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ERWIN ROMMEL

(1891 - 1944)

[Erwin Rommel 1942]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1891
15. November: Johannes Erwin Eugen Rommel wird in Heidenheim/Brenz (Württemberg) als drittes von fünf Kindern des Gymnasial-Professors Erwin Rommel und dessen Ehefrau Helene (geb. v. Luz) geboren.

1910
Nach dem Besuch des Realgymnasiums in Schwäbisch Gmünd tritt Rommel als Fahnenjunker in das württembergische Heer ein. Er dient im (6. Württembergischen) Infanterieregiment Nr. 124 in Weingarten.

1911
Rommel absolviert einen Kriegsschullehrgang an der Königlich Preußischen Kadettenschule in Danzig.

1912
Rommel wird zum Leutnant befördert und Rekrutenausbilder.

1913
Rommels uneheliche Tochter Gertrud ("Trudel") Stemma wird geboren. Rommel weigert sich, ihre Mutter Walburga zu heiraten.

1914
März: Rommel wird zum Württembergischen Feldartillerieregiment Nr. 49 nach Ulm versetzt.
1. August: Rommel kehrt zum Infanterieregiment Nr. 124 zurück.
August/September: Zu Beginn des Ersten Weltkriegs dient Rommel zunächst als Zugführer in Belgien und später bei Verdun.
September: Rommel wird an der Hüfte verwundet und erhält das Eiserne Kreuz II. Klasse.

1915
Januar: Rommel führt als Kompaniechef ein Stoßtruppunternehmen in den Argonnen (Champagne) und erhält das Eiserne Kreuz I. Klasse.
September: Rommel wird am Bein verwundet und zum Oberleutnant befördert.
Oktober: Rommel wird zum Württembergischen Gebirgsbataillon versetzt, das einen Stellungskrieg in den Vogesen führt.

1916
Oktober: Rommel wird an die rumänische Front verlegt.
November: Rommel heiratet in Danzig Lucia ("Lucie") Maria Mollin. Aus der Ehe geht 12 Jahre später ein Sohn hervor (nachmals Oberbürgermeister von Stuttgart).

1917
Oktober: Rommel wird mit dem Gebirgsbataillon an die italienische Isonzofront versetzt und nimmt am Vormarsch auf die Piave teil.
Dezember: Rommel wird für die Erstürmung des Monte Mataggio der preußische Orden Pour le Mérite verliehen.

1918
Januar: Rommel wird als Ordonnanzoffizier zum Generalkommando 64 an die Westfront versetzt.
Oktober: Rommel wird zum Hauptmann befördert und zum IR 124 nach Weingarten zurück versetzt.

1919
Juni: Rommel wird als Kompanie-Chef in die Württemberger Brigarde des 100.000-Mann-Heers der Reichswehr übernommen. Während der 14 Jahre der Weimarer Republik wird er nicht ein einziges Mal befödert.

1921
Rommel wird Kompanie-Chef im IR 13 in Stuttgart.

1929
Rommel wird Instrukteur an der Infanterieschule Dresden.

1933
30. Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg beauftragt Adolf Hitler als Führer der stärksten Fraktion im Reichstag mit der Regierungsbildung. Der fast 42-jährige Hauptmann Rommel begrüßt die Machtübernahme der Nationalsozialisten, da er sich eine Revision des Diktatfriedens von Versailles und damit bessere Beförderungsaussichten in einem wieder vergrößerten Heer erhofft.
Oktober: Rommel wird zum Major befördert und zum Bataillonskommandeur im IR 17 ("Goslarer Jäger") ernannt.

1934
30. Juni/1. Juli: Rommel begrüßt die im Volksmund "Nacht der langen Messer" genannte "Niederschlagung des Röhm-Putsches", bei der Hitler auf Drängen der Reichswehrführung Politiker und SA-Führer, die ihre Truppe zur zweiten bewaffneten Macht im Reiche machen wollen, liquidieren läßt.
30. September: Beim Reichsbauerntag in Goslar setzt Rommel durch, daß die Schutzstaffel (SS) bei der Aufstellung eine Position hinter der Armee einnimmt. Er selber schreitet neben Hitler die Front ab.

1935
März: Die deutsche Wehrhoheit wird wieder hergestellt, die Fesseln des 100.000-Mann-Heeres werden gesprengt.
September: Rommel wird zum Oberstleutnant befördert und zum Lehrgangsleiter an der Infanterieschule Potsdam ernannt.

1936
Rommel wird in das militärische Begleitkommando Hitlers berufen.

1937
Rommels Buch "Infanterie greift an" wird veröffentlicht. Bis zum Verbot durch die allierten Besatzer 1945 werden mehr als 400.000 Exemplare verkauft.



1938
Oktober: Bei der Befreiung des Sudetenlandes befehligt Rommel das Führerbegleitkommando. Er wird zum Oberst befördert.
November: Rommel wird zum Kommandeur der Kriegsschule in Wiener Neustadt (vormals "Theresianische Militärakademie") ernannt.

1939
März: Rommel ist Kommandant des Führerhauptquartiers bei der Besetzung der "Resttschechei" und des Memellandes.
September: Rommel wird zum Generalmajor befördert. Bei Beginn des Polenfeldzugs hat er die militärische Leitung des Führerhauptquartiers inne.

1940
Februar: Rommel wird zum Kommandeur der 7. Panzerdivision ernannt.
26. Mai: Nach erfolgreichem Einsatz im Frankreichfeldzug wird Rommel zum Generalleutnant befördert. Ihm wird das Ritterkreuz verliehen.


1941
Februar: Nachdem britische Streitkräfte aus Ägypten in die italienische Kolonie Libyen eingedrungen sind, wird ein deutsches Afrikakorps aufgestellt, dessen Oberbefehl Hitler gegen den Rat des Oberbefehlshabers des Heeres, Walther von Brauchitsch, Rommel überträgt.
20. März: Nach Rückeroberung der Cyrenaika wird Rommel das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
April: Rommels erste Offensive gegen die britischen Truppen läuft sich mangels Nachschubs fest; es gelingt ihm insbesondere nicht, die festungsmäßig ausgebaute Hafenstadt Tobruk im Handstreich zu nehmen. Das Versäumnis, den britischen "Flugzeugträger" Malta zu erobern, von dem aus die meisten Transportschiffe der Achse im Mittelmeer versenkt werden, rächt sich bitter.
Juli: Rommel wird zum General der Panzertruppen befördert und zum Befehlshaber der "Panzergruppe Afrika" ernannt.
November: Rommel muß sich während der britischen Offensive "Crusader" aus der Cyrenaika zurück ziehen.

1942
Januar: Nachdem es den deutschen Nachschubtransportern erstmals gelungen ist, einen Konvoi - u.a. mit 54 neuen Panzern - unbeschadet nach Libyen durchzubringen, erobert Rommel die Cyrenaika zurück.
Mai: Die große Sommeroffensive der Achsenmächte in Afrika beginnt.
22. Juni: Rommel wird nach der Eroberung von Tobruk zum Generalfeldmarschall befördert.



Rommel gerät zunehmend in Konflikt zur Generalstabsführung unter Feldmarschall Wilhelm Keitel und Generaloberst Alfred Jodl, die ihn wegen des engen Verhältnisses zu Hitler und seines schnellen Aufstiegs in die Wehrmachtsführung (binnen neun Jahren vom Hauptmann zum Feldmarschall) ablehnen.
Juni-August: Rommels Truppen rücken bis El Alamein (Ägypten) vor. Der Schotte Bernard L. Montgomery wird Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Nordafrika. Nachdem es den Briten gelungen ist, den deutschen Funkcode zu dechiffrieren, gelingt es ihm, Rommels Vormarsch aufzuhalten.
September-Oktober: Rommel verbringt einen Genesungsurlaub im Reich. Er und seine "Wüstenfüchse" werden von der Propaganda als Helden gefeiert. Er tritt u.a. im Berliner Sportpalast auf.

[Kamele und andere Helden] [Rommel]

Oktober: Bei El Alamein startet die britische Gegenoffensive mit überlegenen Kräften (Soldaten 3:1 - wobei die Italiener, deren Kampfkraft praktisch bei null liegt, mit gezählt sind -, Artillerie, Panzer und Flugzeuge 20:1, Munition und Treibstoff 100:1).
November: Nach dem Durchbruch der Briten beginnt Rommel gegen Hitlers Befehl den Rückzug. Kurz darauf landen alliierte Truppen in Algerien (Unternehmen "Torch").

1943
Februar: Rommel wird Oberbefehlshaber der "Heeresgruppe Afrika". Statt Nordafrika rechtzeitig zu räumen, werden in den Brückenkopf Tunesien noch große Mengen an Soldaten und Material gepumpt.
März: Angesichts der zunehmend hoffnungslosen Lage wird Rommel aus Nordafrika abberufen.
Mai: Die deutsche Heeresgruppe Afrika kapituliert vor den alliierten Truppen; die Höhe der Verluste entspricht zahlenmäßig denen bei Stalingrad.*
Juli: Rommel erhält nach der alliierten Landung auf Sizilien das Kommando über die Heeresgruppe B.
August: In Italien wird Benito Mussolini gestürzt und auf Befehl von König Vittorio Emanuele III inhaftiert. Rommels Heeresgruppe entwaffnet daraufhin die italienischen Streitkräfte.
September: Rommel hat den Oberbefehl in Norditalien, während Feldmarschall Albert Kessselring die deutschen Truppen in Süditalien befehligt.
November: Rommel erhält den Auftrag zur Absicherung der französischen Kanalküste gegen eine anglo-amerikanische Invasion. Er ist insoweit Hitler direkt unterstellt. Seine Maßnahmen (u.a. Aufstellung eiserner Stangen - "Rommelspargel" - zur Behinderung von Landungsbooten, die bei Ebbe viel zu weit an Land stehen) erweisen sich als völlig unzureichend.

1944
Februar: Rommel wird von seinem WK-I-Kameraden Karl Strölin (Bürgermeister von Stuttgart) auf eine Teilnahme am Putsch gegen Hitler angesprochen; er lehnt dies ab.
März: Rommel unterzeichnet das Treuegelöbnis der Generalfeldmarschälle und übergibt es an Hitler.
Mai: Rommel wird von General Stülpnagel (Kommandant von Paris) auf eine Teilnahme am Putsch gegen Hitler angesprochen; er lehnt dies wiederum ab, verrät die Verschwörer jedoch nicht.
6. Juni: Während Rommel zur Geburtstagsfeier seiner Frau nach Herrlingen gereist ist, beginnt die alliierte Invasion in der Normandie. Rommel bestärkt Hitler in der irrigen Auffassung, daß es sich lediglich um ein "Ablenkungsmanöver" handele, während die "echte" Invasion am Pas de Calais noch bevorstehe. Dadurch wird entscheidende Zeit zur Heranführung von Kräften versäumt, welche die Invasion hätten abwehren können.
Nachdem sich die alliierten Invasionstruppen festgesetzt haben, drängt Rommel Hitler auf einen Separatfrieden mit den Westmächten - in völliger Verkennung der Tatsache, daß diese zu einem solchen nicht bereit sind, sondern auf bedingungsloser Kapitulation bestehen.
Juli: Die Verschwörer gegen Hitler versuchen erneut, Rommel für sich zu gewinnen. Noch bevor Rommel eine Entscheidung treffen kann, wird er bei einem alliierten Tieffliegerangriff schwer verwundet.
20. Juli: Das Attentat auf Hitler scheitert an der Unfähigkeit des Oberst i.G. Graf Stauffenberg.
August: Während sich Rommel auf Genesungsurlaub in Herrlingen befindet, beginnt vor dem Volkgerichtshof der Prozeß gegen die Verschwörer vom 20. Juli. Einige der letzteren sagen aus, daß Rommel die Verschwörung gebilligt habe oder jedenfalls ein Mitwisser gewesen sei.
7. Oktober: Rommel erhält den Befehl, sich in Berlin beim Oberkommando der Wehrmacht (OKW) zu melden, um sich ebenfalls vor dem Volksgerichtshof zu verantworten. Rommel lehnt dies unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand ab.
14. Oktober: Zwei Generale überbringen Rommel im Auftrag des OKW die Anschuldigung, an der Attentatsplanung beteiligt gewesen zu sein. Rommel begeht daraufhin mit einer Giftkapsel Selbstmord. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: "Ich habe Hitler geliebt und liebe ihn noch."
18. Oktober: Rommels Leiche wird mit einem großen Staatsakt in Ulm beigesetzt.


* * * * *

1945
Die Alliierten foltern einem deutschen Kriegsgefangenen das absurde "Geständnis" ab, im September 1943 vor der Küste Korsikas mehrere Tonnen Gold versenkt zu haben, welche die SS im Auftrag Rommels aus Synagogen in Tunesien geraubt habe. (Tatsächlich befand sich der "Geständige" im fraglichen Zeitpunkt als Verwundeter in einem Lazarett an der Ostfront; die fragliche SS-Einheit, deren Kommandeur sich nach Kriegsende - wie Martin Bormann - nach Südamerika abgesetzt haben soll, hat es nie gegeben.) Nordafrikanische Juden - die auf Entschädigung und "Wiedergutmachung" in Milliardenhöhe spekulieren - schmücken dieses Märchen im Laufe der Zeit mit immer mehr Einzelheiten aus. Bis heute suchen Verrückte und Leichtgläubige aus aller Welt das Mittelmeer nach dem "Schatz Rommels" ab.**

1961
20. Juli: zum 17. Jahrestag des verpfuschtentragisch mißlungenen Attentats auf Hitler wird eine Bw-Kaserne in Augustdorf in dem "Widerstandskämpfer" Rommel benannt.

1987
Die Rommel-Biografie von Ralf G. Reuth erscheint, die "Des Führers General" militärisch, politisch und menschlich in äußerst schlechtem Licht erscheinen läßt; seine große Popularität habe er ausschließlich den guten Beziehungen zu Propaganda-Minister Goebbels zu verdanken gehabt.***


1995
Die Rommel-Biografie des britischen Generals a.D. David Fraser erscheint. Sie wird in der BRDDR tot geschwiegen - nicht so sehr wegen ihrer unkritischen Lobhudeleien, sondern weil sich darin Sätze finden wie: "Vielleicht ist der Feindeshaß in Deutschland seltener gewesen als bei seinen demokratischen Gegnern, die den Feind schon deshalb dämonisieren mußten."

2002
Der französische Regisseur Maurice Philip Remy versucht vergeblich, in einem "Dokumentarfilm" Rommel zum "Widerstandskämpfer" aufzubauen.

2004
60 Jahre nach Rommels Tod gilt er in Deutschland nicht mehr als "Widerstandskämpfer", sondern als "Feldherr des Führers", und in England sogar als besonders übler Nazi - wie die Deutschen generell. Als der Sohn des Thronfolgers, Prinz Harry, auf einer privaten Karnevalsfete als Rommel verkleidet erscheint, macht dies im englischen Blätterwald Schlagzeilen, als sei der Dritte Weltkrieg ausgebrochen.

[Harry der Nazi - Schlagzeile in der 'Sun']


*Allerdings handelt es sich zu 75% um - militärisch so gut wie wertlose - italienische Soldaten, die sich praktisch kampflos in Gefangenschaft begeben; die meisten überleben den Krieg unbeschadet.

**Nach anderen "Quellen" wurde das "Nazi-Gold" auf der Yacht des australischen Schauspielers Errol Flynn - mit Hilfe von Evita Perón und/oder Fidel Castro - nach Lateinamerika gebracht.

***Reuths Kritik an Rommels militärischen Fähigkeiten ist durchaus nachvollziehbar. Dagegen findet die Behauptung seiner besonders intimen Beziehungen zu Goebbels in dessen - von Reuth selber heraus gegebenen - Tagebüchern kaum eine Stütze; Goebbels ist offenbar erst 1941 auf Rommel aufmerksam geworden, als dieser bereits Jahre lang in mehr oder weniger engem Kontakt zu Hitler stand, was seine Karriere weit mehr gefördert haben dürfte. Mit der öffentlichen "Heroïsierung" Rommels begonnen hatten - ähnlich wie im Falle Friedrichs II von Preußen knapp 200 Jahre zuvor - die britischen Medien, die Rommels Leistungen überbewerteten, um vom Versagen ihrer eigenen Generäle abzulenken.


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