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Der ewige Hitler

von Uwe Schmitt

(DIE WELT, 18.4.2006)

Jüngst rief Katrina Vanden Heuvel, Chefredakteurin des linken US-Magazins "The Nation", die Politiker Amerikas auf, der so idiotischen wie lieb gewonnenen Sitte zu entsagen, ihre Gegner mit Hitler- und Holocaustanalogien zu überziehen. Die Vergleiche hinkten immer, der öffentliche Diskurs sei hart genug auch ohne die Bemühung ihres Lieblingsmonsters. Vanden Heuvels Vorschlag ist verblüffend in seiner Hellsicht und natürlich ganz unannehmbar. Wie sollte Donald Rumsfeld denn anders einem Mann wie Hugo Chavez beikommen: "Er wurde legal gewählt - so wie Adolf Hitler legal gewählt wurde"? Was liegt näher für den republikanischen Senator Rick Santorum, als die Kritik an einem politisches Manöver in der Kammer wie folgt zurückzuweisen: "Es ist als ob Adolf Hitler 1942 sagte: "Ich bin in Paris. Wer wagt es, bei mir einzumarschieren oder meine Stadt zu bombardieren. Sie gehört mir'." Natürlich bedienen sich nicht nur amerikanische Politiker bei Hitler und seinen abgeschlagen folgenden, Analogiekollegen Stalin, Mao, Pol Pot. Harry Belafonte verglich die Beamten des US-Ministeriums für Heimatschutz mit der Gestapo; und ein Führer der Schwarzenorganisation NAACP, Julian Bond, verdächtigt die Republikaner, sie würden "das Sternenbanner neben der Hakenkreuzfahne hissen". Ein Guru der Konservativen, Grover Norquist, konnte nicht anders, als die Erbschaftssteuer für Superreiche mit sensiblem Geschichtsverständnis abzulehnen: "Das ist die Moralität des Holocaust: Bleibt es bei einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung, ist es o.k."

Was Vanden Heuvel versäumte, ist einen Ersatz anzubieten: etwa Zitate von Führern des Ku Klux Klan, von prominenten US-Antisemiten in den 30er Jahren, der Mundschaum des McCarthy - das ist zu haben und wäre doch zu obskur und harmlos für den täglichen Vernichtungskrieg auf dem Kapitol.

Eine Suche in der Datenbank Lexis Nexis nach "Hitler" in US-Medien im vergangenen Monat zeitigte 350 Nennungen; Vanden Heuvels Vorschlag wird scheitern. Doch zur Zeit trägt unter amerikanischen Politikern der iranische Präsident den Titel des neusten Hitler. Den Deutschen bleibt also die schöne Gewißheit, mit dem Markennamen Hitler auf dem Markt der ewigen Bad Guys zu siegen.


Anm. Dikigoros: Ein deutscher Autor hat jetzt einen interessanten Vorschlag gemacht: Statt Saddam u.a. Bösewichter ständig mit Hitler zu vergleichen, sollte man doch mal den Perser Ahmadi-Nedschad mit Nadir Schah vergleichen!


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