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Joachim  Ribbentrop

[seit 1925: von Ribbentrop]

(1893 - 1945)

[Joachim v. Ribbentrop]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1893
30. April: Ullrich Friedrich-Wilhelm Joachim Ribbentrop wird in Wesel (Niederrhein) als Sohn des Hauptmanns Joachim Ribbentrop und seiner Ehefrau Sophie, geb. Hartwig, geboren.

1910
Nach dem Besuch verschiedener höherer Schulen in Deutschland und der Schweiz geht Ribbentrop mit seinem Bruder nach Montreal (Kanada), wo er eine Banklehre beginnt.

1912
Ribbentrop arbeitet im kanadischen Eisenbahnbau.


1913
Ribbentrop geht als Reporter für mehrere Monate nach New York.

1914
Ribbentrop eröffnet in Ottawa (Kanada) ein Importgeschäft für deutsche Weine.
In seiner Freizeit spielt Ribbentrop Eishockey; da damals im Sport noch keine Nationalitäts-Beschränkungen gelten, wird er sogar in die kanadische Auswahlmannschaft berufen, die schon damals als eine der besten der Welt gilt.


Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs flieht Ribbentrop aus Kanada, kehrt nach Deutschland zurück und meldet sich als versierter Reiter freiwillig zum Militärdienst in der Kavallerie.

1914-1918
Ribbentrop wird mehrfach verwundet und erhält das Eiserne Kreuz I. Klasse. Er dient zuletzt als Oberleutnant der Reserve bei der deutschen Militärmission in Konstantinopel (heute İstanbul), wo er den Major i.G. Franz v. Papen kennen lernt.

1919
Nach seiner Verabschiedung vom Militär arbeitet Ribbentrop zunächst bei einem Baumwoll-Importeur in Bremen und eröffnet dann eine eigene Weinhandelsfirma in Berlin.

1920
Juli: Ribbentrop heiratet Anna Elisabeth ("Annelies") Henkell, die Tochter eines Sektfabrikanten. Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor.

seit 1920
Ribbentrop leitet die Henkell-Vertretung in Berlin. (Daraus machen seine Gegner später das Gerücht, er sei "nur ein Sektvertreter" gewesen, ähnlich wie sie dem späteren US-Präsidenten Harry S. Truman nachsagen, er sei "nur ein Schnürsenkelvertreter" gewesen.) Ribbentrop baut das Sekt-Geschäft erfolgreich aus und macht "Henkell" zur führenden Marke in Deutschland.


1925
Ribbentrop läßt sich von einer entfernten Tante adoptieren, um so den Adelstitel "von" zu erwerben und gesellschaftlich "aufzusteigen". Politisch nähert er sich den Deutschnationalen.

1930
Ribbentrop trifft erstmals mit Adolf Hitler zusammen, den er mit seiner Auslandserfahrung - vor allem in Amerika, aber auch in der Türkei (Hitler ist ein großer Bewunderer Atatürks) - und seinen englischen Sprachkenntnissen beeindruckt.

1932
Mai: Ribbentrop wird Mitglied der Nationalsozialistischen Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP).
Ribbentrops Villa in Berlin-Dahlem ist Treffpunkt von Hitler und Papen für Verhandlungen über eine gemeinsame Koalition, um den Reichskanzler Kurt v. Schleicher abzulösen. Ribbentrop fungiert als Vermittler zwischen konservativen Kreisen und den Nationalsozialisten.

1933
Januar: Nach der Berufung Hitlers zum Reichskanzler wird Ribbentrop Mitglied des Reichstags für die Stadt Potsdam und außenpolitischer Berater Hitlers; als solcher erhält er eine eigene außenpolitische Abteilung, die "Dienststelle Ribbentrop".
Ribbentrop wird zum Standartenführer (Oberst) der Schutzstaffel (SS) ernannt.

1934
Ribbentrop wird "Abrüstungsbeauftragter" des Deutschen Reiches, das sich von der Genfer Abrüstungskonferenz zurück gezogen hat.

1935
Ribbentrop wird in Konkurrenz zu Alfred Rosenberg Leiter des Amts für außenpolitische Sonderfragen.
Juni: Ribbentrop schließt als Sonderbotschafter in London das deutsch-britische Flottenabkommen.

1936
25. November: Der von Ribbentrop ausgehandelte "Antikominternpakt" zwischen Japan und dem Deutschen Reich wird geschlossen; er hat mehr propagandistische als tatsächliche Wirkung. (Italien tritt dem Pakt im folgenden Jahr bei.)
Dezember: Ribbentrop übernimmt den seit dem Tode Leopolds v. Hoesch im April vakanten Posten eines Botschafters in London; er hatte sich gegenüber Hitler anläßlich der Bayreuther Festspiele im August stark gesagt, als solcher das von diesem erträumte Bündnis mit Großbritannien zustande zu bringen.

1937
28. Dezember: In einem desillusionierenden "Hauptbericht" räumt Ribbentrop sein Scheitern in der englischen Bündnisfrage ein. Seine Einschätzung der englischen Außenpolitik lautet wie folgt: 1. England hat nichts gegen eine deutsche Hegemonie in Mitteleuropa; solange sich Deutschland darauf beschränkt (z.B. Anschluß Österreichs) wird England nicht in den Krieg ziehen. 2. Darüber hinaus gehenden Gebietserwerbungen (z.B. gegenüber Polen), die zu einer Hegemonie Deutschlands in ganz Europa führen könnten, wird England energisch entgegen treten, notfalls auch militärisch. 3. England wird jedoch keine militärische Auseinandersetzung riskieren, wenn eine solche aussichtslos wäre, etwa weil Deutschland im Bündnis mit anderen, überlegenen Mächten, stünde (z.B. der Sowjetunion).
Ribbentrop, der allzu "kaufmännisch" denkt, verkennt, daß die englische Politikerkaste ("Establishment") nicht von Geschäftsleuten beherrscht wird, sondern von Ideologen, die spätestens seit 1935 den Krieg gegen Deutschland um jeden Preis suchen - selbst um den des eigenen Empire - und daß jedes scheinbare Entgegenkommen Großbritanniens ("appeasement") lediglich dem Ziel dient, Zeit für eine massive Aufrüstung zu gewinnen.

1938
2. Januar: In einem "Schlußbericht" anläßlich seiner Rückkehr nach Deutschland faßt Ribbentrop seine Thesen zur englischen Außenpolitik nochmals zusammen. Hitler - der außer den drei "Grazien" Winifred Wagner, Unity Mitford und Helena Hanfstaengl keine Engländer persönlich kennt - ist beeindruckt.
5. Februar: Bei der Kabinettsumbildung ernennt Hitler Ribbentrop als Nachfolger von Konstantin v. Neurath zum Außenminister und zu seinem Stellvertreter den Berufsdiplomaten Ernst v. Weizsäcker; dieser führt als Staatssekretär die eigentlichen Amtsgeschäfte.
März: Während Hitler gegenüber "Österreich" zunächst vorsichtig taktieren will und eine bloße Wirtschafts- und Währungsunion anstrebt, drängt Ribbentrop im Zusammenspiel mit Hermann Göring darauf, dem Wunsch des Volkes nachzugeben und den seit 1918 immer wieder von den Alliierten verhinderten "Anschluß" der "Ostmark" sofort zu vollziehen; Hitler gibt schließlich - wie sein 7. Nachfolger ein gutes halbes Jahrhundert später beim Anschluß der "DDR" an die "BRD" - nach.
29./30. September: Beim Münchner Abkommen zwischen dem Deutschen Reich, Großbritannien, Frankreich und Italien zur Wiedervereinigung des Sudetenlandes mit dem Deutschen Reich spielt Ribbentrop nur eine Nebenrolle.

1939
25./26. Januar: Ribbentrop versucht bei einem Staatsbesuch in Warschau, Polen die Zustimmung zur Rückkehr der freien Stadt Danzig ins Deutsche Reich und zum Bau einer exterritorialen Autobahn durch den westpreußischen "Korridor" abzuringen, provoziert damit aber lediglich die Zerstörung des deutschen Botschaftsgebäudes und die Ermordung von Angehörigen der volksdeutschen Minderheit durch den polnischen Mob sowie die Einleitung der Mobilmachung durch den polnischen Kriegsminister Kasprzicki.
23. August: Ribbentrop und sein sowjet-russischer Kollege Wjatscheslaw Molotow unterzeichnen nach mehrtägigen intensiven Verhandlungen in Moskau den deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag, der nach außen hin lediglich ein Nichtangriffspakt ist, in dessen geheimem Zusatzprotokoll jedoch auch eine Einigung über die Abgrenzung der beiderseitigen Interessenssfären in Osteuropa (Finnland, Baltikum, Polen, Rumänien) erzielt wird.
Ribbentrop wird darob von Hitler, der Stalins Pläne nicht durchschaut, als "zweiter Bismarck" gerühmt.*

[24. August 1939: ein begeisterter Hitler empfängt Ribbentrop und Weizsäcker zur Feier des Nichtangriffspakts]

1. September: Nach der Verständigung mit Stalin beginnt der von der Warschauer Regierung im Vertrauen auf englische Garantien durch Terrormaßnahmen gegen die volksdeutsche Minderheit bewußt provozierte Polenfeldzug.
3. September: Zur großen Überraschung Ribbentrops - der fest an seine eigene These von der Abschreckung Englands durch das deutsch-sowjetische Bündnis geglaubt hatte - und Hitlers - der seinem "zweiten Bismarck" blind vertraut hatte - erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (nicht aber der Sowjetunion, als auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), der sich bald zum Zweiten Weltkrieg ausweitet.
27. September: Ribbentrop fliegt erneut nach Moskau und handelt eine Modifizierung der Interessenssfären aus: Stalin tritt den ihm zugefallenen Teil Polens westlich der Curzon-Linie ab und erhält dafür Litauen. Ribbentrop gelingt es nicht, Stalin zum Kriegseintritt gegen England und Frankreich zu bewegen.

1940
27. September: In Berlin wird der Dreimächtepakt zwischen Italien, Japan und dem Deutschen Reich geschlossen und von Ribbentrop offiziell verkündet.

[Ribbentrop und Matsuoka bei der Fahrt durch Berlin]

1941
März-April: Ribbentrop empfängt den japanischen Außenminister Yosuke Matsuoka in Berlin. Er erörtert mit ihm einen japanischen Angriff auf die britische Kolonie Singapur, verschweigt ihm jedoch die deutschen Pläne eines Angriffs auf die Sowjetunion.
13. April: Infolgedessen schließt der nichtsahnende Matsuoka auf seiner Rückreise in Moskau mit Molotow einen japanisch-sowjetischen Nichtangriffspakt, an den sich Japan auch nach Beginn des Rußlandfeldzugs gebunden fühlt. Dadurch kann Stalin im Winter 1941-42 Truppen aus Sibirien nach Moskau abziehen, welche die drohende Niederlage gegen Deutschland abwenden.
Dezember: Japan entscheidet sich im Vertrauen auf die Neutralität der UdSSR zum Krieg gegen die USA. Trotz anschließender Kriegserklärung des Deutschen Reiches an die USA gelingt es Ribbentrop nicht, Japan zum Kriegseintritt gegen die UdSSR zu bewegen.

seit 1942
Mit Fortdauer des Krieges nimmt Ribbentrops Bedeutung stetig zugunsten Weizsäckers ab; seine Tätigkeit erschöpft sich schließlich im Unterzeichnen der von letzterem aufgesetzten Schreiben an verbündete Staaten, sich stärker an der Judenverfolgung zu beteiligen.

1943
April-Juni: Ribbentrop versucht über Mittelsmänner in Stockholm, auf eigene Faust einen Separatfrieden mit der Sowjetunion auf der Basis der Grenzen von 1939 auszuhandeln.
Juli: Hitler setzt dagegen auf eine letzte Offensive bei Kursk, die jedoch im Vorfeld an die Sowjets verraten wurde und daher scheitert.

1945
20. April: Ribbentrop nimmt an Hitlers letzter Geburtstagsfeier im Bunker der Berliner Reichskanzlei teil.
1. Mai: Nach Hitlers Selbstmord verliert Ribbentrop sein Amt, da Hitler testamentarisch Arthur Seyß-Inquart zum neuen Außenminister bestimmt hat. Ribbentrop geht nach Flensburg, um Anschluß an die neue Reichsregierung unter Großadmiral Karl Dönitz zu finden, der ihn jedoch abweist. Danach taucht Ribbentrop in Norddeutschland unter.
14. Juni: Ribbentrop wird als letzter deutscher Minister in Hamburg von britischem Militär aufgespürt und gefangen gesetzt.
August: Nach dem Abwurf zweier amerikanischer Atombomben auf die unverteidigten Städte Hiroshima und Nãgasaki sowie dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Mandschukuo kapituliert Japan; der Zweite Weltkrieg ist damit beendet.
November: Vor dem inter-alliierten Militär-Tribunal in Nürnberg wird Ribbentrop wegen "Verschwörung zu einem Angriffskrieg" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt.

1946
1. Oktober: Ribbentrop wird für schuldig befunden und zum Tode durch den Strang verurteilt.
(Sein Staatssekretär Weizsäcker kommt dagegen mit einer achtjährigen Gefängnisstrafe davon und wird ein Jahr nach Urteilsverkündung begnadigt.)
16. Oktober: Joachim von Ribbentrop wird als erster der Verurteilten hingerichtet; auch Matsuoka wird von den USA als "Kriegsverbrecher" hingerichtet.


1953
Annelies v. Ribbentrop veröffentlicht die Memoiren ihres Mannes unter dem Titel "Zwischen Moskau und London".


1962
Annelies v. Ribbentrop veröffentlicht "Verschwörung gegen den Frieden".

1967
Annelies v. Ribbentrop veröffentlicht "Deutsch-englische Geheimverbindungen".

1975
Ribbentrops Sohn Rudolf veröffentlicht aus dem Nachlaß seiner Mutter Annelies "Die Kriegsschuld des Widerstandes. Aus britischen Geheimdokumenten 1938/39". Darin wird die - zweifelhafte - These vertreten, die Engländer hätten sich erst auf Anstiftung deutscher "Widerständler" zum Krieg gegen das Reich entschlossen. Historisch bedeutsam ist das Buch allerdings, weil es den bis 1972 von den Briten unter Verschluß gehaltenen "Hauptbericht A 5522" Ribbentrops vom 28. Dezember 1937 enthält.

1992
Kurz vor Ribbentrops 100. Geburtstag erscheinen die beiden Biografien der US-Amerikaner John Weitz ("Hitler's Diplomat") und Michael Bloch zeitgleich in New York. (Sie durften bisher nicht in deutscher Übersetzung erscheinen, da sie als zu "unkritisch" gelten.)


2006
Nachdem Polen - das infolge einer deutschen Außenpolitik, die noch immer so unfähig ist wie zu Zeiten Ribbentrops, inzwischen EU-Mitglied geworden ist und von der BRDDR Milliarden Subventionen erhält - wiederholt Gas aus der von Rußland nach Deutschland führenden Pipeline gestohlen und versucht hat, seine Nachbarn mit einer Unterbrechung derselben zu erpressen, vereinbaren die Regierungen Rußlands und der BRDDR den Bau einer neuen Pipeline durch die Ostsee. Der polnische Kriegsminister Sikorski vergleicht diese Vereinbarung mit dem "Ribbentrob-Molotow-Pakt" von 1939 und initiiert eine Hetze gegen Deutsche und Russen, die der damaligen, die zum Polenfeldzug führte, in nichts nachsteht - nur mit dem Unterschied, daß sich Großbritannien und Frankreich diesmal nicht in der Lage sehen, die polnischen Kriegspläne zu unterstützen.


*Hitlers Vergleich hinkt nicht nur, sondern entbehrt jeglicher Grundlage: Bismarck schloß nie ein ähnliches Bündnis mit Rußland. Am ehesten vergleichbar ist noch der Vertrag, den im April 1764 Prinz Heinrich von Preußen für seinen Bruder Friedrich II mit Katharina II von Rußland aushandelte im Hinblick auf die anstehende Aufteilung des Raubstaates Polen-Litauen - der schon damals seine Kolonialvölker brutal unterdrückte, vor allem die protestantischen Preußen und die orthodoxen Weißrussen und Ukraïner. Jener Vertrag wurde freilich nicht gebrochen, sondern 1767 und 1769 jeweils erneuert und führte schließlich zur Aufteilung jenes Raubstaates.


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