Jüngst rief Katrina Vanden Heuvel, Chefredakteurin des linken US-Magazins
"The Nation", die Politiker Amerikas auf, der so idiotischen wie lieb gewonnenen
Sitte zu entsagen, ihre Gegner mit Hitler- und Holocaustanalogien zu
überziehen. Die Vergleiche hinkten immer, der öffentliche Diskurs sei hart genug
auch ohne die Bemühung ihres Lieblingsmonsters. Vanden Heuvels Vorschlag ist
verblüffend in seiner Hellsicht und natürlich ganz unannehmbar. Wie sollte
Donald Rumsfeld denn anders einem Mann wie Hugo Chavez beikommen: "Er wurde
legal gewählt - so wie Adolf Hitler legal gewählt wurde"? Was liegt näher für
den republikanischen Senator Rick Santorum, als die Kritik an einem politisches
Manöver in der Kammer wie folgt zurückzuweisen: "Es ist als ob Adolf Hitler 1942
sagte: "Ich bin in Paris. Wer wagt es, bei mir einzumarschieren oder meine Stadt zu
bombardieren. Sie gehört mir'." Natürlich bedienen sich nicht nur amerikanische
Politiker bei Hitler und seinen abgeschlagen folgenden, Analogiekollegen Stalin,
Mao, Pol Pot. Harry Belafonte verglich die Beamten des US-Ministeriums für
Heimatschutz mit der Gestapo; und ein Führer der Schwarzenorganisation NAACP,
Julian Bond, verdächtigt die Republikaner, sie würden "das Sternenbanner neben
der Hakenkreuzfahne hissen". Ein Guru der Konservativen, Grover Norquist, konnte
nicht anders, als die Erbschaftssteuer für Superreiche mit sensiblem
Geschichtsverständnis abzulehnen: "Das ist die Moralität des Holocaust: Bleibt
es bei einem kleinen Prozentsatz der Bevölkerung, ist es o.k."
Was Vanden Heuvel versäumte, ist einen Ersatz anzubieten: etwa Zitate von
Führern des Ku Klux Klan, von prominenten US-Antisemiten in den 30er Jahren, der
Mundschaum des McCarthy - das ist zu haben und wäre doch zu obskur und harmlos
für den täglichen Vernichtungskrieg auf dem Kapitol.
Eine Suche in der Datenbank Lexis Nexis nach "Hitler" in US-Medien im
vergangenen Monat zeitigte 350 Nennungen; Vanden Heuvels Vorschlag wird
scheitern. Doch zur Zeit trägt unter amerikanischen Politikern der iranische
Präsident den Titel des neusten Hitler. Den Deutschen bleibt also die schöne
Gewißheit, mit dem Markennamen Hitler auf dem Markt der ewigen Bad Guys zu
siegen.
Anm. Dikigoros: Ein deutscher Autor hat jetzt einen interessanten Vorschlag gemacht: Statt Saddam u.a. Bösewichter ständig mit Hitler zu vergleichen, sollte man doch mal den Perser Ahmadi-Nedschad mit Nadir Schah vergleichen!
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