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António de Oliveira Salazar

(1889 - 1970)

[Salazar]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1889
28. April: António de Oliveira Salazar wird in Santa Comba Dão geboren.
Portugal zählt zwar zu den ärmesten Ländern Europas, verfügt aber immer noch über den größten Teil seines im 16. Jahrhundert erworbenen Kolonialreichs in Asien und Afrika.*


1910
Die Monarchie wird gestürzt; Portugal wird Republik. Die Politiker der "Demokratischen Partei" wirtschaften bald ab.

1910-14
Salazar studiert Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft an der Universität Coimbra.

1914
Großbritannien und das Deutsche Reich schließen ein Geheimabkommen über die Aufteilung der portugiesischen Kolonien, dessen Durchführung nur durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert wird, in den Portugal auf Seiten der Entente-Mächte eintritt. Er kostet das Land reichlich Geld und Menschenleben, bringt ihm aber am Ende nichts ein.

1918
Salazar wird Dozent für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Coimbra.

1926
28. Mai: Mit einem "Marsch auf Lissabon" stürzt das Militär (General Gomez da Costa, Admiral Mendes Cabeçadas, General Sinel de Cordes) die "Regierung der Bonzen".
Salazar wird Finanzminister; er legt das Amt jedoch nach nur zwei Wochen nieder, als er sieht, daß er mangels ausreichender Kompetenzen nichts bewegen kann.
09. Juli: General Óscar Cormona wird Präsident.

1928
26. April: Kurz vor dem Staatsbankrott beruft Cormona Salazar erneut zum Finanzminister. Diesmal kann er seine Bedingungen durchsetzen und erhält umfassende Befugnisse. Binnen weniger Jahre saniert er den Staatshaushalt und begleicht die Auslandsschulden.

1931
Salazar gründet die "Nationale Union".

1932
Salazar wird Ministerpräsident, bleibt aber zugleich Finanzminister.

[Plakat für die Volksabstimmung über die neue Verfassung]
1933
In einer Volksabstimmung sprechen sich die Portugiesen mit überwältigender Mehrheit für eine von Salazar ausgearbeitete neue Verfassung aus. Sein "Estado Novo" ist ein korporativer Ständestaat, bei dem er sich nach eigenem Bekunden an der päpstlichen Enzyclica Rerum Novarum orientiert hat, nach Auffassung anderer entweder am fascistischen Italien Mussolinis oder an dem von Dollfuß geschaffene Regime in Österreich.**
[Cormona bleibt Präsident (bis 1951), hat aber mit der Regierung nichts mehr zu tun.]

1936
Salazar wird zusätzlich Außenminister. Trotz unverhohlener Sympathien für Franco hält er Portugal aus dem Spanischen Bürgerkrieg heraus.

1938
Salazar wird zusätzlich Verteidigungsminister.

1939-45
Salazar hält Portugal auch aus dem Zweiten Weltkrieg heraus. (Er läßt allerdings zu, daß die Alliierten 1943 die Azoren-Insel Terceira besetzen und dort eine Militärbasis einrichten.) Er gewährt so unterschiedlichen Personen wie dem Armenier Gulbenkian und dem Schachweltmeister Aljechin politisches Asyl. Als er vom Tod Hitlers erfährt, läßt er Halbmast flaggen. Dafür wird er nach dem Krieg vom US-amerikanischen Time Magazine als "ältester Diktator der Welt" verunglimpft. (Die Macher jener Zeitschrift stellen Portugal als einen innerlich verfaulten Apfel dar; wie wenig Ahnung sie von dem Land haben, zeigt schon ihre Farbenwahl: rot-gelb statt rot-grün :-)


1949
Portugal wird Mitglied der NATO.

1957
Königin Elisabeth II von England kommt auf Staatsbesuch nach Portugal. Trotz persönlicher Antipathien und politischer Differenzen halten die Länder ihre traditionellen Wirtschaftsbeziehungen aufrecht (vor allem den Portwein-Handel - damit die immer durstige "Queen Mom" nie auf dem Trockenen sitzt :-).


Weder Großbritannien noch Portugal werden Mitglied der im selben Jahr gegründeten "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft [EWG]". (Sie gründen später, gewissermaßen als Konkurrenz, die "European Free Trade Association [Europäische Freihandelszone, EFTA]".)

1960er Jahre
Die USA - die beschlossen haben, die europäischen Länder von ihren Kolonien zu befreien und diese statt dessen in ihre eigene wirtschaftliche Abhängigkeit zu bringen ("Dollar-Imperialismus") - nötigen die Kolonialmächte, ihre Schutzgebiete in die "Unabhängigkeit" zu entlassen und unterstützen so genannte "Befreiungsbewegungen" gegen Länder, die sich nicht erpressen lassen wollen. Zu diesen Ländern zählt auch Portugal, da Salazar an der Idee festhält, den Bevölkerungsüberschuß, den das Mutterland nicht ernähren kann, in Übersee anzusiedeln, vor allem in Afrika.


1961
Februar: Ein kommunistischer Aufstand in Angola läutet den Bürgerkrieg ein. Die UNO fällt Portugal in den Rücken.


Dezember: Indische Truppen besetzen Goa, Damão und Diu.


1963
Ein kommunistischer Aufstand läutet den Bürgerkrieg in Portugiesisch-Guinea ein.

1964
Ein kommunistischer Aufstand läutet den Bürgerkrieg in Moçambique ein.

1965
Lange vor ähnlichen Ereignissen in Kalifornien, Frankreich und Deutschland beginnen in Portugal Studentenunruhen. Anders als in den vorgenannten Ländern münden diese jedoch nicht in eine "68er"-Bewegung.

1966
Salazar weiht die nach ihm benannte Brücke über den Tejo - die größte Hängebrücke Europas - ein.


1968
August: Nach einem schweren Sturz ist Salazar nicht mehr regierungsfähig. Sein Nachfolger als Ministerpräsident wird der ehemalige Führer der Staatsjugend und Kolonial-Minister Marcelo Caetano.

1970
27. Juli: Salazar stirbt in Lissabon.

* * * * *

1974
April: Weniger als vier Jahre nach Salazars Tod putschen sich kommunistische Subaltern-Offiziere an die Macht. Sie entlassen die portugiesischen Überseeprovinzen in die "Unabhängigkeit"; die blutigen Bürgerkriege gehen gleichwohl noch Jahrzehnte weiter.***


Die portugiesischen Siedler werden ermordet oder vertrieben; mit ihnen strömen Hunderttausende Schwarzafrikaner ins "Mutterland", die zur tickenden Zeitbombe werden. Die bis dahin stabile Wirtschaft kollabiert; Portugal ist ruiniert; Salazars Lebenswerk ist zerstört.

1986
16 Jahre nach Salazars Tod wird Portugal in die EG aufgenommen; es lebt seitdem von Subventionen aus Brüssel und von der Tourismus-"Industrie", in die der Löwenanteil dieser Gelder investiert wird.

2005
35 Jahre nach Salazars Tod gerät Portugals wichtigste "Industrie" in die Krise, als die zweite Generation der schwarzafrikanischen Immigranten dazu übergeht, Badegäste am Strand zu überfallen und auszurauben - von der Polizei unbehelligt, da es sich meistenteils um strafunmündige Jugendliche handelt. Trotz aller Versuche, diese Ereignisse tot zu schweigen, ist das verlorene Vertrauen nicht zurück zu gewinnen. Portugal sinkt wieder auf "Dritte-Welt"-Niveau, wie vor Salazar.****

[Im Herzen Lissabons - 2006]

2007
März: Der Staatssender RTP läßt die "größten Portugiesen" wählen. Zum Entsetzen aller politisch-korrekten Gutmenschen landet Salazar mit 41% auf Platz 1. Seine Quote ist nicht nur mehr als doppelt so hoch wie die des Zweitplazierten, sondern zugleich die weltweit höchste in allen Ländern, wo ähnliche Umfragen veranstaltet wurden.


*Die größte und reichste Kolonie in Amerika - Brasilien - hatte sich allerdings im 19. Jahrhundert vom Mutterland getrennt. Im 17. Jahrhundert waren bereits einige Besitzungen in Asien (die Handelsstützpunkte an der Küste Ceylons an die Holländer, Porto Grande [Islamabad, Chittagong] an die Araber) verloren gegangen.

**Der - politisch sicher unverdächtige - britische Gesandte Samuel Hoare schrieb 1946 in seinen Memoiren: "Wer darin [in Salazars korporativem Staat, Anm. Dikigoros] eine Nachahmung von Hitlers und Mussolinis Werk sehen will, sollte die wesentlichen Unterschiede zwischen diesen drei Regierungsformen studieren und sich die einfache Frage vorlegen, welches das geeignete System für ein Land ist, dessen so genannter Parlamentarismus oftmals skandalöse Formen der Unbeständigkeit und der Bestechlichkeit annahm. (...) Im Laufe der vergangenen 30 Jahre wurde ich mit den meisten führenden Staatsmännern Europas bekannt. Bei meinem Versuch einer Darstellung ihrer hervorragenden Eigenschaften und ihrer Klassifizierung möchte ich Dr. Salazar an den ersten Platz in der Reihe stellen, die einen bleibenden, tiefen, unvergeßlichen Eindruck auf mich machten. Er war ein politischer Asket, der Körper und Geist allein auf ein Ziel, den Dienst am Vaterland, richtete. Er führte ein sehr einfaches Leben, gleichgültig, ja feindlich gegenüber jedem äußeren Schein, jedem Luxus und persönlichem Gewinn."

***Ein Hauptgrund dafür ist, daß der korrupte Präsident Frankreichs, François Mitterrand, und sein Sohn Jean-Christophe unter persönlicher Bereicherung in Millionenhöhe beide Seiten des Bürgerkriegs ausgiebig mit Waffen beliefern.

****Mit den Bodenschätzen Angolas, insbesondere dessen Erdölvorkommen - den zweitgrößten in Afrika, nach denen Libyens, vor denen Nigerias - könnte Portugal heute zu den reichsten Ländern Europas zählen. Statt dessen werden diese jetzt von anglo-amerikanischen Unternehmen (Chevron-Texaco, BP, Exxon-Mobile) mit Milliardengewinnen ausgebeutet. Unterdessen geht es 99,9% der 13 Millionen Angolaner, die der Jahrzehnte lange Bürgerkrieg übrig gelassen hat (trotz einer Geburtenrate von durchschnittlich 7 Kindern pro Frau) schlechter als je unter portugiesischer Verwaltung. Der größte Teil der Bevölkerung lebt von ausländischer Entwicklungshilfe - vor allem aus der BRDDR - und Lebensmittelgeschenken.


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