Christenverfolgung und andere Verleumdungen
„Ich widme dieses Buch in erster Linie der Jugend, denn durch die Geschichtslügen von gestern wird sie lernen, die für sie zweifellos wichtigeren Geschichtslügen von heute zu erkennen.” (Massimo Fini)
Nero war weder hässlich noch ein Bösewicht. Er brannte Rom
nicht nieder, aber er baute es wieder auf - schöner und moderner, als es je
gewesen war. Keine historische Gestalt hat eine schlechtere Presse gehabt als
der römische Kaiser. Christliche Autoren behaupten sogar, er sei der Antichrist
in Person gewesen.
In Wahrheit aber war Nero ein bedeutender Staatsmann.
Während der vierzehn Jahre seiner Herrschaft erlebte das Römische Reich eine
Zeit des Friedens, der Blüte, eines wirtschaftlichen und kulturellen
Aufschwungs, wie es ihn weder vorher noch nachher gegeben hat. Die seriöse
Geschichtsschreibung weiß längst, dass nicht der mordgierige, perverse Nero Rom
in Brand setzte und den pyromanischen Exzess mit Freudengesang begleitete, doch
das breite Publikum sieht ihn noch immer als Monster sondergleichen. Nicht Nero
war der erste Christenverfolger in großem Stil, sondern der vielgerühmte
Philosoph auf dem Kaiserthron, Marc Aurel. Und Nero verfolgte nicht die Christen
generell, sondern ließ nur diejenigen anklagen, die vermutlich zu den
Brandstiftern gehörten.
Zweifellos war er megaloman, ein Visionär, ein
Exhibitionist, ein unheilbarer Narzisst und höchstwahrscheinlich psycholabil,
erdrückt erst von der herrschsüchtigen, oppressiven Mutter und dann von der
ungeheuren Last, die dem erst Siebzehnjährigen mit der Herrschaft über ein
Weltreich aufgeladen wurde. Eins indessen ist sicher: Dieser Kaiser, der
zugleich Kitharöde war, Sänger, Dichter, Schauspieler, Schriftsteller,
Rennfahrer, voll unstillbarer Wissbegierde in bezug auf Naturwissenschaft und
Technik, der Förderer kühnster Forschungsreisen, der Initiator grandioser
Projekte, dieser Kaiser war einzigartig nicht nur in der Geschichte des
Römischen Reiches. Die wirtschaftlichen und intellektuellen Eliten seiner Zeit
verstanden ihn nicht, oder sie verstanden ihn nur zu gut und bekämpften ihn
deshalb erbittert. Die Senatoren, weil sie ihre Macht gefährdet sahen, ihre
Reichtümer, ihr süßes Nichtstun; und die Intellektuellen, weil sie als brave
Kleinbürger nur das eine sich zu allen Zeiten gleichbleibende Ziel kannten: in
den Kreis der Aristokraten aufzusteigen und an ihren Privilegien
teilzuhaben.
Wie kamen christliche Schriftsteller wie Vittorinus, Commodianus und Sulpicius Serverus darauf, in Nero den Antichristen zu sehen? Warum glaubten sie gar, dass er zu gegebener Zeit wiederkehren würde? Sie zogen ihre Erkenntnisse aus der Offenbarung des Johannes.
„Wer Verstand hat, der überlege die Zahl des Tieres; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 666.”
Mit diesem Satz sind im Laufe der Geschichte immer wieder
Menschen diffamiert worden. Wie in letzter Zeit einige Christen gar behaupten,
der BAR-Code würde die Zahl des Tieres enthalten. Bei Nero ergaben die
hebräischen Zahlenzeichen seines Namens addiert 666. Während des gesamten
Mittelalters, sogar noch Ende des 19. Jh., wurde der Legende vom Antichristen
Nero weithin Glauben geschenkt. Daraus erwuchsen zahlreiche Abstrusitäten. Ein
Papst ließ z.B. den Baum auf Neros Grab fällen und dort eine Kapelle bauen, weil
er die dort nistenden Raben für Dämonen hielt.
Christen hegen noch heute eine
starke Abneigung gegen Nero, da sie ihn für den ersten Christenverfolger halten.
Sueton und Tacitus lieferten ihnen da auch die passenden Belege. Allerdings
haben die christlichen Historiker dabei den Hintergrund dieser beiden Autoren
nicht beachtet. Sueton war ein Sammler von Skandalgeschichten, deren
Wahrheitsgehalt recht fraglich ist. Tacitus gehörte der Klasse von Senatoren und
Großgrundbesitzern an, die Nero politisch bekämpfte. Man kann Tacitus'
Ausführungen also als Propaganda ansehen.
Aber bei Nero nimmt es die
christliche Geschichtsschreibung nicht so genau. Alles, was Sueton und Tacitus
über seine Schandtaten schreiben, wird unweigerlich für bare Münze genommen.
Wenn sie jedoch auch den Christen jede Art von Schändlichkeit zuschreiben
(„wegen ihrer Schandtaten verhasst”, so Tacitus), dann allerdings wird
ihre Glaubwürdigkeit als Quelle in Frage gestellt. Aber genau diese Sicht der
Dinge hat sich in den Schulen breitgemacht. Wenn dagegen von Kaiser Konstantin
die Rede ist, der das Christentum zur Staatsreligion machte, wird bewusst
verschwiegen, dass er seinen Sohn und seine Frau umbringen ließ.
Vollkommen
ruiniert wurde das heutige Ansehen Neros durch Filme wie „Quo vadis?”
Wen Film und Fernsehen als blutrünstiges Ungeheuer darstellen, wird seinen Ruf
so schnell nicht mehr los. Die moderne Geschichtsschreibung zeichnet dagegen ein
ausgewogeneres Bild Neros. Neben Mario Attilio Levi waren es vor allem
englische, französische und rumänische Historiker (das bedeutendste
Nero-Forschungszentrum befindet sich in Bukarest), die Neros Leistungen und
seine Person einer kritischen Überprüfung unterzogen. Durch Quellenkritik und
Betrachtung der tatsächlichen Auswirkungen von Neros Politik kommen sie zu einem
den gängigen Einschätzungen vollkommen entgegengesetzten Bild des Kaisers. Das
einfache Volk verstand und liebte ihn heiß und innig. Seine Beliebtheit war so
groß, dass im Gegensatz zur negativen Nero-Legende bei seinem Tod im Volk eine
positive Legende entstand.
Neros Jugend bis zur Thronbesteigung
Nero wurde als Lucius Domitius am 15. Dezember 37 in Antium
geboren. Sein Vater Gnaeus Domitius gehörte zum plebejischen Adel. Seine Mutter
Agrippina war mit dem Reichsgründer Augustus verwandt. Vom Stammbaum her wäre
Nero ohne den Ehrgeiz seiner machtbesessenen Mutter niemals Kaiser geworden.
Kalt, skrupellos und berechnend verfolgte sie dieses Ziel. Einer seiner Lehrer
war Chairemon, ein ägyptischer Priester, der zum Stoizismus übergetreten war. Er
hatte früher das Museum in Alexandria geleitet, historische und astrologische
Werke verfasst und war Kenner der Archäologie. Als zweiter Lehrer hatte der
Aristotelesschüler Alexander von Aegae großen Einfluss auf Nero. Diese beiden
führten ihn zu jener Art von Philohellenismus, der später zum Leitmotiv seiner
Politik wurde.
Als Nero 12 Jahre alt war, wurde schließlich noch Seneca, der
renommierteste Intellektuelle seiner Zeit, engagiert. Der Philosoph hatte großen
Einfluss auf den jungen Nero, allerdings nur soweit Agrippina, die alles
kontrollierte, das zuließ. Sie machte Seneca klar, dass er sich nicht zu sehr
auf Philosophie konzentrieren solle, weil das für einen zukünftigen Kaiser ihres
Erachtens nicht angemessen war. Nero aber gefiel die Philosophie so sehr, dass
er später als Kaiser den Diskussionen der bei Hofe geladenen Philosophen
lauschte. In seiner Jugend beschäftigte sich Nero vor allem mit Musik, Kunst,
Literatur und Theater, interessierte sich für Wagenrennen und Zirkusspiele.
Als der damalige Kaiser Claudius im Jahr 48 Witwer wurde - er hatte seine
Frau ermorden lassen - kam Agrippina ihrem Ziel ein Stück näher. Sie wurde von
Claudius zur neuen Gattin gewählt. Neros Vater war früh gestorben. Als nächstes
brachte sie Claudius dazu, seine 8-jährige Tochter Octavia mit dem 12-jährigen
Nero zu verloben. Da Claudius' einziger Sohn Britannicus gesundheitlich schwach
war - er litt an Epilepsie -, lies er sich dazu überreden, Nero im Jahr 50 zu
adoptieren. Im Jahr 53 heiratete Nero seine junge Braut. Damit der
Thronbesteigung Neros nichts mehr im Wege stand, beschloss Agrippina -
wahrscheinlich mit Unterstützung Senecas -, ihren Gatten zu vergiften. Claudius
starb am 12. Oktober 54.
Einen Tag später bestieg Nero den Thron. Er galt
allgemein als herzlich, umgänglich, geistreich und intelligent und bestand die
Prüfung der Prätorianer und auch die der strengen Senatoren, die seine Ernennung
zum Kaiser bestätigen mussten. Alle Quellen stimmen darin überein, dass Neros
Thronbesteigung allgemein auf große Begeisterung stieß. Es wurde ein neues
„Goldenes Zeitalter” erwartet.
Im allgemeinen neigen wir dazu, uns das Leben der römischen
Kaiser als eine Aneinanderreihung von Palastintrigen, Verbrechen, Orgien,
Ausschweifungen und Vergnügungen vorzustellen. Dies gab es zwar alles, aber in
weit geringerem Maße, als uns die Geschichtsschreibung glauben macht, die bis
vor kurzem solche Geschehnisse für wichtiger hielt als Tatsachen. In
Wirklichkeit musste ein Kaiser vor allem arbeiten.
Zur Zeit Neros hatte das
Römische Reich enorme Ausmaße erreicht. Damit einher ging eine starke
Machtkonzentration des Kaisers. Neros gesamte Politik zeichnete sich durch Milde
aus. Er hatte offen seine Sympathie für die unteren Klassen, einschließlich der
Sklaven, zu erkennen gegeben. Diese Haltung zog sich durch die gesamte
Regierungszeit. Auf Ehrungen, die ihm als Kaiser zuteil wurden, war er nicht
erpicht. Angewidert war Nero durch den Brauch, bei einem Verbrechen eines
Sklaven sämtliche Mitsklaven des Hauses ebenfalls hinzurichten. So entfremdete
sich Nero allmählich den harten Gebräuchen des römischen Lebens und versuchte,
Elemente der hellenistischen Kultur einzuführen - was allerdings bei der
Aristokratie nicht gut ankam. Nero war jedoch bemüht, seine Macht wieder mehr
auf die Senatoren zu verteilen.
Der Aufbau und die Konsolidierung eines
funktionierenden staatlichen Verwaltungsapparates waren Neros Werk, ohne ihn
wäre das Reich zusammengebrochen. Neros anfänglicher Ratgeber war Seneca, der
aus einer erzkonservativen Familie stammte. Er tat alles, um seinen ehemaligen
Schüler in Sinne einer augusteischen Politik zu beeinflussen, d.h. die Finanzen
und Privilegien des Adels nicht anzurühren und alles zu lassen, wie es ist.
Seneca verschleierte das Wesen dieser Politik, indem er großartige
Moralpredigten hielt, die Abkehr von allem Materiellen, Habgier und Reichtum
forderte und für ein einfaches Leben eintrat.
Wobei ihm allerdings selber
jegliche Moral fehlte: er häufte Reichtümer an, war Erbschleicher und nahm
Wucherzinsen. Wenn der Name Seneca heute noch einen positiven Klang hat, so geht
dies einmal mehr auf die christlich inspirierte Geschichtsschreibung zurück, die
deshalb ein so günstiges Bild von ihm zeichnete, weil seine Philosophie
Vorstellungen enthält, die sich in der christlichen Ethik und Theologie
wiederfinden. Obwohl Senecas Einfluss auf Nero in der Anfangszeit groß war,
haben die christlichen Historiker allein Nero für Verbrechen zu Beginn seiner
Regentschaft verantwortlich gemacht.
Im Rechtswesen führte Nero einige
Reformen durch. Streitigkeiten bearbeitete Nero sorgfältig, nahm sich Zeit fürs
Urteil und verfasste eine schriftliche Begründung. Im Jahr 56 verbot der Kaiser
den Statthaltern die Ausrichtung von Gladiatorenspielen und Tierhetzen. So
konnten zur Finanzierung dieser Spiele auch keine Gelder mehr von der
Bevölkerung erpresst werden.
Bereits im Jahr 58 begann Nero,
sich vom Senat zu distanzieren. Ihm wurde immer klarer, dass jegliche
Sozialpolitik an einer führenden Klasse scheitern musste, die eine Tangierung
ihrer Privilegien und immensen Reichtümer nicht hinnehmen wollte. Um der armen
Bevölkerung zu helfen, erhöhte er die in Umlauf befindliche Geldmenge. Er
begleitete die Maßnahme mit einer starken Bautätigkeit, um der Wirtschaft neuen
Schwung zu geben. Dabei kam ihm der Brand von Rom zu Hilfe.
Nero, der Pazifist und Gegner von Gewalt
Für Krieg und militärische Dinge hatte Nero nichts übrig. Er
übernahm nie selbst das Kommando über das Heer. In der Außenpolitik verfolgte er
eine defensive Strategie, beruhend auf diplomatischer Einflussnahme und
Abschreckung.
Ein Problem, dem sich Nero zu Beginn seiner Regierungszeit
stellen musste, waren die unsicheren Grenzen Britanniens. Zuerst wollte er
Britannien ganz aufgeben, aber gegen den kriegswilligen Senat konnte er sich
anfangs nicht durchsetzen. Nach Niederschlagung der britannischen
Unabhängigkeitsbewegung stand man vor der Alternative, ob zukünftig eine Politik
der Vergeltung oder der Versöhnung verfolgt werden sollte. Auf Neros Anweisung
wurde Britannien befriedet und wiederaufgebaut. Es fand eine vorsichtige,
aber effektive Romanisierung statt.
Einen weiteren außenpolitischen Konflikt
bildeten die fortwährenden Auseinandersetzungen mit den Parthern. Zwischen den
beiden gleichstarken Reichen lag Armenien, worauf Rom sowie Parthien Einfluss
ausüben wollten. Als der Bruder des parthischen Königs zum König über Armenien
ernannt wurde, konnte Rom damit nicht einverstanden sein. Um lange Kämpfe zu
vermeiden, wollte Nero ihn aber trotzdem anerkennen, wenn er sich vom römischen
Kaiser krönen ließe und so von Rom seine Souveränität erhielte. Die Parther
ließen sich auf diese Lösung allerdings erst nach einer langen Reihe von
Scharmützeln ein. Zum Abschluss der Krönungsfeierlichkeiten schloss Nero als
Zeichen dafür, dass an allen Grenzen des Reiches Frieden herrschte, die
Doppeltüren des Janustempels. In der gesamten römischen Geschichte gelang es nur
drei Kaisern, diese Türen eine Zeitlang geschlossen zu halten. Ein
friedliebender Kaiser kam beim Adel allerdings schlecht an. Nur im Krieg gab es
viel zu verdienen.
Seit Beginn seiner Regierungszeit hatte Nero stets nach
der Devise gehandelt: Diplomatie statt Krieg, und Krieg nur, wenn es für das
Prestige des Reiches und die Sicherung seiner Grenzen unumgänglich war;
Entdeckungsreisen statt Eroberungen, und Eroberungen nur, wenn sie ohne
Blutvergießen zu bewerkstelligen waren. Sein Verhalten änderte sich nur, wenn er
Angst bekam oder bedroht wurde. Er war sicher kein blutrünstiger Tyrann. So
verbot er auch, dass die Gladiatorenkämpfe bis zum bitteren Ende geführt wurden,
selbst wenn die Gladiatoren zum Tode verurteilt waren. Todesstrafen verhängte
Nero nur, wenn es sich absolut nicht vermeiden ließ.
Nero als Künstler und Rennfahrer
Nichts hat mehr Sarkasmus und Hohn hervorgerufen als Neros
öffentliche Auftritte als Künstler und Rennfahrer. Neben seiner unbestreitbaren
Selbstverliebtheit verfolgte Nero damit aber auch ein politisches und
pädagogisches Programm: der Versuch einer Kulturrevolution. Einige Autoren sehen
darin seine originellste Leistung, mit der er allerdings seiner Zeit voraus war
und daher scheiterte. Durch die hellenistische Kultur versuchte Nero die Sitten
der römischen Gesellschaft zu zivilisieren und zu verfeinern. Künstlerische
Veranstaltungen galten bei den Römern nicht viel, im Gegensatz zu Kriegs- und
Militärdienst. Neros persönliche Auftritte sollten vermitteln, dass die Kunst
einer kollektiven Teilnahme würdig ist und deshalb auch keine Klassengrenzen
kennt.
Neros erster öffentlicher Auftritt erfolgte erst zehn Jahre nach
seiner Thronbesteigung. Diese Zeit hatte Nero darauf verwandt, die
Voraussetzungen für diese neue Kultur zu schaffen. Es war also nicht reiner
Narzissmus, der ihn trieb. Seine Motive waren weitreichender, sonst hätte er
sich nicht so lange zurückgehalten. Obwohl Nero seine geplante Kulturrevolution
ganz allmählich voranbrachte, stießen die Neuerungen bei der Aristokratie und
der Intelligenz auf heftige Ablehnung. Tacitus bezeichnet die neuen Sitten als
„verachtenswert” und „entwürdigend”.
Nero führte
einen Hof, wie er uns aus der Renaissance bekannt ist. Man pflegte einen
raffinierten, ästhetisierenden, eleganten, ironischen, libertären, skeptischen,
sinnlichen, eher amoralischen als unmoralischen Stil. Nichts galt als
selbstverständlich, alles wurde in Frage gestellt und diskutiert.
Von den vielen Verbrechen, die man Nero anlastet, können im Grunde nur zwei als echte Straftaten betrachtet werden: die Ermordung seiner Mutter und die seiner Gemahlin Octavia.
Nero ermordete nicht seinen Stiefbruder Britannicus, den
leiblichen Sohn von Neros Vorgänger, wie z.B. Tacitus behauptete. Der römische
Historiker schildert einen angeblichen Giftmord bei einem gemeinsamen Essen.
Aber im Wesentlichen handelt es sich um eine der zahlreichen Fälschungen, die
Tacitus selbst fabrizierte. Alle nicht-römischen antiken Quellen bestätigen,
dass Nero Britannicus nicht umgebracht hat. Folgende Gründe sprechen für Neros
Unschuld: Nero war kein Thronräuber. Zu jener Zeit gab es keinerlei gesetzliche
Vorschriften zur Regelung der Thronfolge. Nero stammte ebenfalls aus
kaiserlicher Familie und hatte durchaus alle Ansprüche auf den Thron. Tacitus
gab an, dass Agrippina sich mit Britannicus gegen Nero verbündet hätte, um
Britannicus an die Macht zu bringen. Aber damit hätte sich Agrippina selbst ans
Messer geliefert, die ja den Vater von Neros Stiefbruder umbringen lies.
Agrippina befand sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt ihrer Macht und war
nicht, wie Tacitus behauptete, außer Gefecht gesetzt.
Auch waren so schnell
wirkende Gifte den Römern dieser Zeit unbekannt. Außerdem war der 17-jährige
Nero zu einem solchen Verbrechen psychisch gar nicht in der Lage. Zu jener Zeit
genügte bereits die Unterschrift unter ein Todesurteil, damit sich ihm der Magen
umdrehte. Er hing noch nicht an der Macht, war noch kurz zuvor bereit gewesen,
alles für eine Geliebte aufzugeben.
Wenn Nero Britannicus wirklich umbringen
wollte, hätte es unauffälligere Wege als beim gemeinsamen Bankett gegeben.
Britannicus litt seit seiner Geburt an Epilepsie, und der von Tacitus
geschilderte Anfall kann durchaus darauf zurückgeführt werden.
Agrippinas
Ermordung war aus politischen Gründen unvermeidlich. Sie wurde durch ihre
Machtbesessenheit für Nero zur dauernden Gefahr. Einer von beiden musste
sterben. Agrippina schreckte nicht davor zurück, alle ihr unliebsamen
Mitmenschen aus dem Weg räumen zu lassen. Das brachte Neros Politik der Milde in
Gefahr. Als Nero Schwierigkeiten mit dem Senat hatte, versuchte Agrippina, sich
an die Spitze der Unzufriedenen zu setzen und die Macht an sich zu reißen.
Seneca, der selber einen Machtkampf mit Agrippina führte, beschwor Nero, sich
seiner Mutter zu entledigen. Nach einem gescheiterten Versöhnungsversuch
beschloss Nero, unter wachsendem Druck Senecas, seine Mutter umzubringen. Der
erste Mordversuch durch ein Schiffsunglück scheiterte. Unter dem fingierten
Vorwurf des Mordkomplotts gegen Nero lies der Kaiser dann seine Mutter töten. Er
hatte durch den Muttermord sein Leben lang Albträume und Gewissensbisse.
Nun zum Mord an Octavia. Nero hatte die ihm Aufgezwungene nie
geliebt. Er verliebte sich in die intelligente Poppaea, die ihn drängte, sie zu
heiraten. Als Neros Geliebte schwanger wurde, verstieß er Octavia. Um die
Scheidung gegenüber dem Senat zu erreichen, dichtete er seiner Frau ein
Verhältnis an und schädigte so ihren Ruf. Kurze Zeit später heiratete Nero
Poppaea. Wahrscheinlich wäre die Sache damit für Nero erledigt gewesen, doch
Octavia war beim Volk sehr beliebt und es kam zu Unruhen. Nero verfing sich in
seinen Beschuldigungen Octavia gegenüber in Widersprüchen. Als er nicht mehr
weiter wusste, lies er seine ehemalige Frau umbringen.
Neros Ehe mit
Poppaea war sehr glücklich. Poppaea protegierte die Juden, und Nero drückte ein
Auge zu bei dem Durcheinander, das sie ständig in Rom und auch außerhalb
provozierten. Im Januar 63 bekamen Poppaea und Nero eine Tochter, die aber
bereits nach vier Monaten starb. Neros Schmerz war maßlos. Zwei Jahre später war
Poppaea wieder schwanger. Vollkommen absurd ist die Anschuldigung, dass der
angetrunkene Nero seine schwangere Frau durch einen Fußtritt in den Unterleib
getötet habe. Nero liebte seine Frau sehr und wollte nichts lieber als ein Kind.
Poppaea starb an einer Schwangerschaftskomplikation, was auch aus anderen
Quellen, z.B. Sueton, eindeutig hervorgeht.
Der Brand von Rom und die angebliche Christenverfolgung
Kein ernst zu nehmender Historiker unter den Klassikern und
erst recht nicht unter den Modernen hat jemals behauptet, Nero habe Rom in Brand
gesetzt. Was kaum ein Lexikon daran hindert, genau das Nero zu unterstellen.
Tacitus beschränkt sich im XV. Buch seiner Annalen, das nur in einer Fassung aus
dem 11. Jahrhundert vorliegt, auf die Wiedergabe eines Gerüchts. Die Pisonische
Verschwörung war damals schon weit fortgeschritten. Die Beteiligten waren also
daran interessiert, solch ein Gerücht zu verbreiten, das Nero in schlechtem
Licht erscheinen ließ. Tacitus selbst glaubte aber, das der Brand zufällig
ausgebrochen war. Alle zeitgenössischen Schriftsteller halten Nero für
unschuldig. Selbst die ersten christlichen Autoren erwähnen Nero als
Brandstifter nicht. Die Behauptung, Nero habe Rom selbst in Brand gesteckt, kam
erst 70 Jahre später durch Sueton auf. Während Sueton und Cassius Dio ein
Jahrhundert später vom Gesang des Nero während des Brandes erzählen, berichtet
Tacitus von einem Nero, der ganz allein und verrückt vor Angst nachts zwischen
den Flammen hin und her irrt.
Der erste christliche Historiker, der Nero der
Brandstiftung beschuldigte, war Sulpicius Severus im fünften Jahrhundert:
„Er schob seine schreckliche Schuld auf die Christen, die fürchterliche Leiden ertragen mussten, obwohl sie unschuldig waren."
Diese Interpretation des Severus wurde möglicherweise von den
christlichen Kopisten in den Text von Tacitus eingefügt. Eine der vielen
Fälschungen, die Christen im Laufe der Jahrhunderte vornahmen. Von da an galt
Nero in der christlichen Geschichtsschreibung als Brandstifter.
Das Feuer
brach in einem Gebiet aus, das mit Häusern, Marktbuden und leicht brennbaren
Wagenlagern dicht besetzt war. Tacitus berichtet:
„Als Trost für die obdachlose, umherirrende Bevölkerung gab er [Nero] das Marsfeld und die Bauwerke des Agrippa frei und ließ Behelfsbauten errichten, die die hilflose Menge aufnehmen konnten; man schaffte Lebensmittel aus Ostia und den benachbarten Landstädten herbei, und der Preis für das Getreide wurde bis auf drei Sesterzen heruntergesetzt (ein Sechzehntel des normalen Preises).”
Handelt so ein Wahnsinniger?
Wer hat Rom nun angezündet?
Wahrscheinlich war der Brand ursprünglich durch Fahrlässigkeit entstanden. Es
war Hochsommer und katastrophale Brände waren nicht nur in Rom an der
Tagesordnung. Auch Rom hatte bereits früher schon mehrmals gebrannt. Dank Neros
rationalem Städtebau kam es später nicht mehr zu Großbränden.
Falls es aber
doch Brandstiftung war, wer kam in Frage? Einige renommierte Historiker halten
den Brand für Vorboten der Verschwörung gegen Nero. Allerdings würden nur
Verrückte oder zum Märtyrertum entschlossene Fanatiker ausgerechnet bei hellem
Vollmond, der damals herrschte, einen Brand legen. Solche Fanatiker gab es, und
zwar bei extremistischen Gruppierungen der christlichen Bewegung. Die ersten
Christen erwarteten das Ende der Welt - so wie Jesus, wie heute allgemein
bekannt ist. Sie sehnten sich glühend danach und glaubten, dass das Ende kurz
bevorstünde. Für die Radikalsten unter ihnen galt Neros Rom mit seinen liberalen
Sitten als Sodom und Gomorrha.
„Das Tier mit den sieben Häuptern, das
aus dem Meer steigt” aus der Offenbarung des Johannes ist Rom. Dieses Rom
musste nach der Offenbarung zum Weltende Tod, Leid, Hunger und Feuer erleiden.
Etliche moderne Historiker gehen von der Annahme aus, dass ein Fanatiker diese
Worte als Aufruf verstanden haben könnte.
Tacitus berichtet, dass verhaftete
Christen nicht nur Geständnisse ablegten, sondern sogar schon gestanden, bevor
sie festgenommen wurden. Warum diese Selbstbezichtigung? So handeln nur
Fanatiker, die nach Ruhm streben und denen der Tod gleichgültig ist. Es mag
sein, dass die Christen die Schuld für den Brand - ein Zeichen für das Ende der
Welt - im Märtyrerdelirium auf sich nahmen, ohne selbst Rom angezündet zu haben.
Es ist aber durchaus möglich, dass einige extreme Glaubensbrüder bewusst das
Märtyrertum suchten und wirklich das „verdorbene Rom” abfackeln wollten.
Menschen, die für ihren Glauben zu allem bereit waren, hatten auch keine Angst
vor Repressalien, sie waren geradezu erpicht darauf. Paulus selbst äußerte sich
in seinem Römerbrief besorgt über den Extremismus einiger Glaubensbrüder und
ermahnte sie, die Behörden nicht zu provozieren.
Das Feuer galt den Christen
als Symbol der Katharsis und würde alle Schande der Welt für immer ausmerzen. So
äußern sich jedenfalls Petrus (Ihr Lieben, lasset Euch die Hitze nicht
befremden, die Euch widerfährt, sondern freuet Euch, Briefe I, 4, 12-13),
Johannes (Offenbarung, XVIII, 8) und auch Jesus (Ich bin gekommen, dass ich
ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber, als es brennete schon!
Lukas, XII, 49).
Massimo Fini dazu:
„Es ist klar, dass Feuer für Christus, Lukas und Petrus eine symbolische Bedeutung hatte (bei solchen Besessenen wie Johannes würde ich darauf nicht schwören), es ist aber nicht auszuschließen, dass einfältige und ungebildete Christen, die ja schließlich die Mehrheit stellten, diese Botschaft wörtlich nahmen."
Auch einige katholische Autoren sind sich der Geschichte nicht mehr so sicher. Ernest Renan:
„Die Zerstörung Roms durch die Feuersbrunst war tatsächlich ein jüdisch-christlicher Wunschtraum."
Als die Christen die Zerstörung Roms öffentlich feierten und es
zu spontanen Geständnissen kam, begannen die Prozesse. Diese wurden sehr
sorgfältig nach speziellen Brandstiftungsgesetzen durchgeführt. Da jedoch auch
Angeklagte gefoltert wurden - bei Sklaven war das erlaubt - wurden sicher auch
viele Unschuldige hereingezogen. Auch die Juden, die in den Christen eine
häretische Sekte sahen, sorgten durch Denunziationen dafür, dass die Zahl der
Beschuldigten wuchs. Von den 3000 Mitgliedern der Christengemeinde wurden
200-300 angeklagt. Es wurden nicht alle Angeklagten zum Tode verurteilt.
Es gab auch Freisprüche und geringe Strafen. Die Art der Todesstrafe richtete
sich nach den damals üblichen Gesetzen: Tod durch Verbrennen, den Hunden zum
Fraß vorwerfen bzw. Kreuzigung für Sklaven und Nicht-Römer.
Jedenfalls gilt
Nero zu Unrecht als erster Christenverfolger. Nur wegen einer schweren Straftat
wurden die Beschuldigten angeklagt, nicht wegen ihres Glaubens, wie uns die
Kirche später weismachen wollte. So bezog sich die angebliche
„Christenverfolgung” unter Nero auch nur auf die Stadt Rom und war auf die
unmittelbare Zeit nach dem Brand begrenzt. Auch wurde die große Mehrheit der
Gemeinde, die nicht der Brandstiftung verdächtigt war, in Ruhe gelassen. Nero
war in religiösen Dingen stets tolerant. Dem römischen Volk allerdings waren die
Juden und Christen suspekt, glaubten, die Christen seien dem Kannibalismus (so
wurde die Eucharistie missverstanden), dem Kindermord, rituellen Orgien und dem
Inzest ergeben. Der hochgelobte Seneca bezeichnete die Juden als
„kriminellste aller Rassen”.
Die Pisonische Verschwörung gegen Nero
Im Frühjahr 65 schien alles ruhig zu sein. An den
Grenzen des Reiches herrschte Frieden, Rom war wiederaufgebaut. Doch im Senat
schwelte das Feuer. Dort erwartete man von einem Kaiser, dass er ausschließlich
die Interessen des Adels vertrat. Doch dazu war Nero nicht bereit. Die
Verschwörer versammelten sich hinter dem reichen Anwalt Piso, der dem Neuadel
angehörte. Auch Seneca agierte im Hintergrund. Es ist möglich, dass er selber
Kaiser werden wollte. Der Mord an Nero sollte am Abschlusstag der Spiele im
Circus Maximus stattfinden. Es war alles aufs Genaueste geplant, aber einer der
Verschwörer benahm sich am Vortag so auffällig, dass alles aufflog.
Nero
rief über Rom den Ausnahmezustand aus und lies die Stadt nach den Verschwörern
durchsuchen. Piso beging Selbstmord, als er sich entdeckt sah. Auch Seneca wurde
von Nero zum Selbstmord gezwungen. Insgesamt wurden 70 Personen
beschuldigt, aber der Prozess endete nicht mit einem allgemeinen Blutbad. Es gab
zwanzig Todesurteile und dreizehn Verbannungen. Vier Offiziere wurden aus
dem Dienst entlassen. Neunzehn Angeklagte wurden freigesprochen. Einige
Anklagen wurden sofort fallengelassen. Nero legte anschließend alle
Urteilsakten offen.
Im Herbst 66 reiste Nero nach Griechenland, ein Wunsch, den er
schon als Kind hegte. Ein Jahr wollte er dort bleiben. So lange war noch kein
Kaiser von Rom fortgeblieben. Zwei Jahre zuvor hatte er bereits eine Reise nach
Ägypten geplant. Doch das Volk flehte ihn an zu bleiben. Aber diesmal wollte er
sich nicht aufhalten lassen, obwohl der Zeitpunkt nach einer Verschwörung des
Konsuls Vinicianus ungünstig war. Vor der Abreise verweigerte Nero dem Senat die
traditionellen Abschiedsküsse.
Die Reise nach Griechenland sollte der
krönende Abschluss der hellenistischen Kulturrevolution werden. Die Länge der
Reise sollte die Gleichberechtigung der östlichen Länder des Reiches betonen.
Nero startete seine künstlerischen Auftritte in Korfu. In Korinth, das das
moderne, hellenistische Griechenland repräsentierte, blieb er über Winter. Im
Frühjahr und Sommer setzte er seine Tournee bei den panhellenischen Spielen
fort, wo er natürlich als Sieger gefeiert wurde.
Wieder zurück in Korinth
nahm er ein großes Projekt in Angriff: der Durchstich der Landenge, um die
Handelsbeziehungen zu erleichtern. Das Vorhaben wurde aber nach Neros Tod nicht
zu Ende geführt. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Kanal in genau der
Form gebaut, wie bereits Neros Ingenieure ihn geplant hatten.
Im November 67
erklärte Nero Griechenland für unabhängig, ein Novum für das Römische Reich, das
noch niemals zuvor einer ganzen Provinz die Unabhängigkeit verliehen hatte. Die
Freiheit Griechenlands verursachte wenig Kosten, brachte ihm aber die Treue der
östlichen Völker ein: ein intelligenter politischer Schachzug.
In Rom war die
Stimmung allerdings weniger gut. Der Adel nutzte Neros Abwesenheit, das Volk war
unzufrieden. Im Januar 68 reiste Nero überstürzt nach Rom zurück. Er fuhr im
Triumphzug, der eigentlich nur siegreichen Heerführern vorbehalten war, am
begeisterten Volk vorbei. Der englische Historiker Michael Grant meint:
„Es war tatsächlich eine Leistung, den klassischen blutrünstigen Triumphzug zu friedlichen Zwecken umfunktioniert zu haben.”
Das war seine Botschaft an die Nachkommen: Die friedlichen Siege sind ebenso wichtig wie die militärischen.
Nach seiner Griechenlandreise widmete sich Nero vorwiegend der
Kunst und dem Vergnügen. Im März 68 traf die Nachricht ein, dass der Statthalter
von Gallien, Iulius Vindex, sich erhoben hatte. Die Revolte war zwar von den
Provinzen ausgegangen, das geistige Zentrum aber war der Senat. Die Aristokratie
wollte sich den unbequemen Kaiser endlich vom Hals schaffen. Am Ende war es
außer seiner volksfreundlichen Politik vor allem die Kulturrevolution, die Nero
zu Fall brachte. Damit waren in ihrer römischen Mentalität sogar ihm
wohlgesinnte Kreise überfordert.
Im April schloss sich Galba, der Statthalter
von Spanien, der Revolte an und bezeichnete sich als Vertreter des Senats und
des Volkes. Nero schickte Truppen aus und übernahm allein das Konsulat. Vindex
Truppen wurden von dem germanischen Statthalter Rufus geschlagen.
Doch Nero
reagierte nicht entschlossen und war voller selbstmörderischer Unsicherheit.
Hielt er die zwiespältige Situation nicht mehr aus - Kaiser aus Pflicht,
Künstler aus Berufung? Nero hatte den Kontakt zur Realität verloren. Alle noch
unschlüssigen Statthalter schlossen sich der Revolte an. Der Kaiser hatte fast
alle gegen sich: den Adel, die Intellektuellen und auch große Teile des Heeres.
Nero hatte die Truppen nie besucht und nach seiner militärischen Ausbildung
keine Waffe mehr angerührt.
Schließlich ließen ihn auch die
Prätorianerpräfekten im Stich. Nero wurden Gerüchte zugetragen, dass
mittlerweile das gesamte Heer gegen ihn sei. Den Präfekten wiederum wurde die
Nachricht überbracht, dass Nero geflohen sei. Alles gefälscht. Aber sie riefen
Galba zum neuen Kaiser aus.
Im Alter von 30 Jahren nahm Nero sich das Leben.
Zeittafel (n.u.Z. = nach unserer Zeitrechnung)
| 37 n.u.Z. |
(15. Dezember) Lucius Domitius Ahenobarbus, der zukünftige Nero, wird als Sohn von Agrippina der Jüngeren und Gnaeus Domitius Ahenobarbus in Atium geboren. |
| 39 n.u.Z. |
Agrippina wird wegen Beteiligung an einer Verschwörung von Kaiser Caligula in die Verbannung geschickt; Domitia Lepida, Lucius' Tante mütterlicherseits nimmt Lucius zu sich. |
| 40 n.u.Z. |
Tod des Vaters. |
| 41 n.u.Z. |
Ermordung Caligulas; Claudius wird sein Nachfolger; Agrippina wird aus dem Exil zurückgerufen. |
| 48 n.u.Z. |
Claudius lässt seine Ehefrau Messalina ermorden. |
| 49 n.u.Z. |
Claudius heiratet Agrippina. Seneca wird Lehrer des zwölfjährigen Lucius. Lucius wird mit Claudius' achtjähriger Tochter Octavia verlobt. |
| 50 n.u.Z. |
Claudius adoptiert Lucius, der den Namen Nero annimmt. |
| 53 n.u.Z. |
Nero heiratet Octavia. Erste öffentliche Rede Neros. |
| 54 n.u.Z. |
Agrippina vergiftet Claudius. Nero wird zum Kaiser ausgerufen (13. Oktober.) |
| 55 n.u.Z. |
Tod von Claudius' Sohn Britannicus, Neros potentiellem Rivalen. Beginn des Krieges gegen die Parther. |
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Seneca veröffentlicht De clementia (Über die Milde) und widmet das Buch Nero. |
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Steuerreform; Nero schlägt die Abschaffung aller indirekten Steuern vor; der Senat lehnt das Projekt ab; der Kaiser begnügt sich mit einigen weniger weitreichenden Maßnahmen im Steuerbereich. |
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Ermordung Agrippinas. Die von Nero geplante Kulturrevolution zum Zwecke der Hellenisierung der römischen Sitten nimmt Gestalt an. Spiele der Jugend (Juvenalien). |
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Aufstand in Britannien. Die Neroneen (Spiele, die nach Nero benannt wurden) werden zum ersten Mal abgehalten. |
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Die Auseinandersetzungen mit der Aristokratie spitzen sich zu. |
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Seneca bietet Nero seinen Rücktritt an. Nero verstößt Octavia und heiratet Poppaea. Ermordung Octavias. Die Römer werden von den Parthern bei Randeia geschlagen. |
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Poppaeas und Neros Tochter Claudia wird geboren und stirbt vier Monate später. Der armenische König Tiridates unterwirft sich dem Römischen Reich. Friedensschluss mit den Parthern. Der Aufstand in Britannien wird niedergeschlagen. Nero befiehlt seinen Feldherrn eine Friedens- und Aussöhnungspolitik. |
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Abwertung der Währung. Neros erster öffentlicher Auftritt als Lyraspieler in Neapel. Brand von Rom (19. Juli); die Christen werden angeklagt. Wiederaufbau der Stadt; Bau der Domus Aurea; Nero beginnt mit einer Politik der großen Ausgaben, die vor allem die Errichtung öffentlicher Bauten vorsieht. |
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Adelsverschwörung des Piso. Seneca wird zum Selbstmord gezwungen. Zweite Neroneen. Poppaea stirbt während einer Schwangerschaft. |
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Prozess gegen den Erzkonservativen Thrasea Paetus, Verurteilung. Nero heiratet Statilia Messalina. Beginn des Aufstandes in Judäa. Nach achtmonatiger Reise erreicht Tiridates Rom, um sich Nero zu unterwerfen; der Janustempel wird geschlossen. Die Verschwörung des Vinicianus wird entdeckt und vereitelt. Reise nach Griechenland. |
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Nero nimmt an den panhellenischen Spielen teil und wird Periodonikes. Er beginnt mit den Arbeiten für den Durchstich durch die Landenge von Korinth. Er erklärt Griechenland für unabhängig. |
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Übereilte Rückkehr Neros nach Italien; in Rom feiert er den Triumph der Kunst und stellt ihn auf eine Stufe mit dem militärischen Triumph. Nero plant eine Expedition nach China auf den Spuren Alexanders des Großen. Aufstand des Vindex in Gallien. Der Statthalter von Spanien Galba schließt sich Vindex an. Verginius Rufus besiegt Vindex in Vesantius. Vindex nimmt sich das Leben. Tigellinus lässt Nero im Stich, Nymphidius Sabinus läuft zu Galba über. Nero nimmt sich das Leben (9. Juni). |
Hauptquelle: Fini, Massimo: Nero, Zweitausend Jahre Verleumdung. Die andere Biographie. München 1994.
Massimo Fini, 1944 in Cremono (Como) geboren, gilt als der brillante Widerspruchsgeist des italienischen Journalismus. Er gehörte zu den führenden Mitarbeitern der kulturellen Zeitschrift „Pagina” und ist heute [1994] Leitartikler des „Europeo” wie des „Indipendente”. Nach gründlicher Quellenarbeit zeigt uns Fini in seinem Buch eine andere Biographie des Kaisers und räumt mit zweitausend Jahren Verleumdung auf.
andere moderne Quellen:
Grant, Michael, La renaissance du Christianisme, Paris
1955.
Levi, Mario Attilio, L'Impero romano, Mailand 1967; Nerone
e i suoi tempi, Mailand-Varese 1949.
Renan, Ernest,
L'Anticristo, Paris 1873; San Paolo, Mailand 1965.
antike Quellen:
Dio, Cassius, Römische Geschichte.
Johannes,
Offenbarung.
Paulus, Römerbrief.
Seneca, Über die
Milde.
Serverus, Sulpicius, Chronik.
Suetonius, Caius
Tranquillus, Cäsarenleben.
Tacitus, Publius Cornelius,
Annalen; Historien.
Copyright © April 1999, Der Humanist
Heike
Jackler