
Im beschaulichen Berliner Ortsteil Pankow-Heinersdorf herrscht seit
Wochen der Ausnahmezustand. Die Anwohner wehren sich gegen den Bau
einer Moschee mit 15 Meter hohem Minarett. Hunderte demonstrieren
regelmäßig gegen das geplante islamische Gotteshaus. Ihr Hauptargument:
Im Einzugsgebiet der Moschee wohnen keine Moslems. Mit der ebenfalls
geplanten Koranschule sollten vielmehr Islamisten in den Ortsteil
geholt werden.
Die Proteste wiederum rufen die Antifa auf den Plan,
die die Heinersdorfer pauschal als „Nazis“ und „Faschisten“ beschimpft.
Die militante Linke klebte sogar Plakate, auf denen die Moschee-Gegner
als Gartenzwerge an Bäumen aufgeknüpft werden.
Moschee-Gegner von Antifaschisten bedroht
In
der Tat eskaliert der Konflikt. Vor einigen Tagen verübten Unbekannte
einen Brandanschlag auf das Privathaus des Pankower
CDU-Kreisvorsitzenden René Stadtkewitz. Es entstand hoher Sachschaden.
Stadtkewitz und seine Familie konnten sich nur knapp retten. Die Union
vermutet die Antifa hinter dem Attentat. Zuvor waren Stadtkewitz und
andere Moschee-Gegner bereits massiv von den Antifaschisten bedroht
worden. Die Polizei konnte den Fall bisher nicht klären.
Die
Gewalt war nun mehrfach Thema im Kommunalparlament des früheren
Ost-Berliner Stadtbezirks. Doch zu einer von der CDU geforderten
Verurteilung von links- und rechtsextremer Gewalt konnte sich der von
der Linkspartei.PDS geführte Bezirk nicht durchringen. Lediglich vom
Anschlag auf Stadtkewitz distanzierte sich die
Bezirksverordnetenversammlung. Linkspartei, Grüne und SPD warnten die
CDU jedoch vor einer Vorverurteilung der Antifa. Diese demonstriert nun
am Samstag „gegen den rassistischen Mob aus Heinersdorf“. Gemeint sind
die Moschee-Gegner. Bisher hat sich das Parlament nicht schützend vor
seine stigmatisierten Bürger gestellt.
„Die Leute glauben, sie haben sich verfahren“
Hintergrund:
Die Ahmadiyya Moslem Gemeinde hat am westlichen Rand des Ortsteils –
direkt am Autobahnzubringer – ein 5000 Quadratmeter großes Grundstück
gekauft. Das 15 Meter hohe Minarett solle das neue Wahrzeichen werden,
befürchten Anwohner, die inzwischen eine Bürgerinitiative gegründet
haben. Jeder, der von Norden nach Berlin hineinkomme, werde künftig von
der Moschee begrüßt, meint ein älterer Mann: „Die Leute glauben doch,
sie haben sich verfahren.“
In Heinersdorf leben fast keine Moslems
Warum
ausgerechnet bei uns? Diese Frage hört man häufig. Denn in Heinersdorf
leben praktisch keine Moslems. Die Ahmadiyya hat dort auch keine
Mitglieder, wie der Sprecher der Frankfurter Zentrale, Hadyatulla
Hübsch, gegenüber FOCUS Online zugibt. Aus „reinem Zufall“ habe sich
die Standortortwahl ergeben. Die meisten Bauanfragen seien abgelehnt
worden, „nur hier bekamen wir eine Zusage“. Die exponierte Lage am
Zubringer zum Berliner Ring sei nicht beabsichtigt.
„Hochgradiger Missionsdrang“ vermutet
An
Zufall mögen die Kritiker jedoch nicht glauben. Selbst der Pankower
Bezirksverordnetenvorsteher Nils-Holger Kirchner (Grüne), ein
Befürworter des Projekts, unterstellt der Ahmadiyya einen „hochgradigen
Missionsdrang“. 100 Moscheen will die Glaubensgemeinschaft in
Deutschland bauen. 19 Projekte sind in Planung und zum Teil schon
realisiert. Das 20. wird in Heinersdorf entstehen, das 21. in Leipzig –
ebenfalls an einer Ausfallstraße, direkt auf dem Weg zum Messegelände.
Kalif sitzt in London
„Jedes
Dorf hat eine Kirche“, sagt Hübsch. Dieses Recht müsse den 40 000
Ahmadis in Deutschland auch zustehen. Weltweit gehören 80 Millionen
Menschen der Glaubensrichtung an. Geführt werden sie von ihrem Kalifen
in London. Rund um die Uhr sendet der Fernsehsender Muslim Television
Ahmadiyya über den Satelliten Astra das religiöse Programm in alle Welt
hinaus. Täglich gibt es eine Stunde deutsches Programm.
„Kopftuch im Staatsdienst? Na klar!“
Für
„sehr gut integriert“ hält der Pankower Parlamentschef Kirchner die
Ahmadis: In den Moscheen werde auf Deutsch gepredigt, außerdem seien
viele Mitglieder deutschstämmig. Die Sekte sei aber ein
„erzkonservativer Haufen“, sagte er zu FOCUS Online. „Kopftuch im
Staatsdienst? Na klar!“, lautet eine Ahmadiyya-Parole. Auf ihrer
Internetseite behauptet die Glaubensgemeinschaft, dass moslemische
Frauen wegen ihres Hauptschmuckes stigmatisiert würden – „ähnlich wie
früher die Juden mit dem Davidstern“. Diese Gleichsetzung hat
merkwürdigerweise bisher keine Proteste hervorgerufen.
Linker Bürgermeister blockiert Abstimmung über Bau
Moschee
und Grundstück in Berlin-Heinersdorf kosten nach Angaben der Ahmadiyya
rund eine Million Euro. Dieses Geld will die 224-köpfige Berliner
Gemeinde durch Spenden aufgebracht haben. Der Bau ist trotz aller
Proteste nicht mehr zu verhindern. Pankows Bürgermeister Burkhard
Kleinert (Linkspartei.PDS) lehnte ein von der Bürgerinitiative
angestrengtes Volksbegehren grundsätzlich ab. Über den Bau einer
Moschee dürfe nicht abgestimmt werden. [Das ist die wahre BRDemokratie! Anm. Dikigoros]
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