen und diesen damit zerstört hatte, wird als historischer Irrtum erkannt.

1918
November: Nach dem Sturz der Habsburger und der Hohenzollern erklärt die Provisorische Nationalversammlung Deutsch-Österreich zur Republik und zum Bestandteil der deutschen Republik, die sich gerade konstituiert hat.

1919
10. November: Im Diktatfrieden von St. Germain werden die Bezeichnung "Deutsch-Österreich" und der "Anschluß" an das Deutsche Reich verboten.
Schuschnigg beginnt nach seiner Heimkehr aus italienischer Kriegsgefangenschaft ein Studium der Rechtswissenschaften in Innsbruck und später in Freiburg im Breisgau.


1920
"Österreich" tritt dem Völkerbund bei, der das "Selbstbestimmungsrecht der Völker" auf seine Fahnen geschrieben hat. Entgegen dem Diktat von St. Germain wird eine Volksabstimmung über den "Anschluß" an Deutschland angesetzt. Nachdem diese in Tirol 98,8% und in Salzburg 99,3% Ja-Stimmen gebracht hat, droht Frankreich mit einer Wiederaufnahme der Lebensmittelblockade (in Deutsch-Österreich sind nach dem Ersten Weltkrieg bereits über eine Million Menschen verhungert; in den Randprovinzen, vor allem in Galizien und Siebenbürgen, liegen die Zahlen noch höher) und erzwingt damit den Verzicht auf Abstimmung und "Anschluß".

1922
Schuschnigg wird zum Dr. iur. promoviert und läßt sich als Rechtsanwalt in Innsbruck nieder.

1927
Ein Putschversuch der Sozialisten - bei dem der Wiener Justizpalast abgefackelt wird - scheitert.
Schuschnigg wird als jüngster Abgeordneter für die regierende Christlich Soziale Partei in den österreichischen Nationalrat gewählt, wo er im Verfassungsausschuß tätig ist.

1931
Mai: Die Österreichische Creditanstalt bricht zusammen. Damit hat die seit 1929 schwelende Weltwirtschaftskrise auch Österreich voll erfaßt. Die zur Linderung ihrer Auswirkungen geplante Zollunion mit dem Deutschen Reich wird von Frankreich verhindert.
September: Ein Putschversuch der "Heimatwehren" in der Steiermark scheitert.

1932
Schuschnigg wird Justizminister im Kabinett von Karl Buresch (1878-1936).

1933
Schuschnigg übernimmt im Kabinett von Engelbert Dollfuß zusätzlich das Amt des Unterrichtsministers.

1934
April-Mai: Schuschnigg hat wesentlichen Anteil an der Ausarbeitung einer Notverordnung, mit welcher die Rechte des Parlaments aufgehoben werden und Österreich zu einem ständisch gegliederten Staat umgewandelt wird ("Austro-Faschismus"). Die Todesstrafe wird wieder eingeführt und Konzentrationslager eingerichtet.
25. Juli: In Wien wird Bundeskanzler Dollfuß auf der Flucht vor einem Putschversuch österreichischer Nationalsozialisten angeschossen; mangels ärztlicher Hilfe verblutet er. Schuschnigg läßt den Aufstand brutal niederschlagen und ca. 4.000 Oppositionelle in das KZ Wöllersdorf einweisen. Da die Dollfuß-Attentäter nicht gefaßt werden, droht er, jeden zehnten Insassen zu ermorden, wenn sich niemand "freiwillig" meldet. Schließlich melden sich Otto Planetta und Friedrich Holzweber, die zusammen mit einem Dutzend weiterer KZ-Häftlinge erschossen werden.
29. Juli: Schuschnigg wird österreichischer Bundeskanzler; zeitweilig amtiert er auch als Verteidigungs- und Außenminister.
Schuschniggs autoritäre Regierungspolitik zielt auf die Überwindung der Wirtschaftskrise sowie die Niederhaltung der Nationalsozialisten, der Sozialdemokraten und der "Heimwehren".

1936
Juli: In einem Abkommen zwischen Österreich und dem Deutschen Reich versucht Schuschnigg, die deutsche Reichsregierung zur Anerkennung der österreichischen Souveränität und Unabhängigkeit zu bewegen.
Terrorakte und Umsturzpläne der verbotenen Parteien verschärfen die innenpolitische Krise.

1938
12. Februar: Der deutsche Reichskanzler Adolf Hitler erzwingt auf der Konferenz von Berchtesgaden Schuschniggs Einwilligung, das Verbot der österreichischen NSDAP aufzuheben und die Nationalsozialisten an der Regierung zu beteiligen.
16. Februar: Da sowohl Italien als auch Großbritannien und Frankreich die Bemühungen Schuschniggs um eine direkte Hilfe gegen Hitler ablehnen, ernennt er den Nationalsozialisten Arthur Seyß-Inquart zum Innenminister.
9. März: Schuschnigg kündet für den 13. März eine Volksabstimmung "für ein freies und deutsch unabhängiges, christlich und soziales Österreich" an.
11. März: Unter dem Druck Hitlers erklärt Schuschnigg seinen Rücktritt zugunsten von Seyß-Inquart.
In seiner Abschiedsrede ruft er dazu auf, den deutschen Truppen keinen Widerstand zu leisten - was ohnehin niemand vorhatte.
12./13. März: Unter dem Jubel der Bevölkerung rückt die Wehrmacht friedlich in der "Republik Österreich" ein; die lang ersehnte Wiedervereinigung Deutschlands nimmt Gestalt an.
Schuschnigg wird in Schutzhaft genommen.
10. April: Bei einer freien Volksabstimmung sprechen sich über 99% der Wahlberechtigten (bei über 99% Wahlbeteiligung) für den "Anschluß" der "Ostmark" an das "Altreich" unter der Kanzlerschaft Hitlers aus.


1941
Schuschnigg wird im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert.

1945
4. Mai: Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs nach Italien verlegt, wird Schuschnigg von den Alliierten befreit.

1947
Schuschnigg veröffentlicht seine Erinnerungen "Requiem in Rot-Weiß-Rot".
Schuschnigg - dem sowohl von den alliierten Besatzern als auch von der Regierung der neuen "Republik Österreich" die Rückkehr in seine Heimat verwehrt wird - wandert in die USA aus. An der katholischen Universität von St. Louis (Mississippi) lehrt er Völkerrecht sowie Mittel- und Osteuropakunde.

1956
Schuschnigg erhält die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

1967
Schuschnigg - dem als US-Bürger die Einreise nicht mehr verweigert werden kann - kehrt nach Mutters (bei Innsbruck) zurück, wo er zurückgezogen als Privatmann lebt.

1969
Schuschnigg veröffentlicht das Buch "Im Kampf gegen Hitler".

1977
18. November: Kurt v. Schuschnigg stirbt in Mutters.


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