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Der 500 Hektar große Hof bei Leeuwspruit in der Nordwest-Provinz wird
von seinen früheren schwarzen Eigentümern beansprucht. Die
Verhandlungen um die Farm ziehen sich seit fast zweieinhalb Jahre
hin. Die "Kommission zur Rückerstattung von Landrechten" bot dem
Farmbesitzer Hannes Visser umgerechnet 226 000 Euro für seinen Hof.
Doch der Eigentümer beharrt hartnäckig darauf, dass das Gut, auf dem
er einen fleischverarbeitenden Kleinbetrieb errichtet hat,
mindestens 390 000 Euro wert sei.
Nach dem Abbruch der
Verhandlungen bat der Kommissionsvorsitzende Blessing Mphela
Südafrikas Landminister um eine Verfügung zur Enteignung der Farm,
die nun erlassen wurde. Visser will gegen den Enteignungsbescheid
Rechtsmittel einlegen.
Der Farmer bestreitet auch die
Darstellung der Kommission, wonach die ehemaligen schwarzen
Eigentümer die Farm einst unter Zwang hergeben mussten. Vielmehr
hätten sie den Hof 1942 zu einem durchaus marktüblichen Preis
verkauft und wollten nun ein zweites Mal kassieren. Vissers Vater
hatte das Gut 1968 erworben.
Ein Sprecher der früheren
Farmbesitzer bezeichnete Visser indessen als "Lügner". Die
Molamu-Familie habe ihren Besitz damals weit unter dem tatsächlichen
Wert verkaufen müssen, nachdem sie zuvor durch unzählige
Sabotageakte praktisch vertrieben worden seien, sagte Jeremiah
Moropa.
Die bevorstehende Enteignung wird als Indiz dafür
gesehen, dass Südafrikas Regierung ihre Politik der Landreform
verschärfen will. Erklärtes Ziel des regierenden Afrikanischen
Nationalkongresses (ANC) ist es, bis zum Jahr 2014 ein Drittel der
von Weißen gehaltenen Farmen an schwarze Besitzer zu überführen. Die
Regierung hält den bislang verfolgten Grundsatz für gescheitert,
wonach für die Umverteilung nur freiwillig zum Verkauf angebotene
Güter zu marktüblichen Preisen erworben werden sollen. Die Farmer
verlangten exorbitante Preise und steckten mit den privaten
Wertschätzern unter einer Decke, klagte jüngst der Kommissar für
Landansprüche, Tozi Gwanya.
Auf einer Konferenz forderte
Südafrikas Vizepräsidentin Phumzile Mlambo-Ngcuka kürzlich in
Johannesburg "mehr Dampf" in der Landreform. "Dabei können uns auch
die Fähigkeiten der Simbabwer helfen", sagte die Vizepräsidentin
unter ungläubigem Staunen vieler Zuhörer: In Südafrikas Nachbarstaat
brachte eine höchst umstrittene Landreform die einst blühende
Agrarwirtschaft fast völlig zum Erliegen.
Die an der
Regierung beteiligte Kommunistische Partei Südafrikas begrüßte die
Entscheidung zur Enteignung. Der Landminister habe erkannt, dass das
Prinzip des freiwilligen Verkaufs zu Marktpreisen das größte
Hindernis für eine zügige Landreform sei, heißt es in einer
Erklärung der Partei: Enteignungen seien ein "wichtiges Werkzeug"
zur Korrektur "historischer Ungerechtigkeiten".