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Benito Mussolini

(1883 - 1945)

[Benito Mussolini]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1883
29. Juli: Benito Amilcare Andrea Mussolini wird in Dovia di Predappio (Emilia Romagna) geboren, als ältestes von drei Kindern des gelernten Schmieds (inzwischen Kneipenwirt und Bürgermeister) Alessandro Mussolini (1854-1910) und dessen Ehefrau, der Volksschullehrerin Rosa, geb. Maltoni (1858-1905). Als überzeugter Sozialist gibt ihm der Vater den Vornamen des mexikanischen Revolutionärs Benito Juárez. Sein zweiter Vorname ist der des italienischen Sozialisten Amilcare Cipriani (aber auch der des Karthagers Hamilcar Barca - dessen Sohn Hannibal vergeblich einen Marsch auf Rom unternahm), sein dritter der des italienischen Sozialisten Andrea Costa (aber auch der des venezianischen Dogen [Duce] Andrea Doria). Alle mit seinen drei Vornamen verbundenen historischen Vorbilder üben einen starken Einfluß auf sein späteres politisches Selbstverständnis aus.

1892
September: Mussolini wird in die Klosterschule der Salesianer in Faenza aufgenommen.

1895
Oktober: Nachdem Mussolini die Salesianer wegen einer Messerstecherei verlassen mußte, tritt er in die Technische Schule (staatliches Realgymnasium) in Forlimpopoli ein.

1896-98
Aufgestachelt von den Briten - die im Vorfeld der "Fachoda-Krise" in Nordostafrika Verbündete gegen Frankreich suchen - versucht Italien, Abessinien zu erobern. Der Versuch endet nach der Schlacht von Adua in einer vernichtenden Niederlage, die für viele Italiener auf Jahrzehnte hinaus ein Trauma bleibt.

1898
Mussolini wechselt an die Oberschule (Volksschullehrer-Seminar) von Forlimpopoli.

1901
Juli: Mussolini schließt seine Ausbildung mit dem Volksschullehrer-Diplom ab.
Mussolini tritt der Sozialistischen Partei Italiens (PSI) bei.
Mussolini wird Volksschullehrer in Gualtieri (bei Reggio Emilia).

1902
Juli: Mussolini siedelt in die Schweiz über, um sich dem Militärdienst zu entziehen. Er arbeitet in Lausanne und Zürich, nach seiner Ausweisung auch für kurze Zeit in Frankreich und Deutschland, als Maurer, Sekretär und Übersetzer.

1903
Mussolini arbeitet in Bern, wird aber auch dort wegen eines Pistolenduells ausgewiesen und kehrt nach Predappio zurück.

[Fotografie Mussolinis, 1904]

1904
Mussolini kehrt mit einem falschen Paß in die Schweiz zurück, wird jedoch in Genf erkannt und ins Tessin abgeschoben.
Dezember: Nachdem Italien eine Amnestie für Militärdienstflüchtlinge, die sich freiwillig stellen, erlassen hat, kehrt Mussolini zurück und leistet seinen Wehrdienst beim 10. Bersaglieri-Regiment in Verona ab.

1906
September: Mussolini wird vom Militär entlassen und geht für ein Jahr als Volksschullehrer nach Caneva di Tolmezzo (Provinz Friaul).

1908
Januar: Mussolini erwirbt ein Diplom als Französischlehrer und geht als solcher an das Colleggio Ulisse Calvi in Oneglia (Riviera). Nebenbei schreibt er Artikel für die sozialistische Tageszeitung "La Lima".
Juni/Juli: Mussolini wird auf Betreiben der Kirche entlassen und kehrt nach Predappio zurück.

1909
März: Mussolini geht als Gewerkschaftssekretär und Chefredakteur der sozialistischen Zeitung "L'Avvenire del Lavoratore" nach Trient (Istrien).
August: Mussolini wird gleichzeitig Chefredakteur der nationalistischen Zeitung "Popolo". (Beide Zeitungen gehören dem selben Verleger, Cesare Battista.)
September: Mussolini wird von den österreichischen Behörden ausgewiesen. Er geht nach Forlì (Emilia Romagna) und schreibt dort für "La Voce".

1910
Mussolini gründet eine eigene sozialistische Zeitung, "La Lotta di Classe".

1911
Mussolini ruft zum Generalstreik gegen den italienischen Eroberungskrieg in Tripolitanien und Cyrenaica auf und wird zu einer fünfmonatigen Haftstrafe verurteilt. Bis 1915 muß er insgesamt elf Mal ins Gefängnis.

1912
Juli: Mussolini wird in den Exekutivausschuß der PSI berufen.
Dezember: Mussolini wird Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung "Avanti" in Mailand (Milano), deren Auflage er von 20.000 auf 100.000 Exemplare steigert.

1914
29. Juli: Mussolini unterzeichnet das Anti-Kriegsmanifest seiner Partei.1
Oktober: Mussolini tritt zu den Kriegsbefürwortern über, fordert nun die Teilnahme Italiens am Ersten Weltkrieg, und zwar auf Seiten der Entente, wiewohl es offiziell noch mit dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn verbündet ist, um Südtirol, Dalmatien einschließlich Albaniens, Süd-Anatolien und Deutsch-Ostafrika zu gewinnen. Er begründet das mit dem Satz: "Der Krieg ist die eigentliche Revolution" und wird daraufhin aus der PSI ausgeschlossen. Mussolini verläßt "Avanti" und gründet eine eigene Zeitung, "Popolo d'Italia". Zusammen mit Gabriele d'Annunzio wird er zum Führer der Kampagne für den Kriegseintritt.


1915
Mussolini heiratet Rachele Guidi (*1892 oder 1893), mit der er bereits seit 1910 liiert ist. Aus der Ehe gehen die Kinder Vittorio (*1915), Bruno (*1918), Romano (*1927) und Anna Maria (*1929) hervor. Das Paar adoptiert außerdem Edda (*1910), Mussolinis Tochter aus einer vorehelichen Liaison mit einer Russin.
23. Mai: Italien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg.2
31. August: Mussolini wird Soldat.

[Mussolini 1917]

1917
Februar: Mussolini wird zum Unterfeldwebel (Sargento maggiore) befördert, kurz darauf bei der Handgranaten-Wurfausbildung verwundet und aus der Armee entlassen.
Juni: Mussolini kehrt nach Mailand zurück, wo er wieder die Leitung des "Popolo d'Italia" übernimmt.
Dezembember: Um nach der Niederlage bei Caporetto (Karfreit) auftretende Bestrebungen nach einem Separatfrieden mit Österreich-Ungarn zu bekämpfen, wird von Abgeordenten aller Parteien der "Fascio parlamentare di difesa nazionale [parlamentarische Bund der nationalen Verteidigung]", kurz "Fascio nazi", gegründet.

1918
4. November: Nach der Kapitulation Österreich-Ungarns zählt Italien formell zu den Siegern des Ersten Weltkriegs, ist jedoch wirtschaftlich ruiniert.

1919
23. März: Mussolini beteiligt sich in Mailand an der Gründung der ersten, den deutschen Freikorps ähnelnden "fasci di combattimento [Kampfbünde]" (auch "squadri [Schwadrone]" genannt) aus Kriegsveteranen, deren Ziel eine neue, autoritäre Staatsordnung ist.


Als Symbol für ihre Forderung nach "unità (Einheit)", "forza (Kraft, Stärke, Gewalt)" und "giustizia (Gerechtigkeit)" wählen sie - ihrem Namen entsprechend - auf Vorschlag d'Annunzios das altrömische Rutenbündel ("fascio") mit Liktorenbeilen, das seit der Französischen Revolution von 1789 auch das französische Wappen ziert (ferner die Wappen der USA - bis 1945 -, einiger US-Bundesstaaten - bis heute das Colorados -, Schweizer Kantone - bis heute das St. Gallens - und einiger Republiken in Südamerika - bis heute das Ekuadors).



10. September: Im Frieden von St. Germain erhält Italien das Trentino, Südtirol, Julisch-Venetien und Triest - nicht aber, wie erhofft, auch Fiume, Dalmatien und Albanien, was zu weit verbreiteter Unzufriedenheit über den "verstümmelten Sieg" führt.

1920
10. August: Im Frieden von Sèvres erhält Italien nur einen kleinen Streifen der "türkischen Riviera" um Antalya, während England, Frankreich, Griechenland und Armenien das Osmanische Reich weitgehend unter sich aufteilen.
11./12. November: Im Vertrag von Rapallo verzichtet Italien auf das von d'Annunzio besetzte Fiume, das - ähnlich wie das deutsche Danzig - zur "freien Stadt" erklärt wird.
Dezember: D'Annunzio wird aus Fiume vertrieben. Von Sozialisten und Kommunisten angezettelte Streiks in Piemont und der Lombardei, vor allem in den Industrie-Metropolen Mailand und Turin, legen die Wirtschaft Italiens weitgehend lahm. Angesichts des Versagens der staatlichen Ordnungshüter betätigen sich die Fascisten als Streikbrecher, die Gewalt mit Gegengewalt beantworten.

1921
15. Mai: Bei den Wahlen zum italienischen Parlament gewinnt Mussolini auf der Liste des "Blocco moderato [gemäßigter Block]" einen von 34 Abgeordneten-Sitzen.


11. November: In Rom organisieren sich die Fascisten zu einer politischen Partei ("Partito Nazionale Fascista, P.N.F."). Neben Mussolini sind ihre führenden Politiker Balbo, de Bono, de Vecchi und Bianchi, die scherzhaft auch das "Quadruumvirat" genannt werden.
Dezember: Beim Bankrott der Italienischen Diskontbank verlieren zahlreiche Menschen ihre Ersparnisse, was die Stimmung gegen die korrupte Republik weiter anheizt.

1922
6. Februar: Zwei Wochen nach dem Tode Papst Benedikts XV, wird Achille Ratti, der Erzbischof von Mailand, zu seinem Nachfolger gewählt, der als "Pius XI" eine wohlwollende Haltung gegenüber dem Fascismus einnimmt.
26. März: Die Fascisten halten ihren Parteitag in der rote Hochburg Mailand ab, um die Sozialisten zu provozieren.
19. Mai: Die USA erlassen den "Emergency Quota Act", der die Einwanderung aus Asien, Süd- und Osteuropa erheblich beschränkt. Damit ist ein wesentliches Ventil für die Hungernden und sonstwie Unzufriedenen (seit Kriegsende waren über eine Million Italiener in die USA ausgewandert) verstopft.
August: In Mailand kommt es zu Straßenschlachten zwischen Fascisten und Sozialisten. Der Aufruf der Gewerkschaftsbonzen zum Generalstreik wird von der Mehrheit der Arbeiter nicht befolgt.
Nachdem die Türken unter ihrem neuen Führer Mustafa Kemal (später "Atatürk") die italienischen Truppen aus Antalya vertrieben haben, erreicht die Enttäuschung und Unzufriedenheit in Italien einen neuen Höhepunkt.
Oktober: Angesichts zunehmenden linken Terrors droht Mussolini mit einer gewaltsamen Machtübernahme, um die Ordnung wiederherzustellen. Nachdem König Viktor Emanuel III das Ansinnen des unfähigen Ministerpräsidenten Luigi Facta, die Armee gegen Mussilinis Schwarzhemden einzusetzen und damit einen Bürgerkrieg zu riskieren, abgelehnt hat, tritt dieser beleidigt zurück. Da die Quasselbudedas Parlament sich nicht auf einen Nachfolger einigen kann, beruft der König auf Drängen der Wirtschaft und des Militärs Mussolini zum neuen Ministerpräsidenten, so daß der "Marsch auf Rom" zu einer friedlichen Spazierfahrt (überwiegend mit Eisenbahnen und Kraftfahrzeugen) wird.


Mussolini sieht sich in der Nachfolge von Giuseppe Mazzini, dem national-sozialistischen Revolutionsführer von 1848, dessen 50. Todestag er mit großem Brimborium nachfeiern läßt.

[Schwert der Gerechtigkeit und Liebe zum Vaterland: Briefmarke zu 25 Centesimi auf den 50. Todestag Mazzinis 1922]

November: Mussolini erhält durch ein auf zwei Jahre befristetes Ermächtigungsgesetz praktisch unumschränkte Vollmachten zur Reorganisation des Staates. Er nimmt die Bezeichnung "Duce" (von Lateinisch "Dux", wörtlich "Führer", im übertragenen Sinne "Herzog", in Venedig in der Dialektform "Doge" auch republikanisches Staatsoberhaupt) an und führt - ebenfalls nach dem Vorbild der französischen Revolution von 1789 - eine neue Zeitrechnung ein, die mit dem Jahr der fascistischen Machtübernahme beginnt.
Dezember: Mit der Gründung von "L'Ambrosiano" haben die Fascisten eine eigene Tageszeitung.

1923
23. Juli: Im Frieden von Lausanne erreicht Mussolini die Abtretung der "Dodekánis ["Zwölfinseln"] von der Türkei.
Das amerikanische Nachrichten-Magazin Time kürt Mussolini zum "Mann des Jahres".


1924
27. Januar: Mussolini erreicht die jugoslawische Zustimmung zum Anschluß der "freien Stadt Fiume" an Italien.
6. April: Bei den Parlamentswahlen gewinnen die Fascisten eine Zweidrittelmehrheit der Abgeordnetensitze.
30. Mai: Der Generalsekretär der Sozialistischen Partei, Giacomo Matteotti, hält im Parlament eine Hetzrede gegen die Regierung und wird noch in derselben Nacht, als er besoffen aus einer Bar torkelt, von empörten Fascisten auf offener Straße gekidnapt und später tot geschlagen. Um die Staatsanwaltschaft und den Untersuchungsrichter einzuschüchtern, sagt der wenig später verhaftete Haupttäter bei seiner Vernehmung aus, er habe im Auftrag Mussolinis gehandelt; nachdem diese Behauptung durch seine Frau auch in die Oppositionspresse lanciert worden ist, wird der Vorfall - vor allem im Ausland - groß aufgebauscht. Der Strafprozeß läuft jedoch weitgehend korrekt und unspektakulär ab: Die Täter werden wegen Entführung und Körperverletzung mit Todesfolge (bzw. Beihilfe) zu Freiheitsstrafen zwischen dreißig und sechs Jahren verurteilt; Mussolini wird nicht belangt, übernimmt aber später die "politische Verantwortung". In Italien verursacht der gleichzeitige Mordprozeß gegen die Gewerkschaftsführer Sacco und Vanzetti in den USA - der mit Schuldspruch und Hinrichtung der später als unschuldig erwiesenen beiden Italiener endet - weit größere Aufregung. [1947 wird auf Betreiben der Witwe Matteottis ein Wiederaufnahmeverfahren gegen die noch lebenden Täter durchgeführt. Es endet mit einer Verurteilung wegen Entführung und Mord zu lebenslänglichem Zuchthaus, was jedoch per Begnadigung in 30 Jahre Gefängnis umgewandelt wird.]
Oktober: Großbritannien widersetzt sich der Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund mit der Begründung, daß dort noch immer Sklaverei herrsche. Mussolini entlarvt dies als Heuchelei (auch im Hause des britischen Botschafters in Addis Abeba werden Sklaven gehalten) und setzt gemeinsam mit Frankreich die Aufnahme durch.

1925
Mussolini verschärft den Kampf gegen Kommunisten, Sozialisten, Freimaurer, Mafiosi u.a. "Oppositionelle", richtet Sondergerichte ein und säubert inbesondere das Beamtentum von kriminellen Elementen. Zum ersten Mal in seiner Geschichte erlebt Italien eine nicht-korrupte Verwaltung und pünktliche Eisenbahnzüge. Die Pontischen Sümpfe werden trocken gelegt, Industrie und Landwirtschaft gefördert, um Italien "autark", d.h. unabhängig von Devisen kostenden Einfuhren zu machen. Mussolini läßt ganze Städte neu anlegen, u.a. "Mussolinia" (heute "Sabaudia").


1926
3. April: Mit dem Gesetz über kollektive Arbeitsbedingungen beseitigt Mussolini die Tarifautonomie und hebt das Streikrecht auf.
7. April: Mussolini entgeht in Rom dem Attentat einer irischen Kommunistin, von der er leicht an der Nase verletzt wird. (Das deutsche Satire-Blatt "Simplicissimus" nimmt das in seiner nächsten Ausgabe zum Anlaß für eine Titelblatt-Karikatur Mussolinis als Caesar mit verbundener Nase.)


11.-16. April: Mussolini reist nach Tripolitanien (Libyen), wo italienische Truppen im Kampf gegen muslimische Senussi stehen.
11. September: Mussolini entgeht in Rom einem weiteren Attentat.
31. Oktober: Neuerliches Attentat auf Mussolini durch einen 15-jährigen Kommunisten in Bologna.
9. November: Staatsschutzgesetz: Die Oppositions-Parteien werden aufgelöst und Neugründungen verboten.
Mussolini schafft es zum zweiten Mal auf die Titelseite des "Time Magazine" - zusammen mit seiner zahmen Tigerkatze "Bella Italia".


12. Dezember: Die "fasci" werden offiziell zum Staatssymbol Italiens erhoben, der "fascismo" zur "Wissenschaft" erklärt.


16. Dezember: Mussolinis Freund Giuseppe Motta wird Bundespräsident in der benachbarten Schweiz.

1927
15. Januar: Mussolini empfängt den britischen Finanzminister Winston Churchill, der ihn und seine Politik nach seiner Rückkehr nach England in den höchsten Tönen lobt.
8. März: Mussolini erläßt die "zehn Gebote des Fascismo", deren erstes lautet: "Du sollst nie an den ewigen Frieden glauben."
5. April: Mussolini schließt einen "Freundschafts-, Versöhnungs- und Schiedsvertrag" mit Ungarn, der sich vor allem gegen Jugoslawien richtet, das Albanien annektieren will.
21. April: Mussolini reorganisiert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen Italiens von Grund auf: Mit der "Carta del Lavoro [Arbeits-Charta]" entsteht eine Art staatlich gelenkte Marktwirtschaft, d.h. ein Nebeneinander von Privatunternehmen (z.T. unter staatlicher Produktionsplanung und -kontrolle) und reinen Staatsbetrieben, wie es heute in den meisten westeuropäischen Staaten und Japan besteht; das (Zwangs-)Einigungsverfahren zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern erinnert entfernt an die ein halbes Jahrhundert später eingeführte "konzertierte Aktion". Vergleiche mit einer "Planwirtschaft" sowjetischer Machart weist Mussolini stets zurück.
15. Oktober: Die weltweite Mussolini-Begeisterung kennt kaum noch Grenzen. Auf einer Nietzsche-Tagung in Weimar hält der deutsche Kultur-Filosof und Schriftsteller Oswald Spengler einen Vortrag, in dem er sich zu der Behauptung versteigt, Mussolini sei der von Nietzsche profezeite Übermensch.
26. Oktober: Mussolini schickt Kriegsschiffe nach Tanger und stellt dessen "internationalen Status" in Frage, erreicht jedoch weder in Marokko noch in Tunesien Zugeständnisse der Kolonialmacht Frankreich.
11. November: Parlamentsreform: Die Zahl der Abgeordneten wird von 560 auf 400 reduziert.
22. November: Mussolini schließt ein Bündnis mit dem albanischen Räuberhauptmann Ahmäd Zogu (der sich seit 1925 "Präsident" nennt und ab 1928 "König" nennen wird). Er gewährt Albanien großzügige Finanzspritzen und bringt es dadurch in wirtschaftliche Abhängigkeit von Italien.

1928
Nach einem Staatsbesuch des Negus bei Mussolini schließen Italien und Abessinien einen Freundschaftsvertrag.
Mussolini gründet den fascistischen "Gran Consiglio [Großen Rat]", der künftig Wahllisten nach korporativen Gesichtspunkten zusammen stellt. (In den folgenden Jahren geht die Verfassungsentwicklung immer weiter zu einem Ständeparlament, das 1938 verwirklicht wird.) Er läßt Münzen prägen mit dem Spruch: "Besser einen Tag als Löwe leben denn hundert Jahre als Schaf."

[meglio vivere un giorno da leone che cento anni da pecora - 20-Lire-Stück von 1928]
1929
11. Februar: Mit den Lateranverträgen erkennen Vatikan und Italien einander nach 58 Jahren als eigenständige Staaten an. Die Lösung der Vatikanfrage und die Versöhnung mit der katholischen Kirche erhöhen Mussolinis Ansehen im überwiegend fromm-katholischen Volk - sehr zum Ärger seiner Feinde.


1933
Juni: Mussolinis erstes Treffen mit dem neuen (seit Januar) deutschen Reichskanzler Adolf Hitler in Venedig verläuft frostig. Mussolini widersetzt sich insbesondere der Heimkehr der Deutsch-Österreicher ins Reich, welche die alliierten Besatzer schon 1919 unter Mißachtung des nach außen hin lautstark propagierten "Selbstbestimmungsrechts der Völker" verboten hatten, wiewohl bei einer Volksabstimmung über 98% für den "Anschluß" gestimmt hatten.


1934
17. März: In den gegen Deutschland gerichteten "Römischen Protokollen" garantiert Mussolini der "Republik Österreich" und Ungarn Wirtschaftshilfe. Im Gegenzug erwartet er von den Westmächten Stillhalten bei seinem Plan, Italien zur "Schutzmacht" Abessiniens zu machen nach dem Muster Frankreichs in Marokko und Englands in Ägypten.
Mai-Juni: Italien richtet die 2. Fußball-"welt"-meisterschaft" (ohne England und die stärksten Mannschaften Südamerikas) aus. Durch skandalöse Fehlentscheidungen der massiv bestochenen Schiedsrichter - vor allem Mercet aus der "neutralen" Schweiz und Eklind aus dem "neutralen" Schweden - gegen Spanien, Österreich und die Tschecho-Slowakei gelingt der schwachen "squadra azzurra [blauen Schwadron]" (nach der Farbe der Trikots) überraschend der Titelgewinn. Mussolinis Popularität im fußballbegeisterten Italien steigt daraufhin gewaltig an. (Der Erfolg wird 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin - mit zu "Staatsamateuren" ernannten Profis - und 1938 bei der 3. Fußballweltmeisterschaft in Frankreich - mit im Schnellverfahren eingebürgerten Profis aus Argentinien - wiederholt.)
5. Dezember: Bei Wal-Wal (im Dreiländereck zwischen Italienisch-Somalia, Britisch-Somalia und Abessinien) überfallen Negerstämme aus Abessinien den britischen Sondergesandten Clifford, der nur durch das Eingreifen italienischer Kolonialtruppen gerettet wird.

1935
7. Januar: Mussolini empfängt in Rom den neuen französischen Ministerpräsidenten und Außenminister Pierre Laval zur Unterzeichnung eines Geheimvertrags ("Laval-Mussolini-Abkommen") in dem sich Frankreich und Italien zum einen auf die Verteidigung der "Republik Österreich" gegen das Deutsche Reich einigen, zum anderen über ihre Kolonial-Ansprüche in Afrika: Italien verzichtet auf das - überwiegend von italienischen Kolonisten besiedelte - Tunesien, das ihm Frankreich im 19. Jahrhundert vor der Nase weg geschnappt hatte; Frankreich läßt Italien dafür freie Hand in Abessinien.
April: In Stresa verbünden sich Italien, England und Frankreich gegen das Deutsche Reich, wobei sie einander ein Festhalten an den Bedingungen des Diktatvertrags von Versailles garantieren ("Stresa-Front").
Mussolini schafft es erneut auf die Titelseite des "Time Magazine" - zusammen mit seinen Söhnen Bruno und Vittorio.


24/25. Juni: Der britische Außenminister Eden macht Mussolini ein "Kompromißangebot": Italien soll das wertlose Ogaden erhalten, Großbritannien dafür das Protektorat über den Rest Abessiniens. Mussolini lehnt dies ab und schickt Truppen nach Eritrea.
26. September: Der Negus erklärt die Mobilmachung Abessiniens gegen Italien.
3. Oktober: Mussolini nimmt im Vertrauen auf ein Stillhalten der Westmächte den Krieg gegen Abessinien auf, der in Italien außerordentlich populär ist und sogar die Fußball-Begeisterung in den Schatten stellt. Selbst Mussolini-Gegner wie Benedetto Croce, der selbsternannt Vorkämpfer des Sozialismus, befürworten ihn wegen der barbarischen Rückständigkeit Abessiniens (wo u.a. noch Frauenbeschneidung und Kannibalismus üblich sind), dem Italien die Zivilisation bringen müsse. Bereits in der ersten Kriegswoche spenden 250.000 Römerinnen - allen voran die Königin - ihre goldenen Eheringe im Austausch für Eisenringe. Mussolini läßt auch Bombenflugzeuge und Giftgas gegen die Abessinier einsetzen, nach dem Vorbild der Briten, die dies bereits 14 Jahre zuvor (unter Kolonialminister Churchill) im Nordiraq gegen die Kurden getan hatten.
November: Völlig überraschend für Mussolini verkündet der Völkerbund ein Waffenembargo sowie eine Kredit- und Rohstoffsperre. (Allerdings sperrt Großbritannien den Suez-Kanal nicht für italienische Truppentransporter.) Ebenso überraschend kommt für ihn ein deutsches Hilfsangebot, das ihm erlaubt, die Sanktionen zu unterlaufen.
Dezember: Der neue britische Außenminister Samuel Hoare und Laval verständigen sich in Paris darauf, Italien einige Gebiete Abessiniens sowie eine "Einflußsfäre" dortselbst anzubieten. Nach Bekanntwerden des "Hoare-Laval-Plans" werden jedoch beide zum Rücktritt gezwungen.

[Hailie Selassie, der 'Negus' von Abessinien]

1936
5. Mai: Italienische Truppen erobern Addis Abeba; der Negus flieht ins Exil. Mussolini wird von König Viktor Emanuel das Großkreuz des Ordens von Savoyen verliehen.
9. Mai: Mussolini ruft Viktor Emanuel zum "Kaiser" aus und erklärt Italien zum "Kaiserreich (imperio)", bestehend aus dem Mutterland, Tripolitanien und Cyrenaica (seit 1929 zu "Libia" vereint), den Dodekanes-Inseln, Eritrea, Abessinien und Somalia. Er fordert die Vormachtstellung Italiens im Mittelmeer, das er als "mare nostro [unser Meer]" betrachtet - eine Forderung, die sich vor allem gegen England richtet, das noch immer Gibraltar, Menorca, Malta, Kreta, Cypern, Ägypten und Palästina besetzt hält.


4. Juli: Der Völkerbund hebt die Sanktionen gegen Italien auf.
18. Juli: Der spanische Bürgerkrieg bricht aus. Mussolini sagt den Aufständischen heimliche Hilfe zu, schickt ihnen jedoch zunächst nur schlecht ausgebildete und noch schlechter bewaffnete Freiwillige und ein paar schrottreife Flugzeuge. Als zwei der letzteren bereits in der 2. Kriegswoche in Französisch-Marokko notlanden müssen, wird die "geheime" Hilfe bekannt, woraufhin Frankreich und die Sowjet-Union beginnen, die Volksfront-Regierung massiv zu unterstützen.
24./25. Oktober: Mussolinis Schwiegersohn Ciano reist als italienischer Außenminister nach Deutschland. In einem Geheimprotokoll wird Einigung erzielt über die Anerkennung der Annexion Abessiniens und eine gemeinsame Unterstützung General Francos im Spanischen Bürgerkrieg (der 1939 mit der Niederlage der Volksfront-Regierung endet.)


1. November: Mussolini spricht auf dem Mailänder Domplatz erstmals von der "Achse Rom-Berlin".

[Wandteppich]

1937
2. Januar: Mussolini schließt mit Großbritannien ein Abkommen über die "Freiheit des Mittelmeers".
23. Januar: Mussolini empfängt den deutschen Feldmarschall Hermann Göring in Rom, weigert sich jedoch nach wie vor, dem "Anschluß" der "Republik Österreich" an das Deutsche Reich zuzustimmen.
25. März: Mussolini schließt einen Nichtangriffspakt mit Jugoslawien.
25.-28. September: Mussolini reist auf Staatsbesuch nach Deutschland, von dem er stark beeindruckt ist.


6. November: Nach einem Besuch des deutschen Sonderbotschafters Ribbentrop bei Mussolini tritt Italien dem gegen die Sowjet-Union gerichteten "Antikominternpakt" zwischen Deutschland und Japan bei. Die "Achse Rom-Berlin" wird zur "Achse Berlin-Rom-Tōkyō".
11. Dezember: Italien verläßt den Völkerbund.
Mussolini läßt eine antike Stele aus dem abessinischen Aksun, um sie vor dem dortigen Verfall zu retten, nach Rom bringen und auf der Piazza Porta Capena aufstellen.


1938
15. März: Mussolini bewahrt beim friedlichen Anschluß der Ostmark [vormals "Republik Österreich]" an das Deutsche Reich wohlwollende Neutralität. Seinen Kritikern erklärt er, daß eine Unabhängigkeit, deren Wahrung den Einsatz ausländischer Truppen gegen die Mehrheit der Bevölkerung erforderte, diesen Namen nicht verdient.
16. April: Mussolini schließt ein Freundschaftsabkommen mit Großbritannien, das Italiens Souveränität über Abessinien anerkennt.
Die Mussolini-Biografie von Gert Buchheit erscheint.


2.-10. Mai: Mussolini empfängt Hitler, Goebbels, Hess, Himmler und Ribbentrop zum Staatsbesuch in Rom, Neapel und Florenz.


29. September: Mussolini vermittelt das Münchener Abkommen zwischen Deutschland, England und Frankreich, das den friedlichen Anschluß des Sudetenlandes an das Deutsche Reich ermöglicht, den die von den Tschechen brutal unterdrückten Sudetendeutschen seit zwei Jahrzehnten vergeblich herbei gesehnt hatten.


Trotz dieses Prestigeerfolgs gerät Mussolini zunehmend in Abhängigkeit von Hitler, was ihm feindlich gesonnene Karikaturisten weidlich ausschlachten.


2. November: Das englische Unterhaus ratifiziert das Abkommen vom April 1938.
Dezember: Nachdem die französische Regierung mitgeteilt hat, sie werde das mit dem inzwischen gestürzten Laval geschlossene Abkommen vom Januar 1935 nicht ratifizieren, erklärt Mussolini dieses für hinfällig. In Frankreich kommt es daraufhin zu "anti-fascistischen" Demonstrationen, die auf Spruchbändern das brave "demokratische" Ziel verkünden, Sardinien, Venedig, Mantua, die Toscana, Neapel und Sizilien zu annektieren, als "altes Erbe" des Hauses Anjou.

1939
7. April: Mussolini läßt italienische Truppen Albanien besetzen, dessen neuer König Viktor Emanuel in Personalunion wird.
13. April: US-Präsident Franklin Delano Roosevelt hält eine Hetzrede gegen Italien und Deutschland, in der er Hitler und Mussolini vorwirft, sie hätten "drei europäischen Nationen" (er meint Deutsch-Österreich, die Tschecho-Slowakei und die Stämme Albaniens) und "einem afrikanischen Volk" (er meint die Stämme Abessiniens) die Unabhängigkeit geraubt.
22. Mai: Nach einem erneuten Staatsbesuch Hitlers (in Rom, Florenz und Neapel) wird zwischen Italien und dem Deutschen Reich ein "Freundschafts- und Bündnispakt" geschlossen, von dem sich die deutsche Propaganda viel verspricht ("Stahlpakt"), der jedoch bereits eine Woche später de facto zu Altpapier wird, als Mussolini eine Zusatzerklärung nachschiebt, daß Italien vor 1943 nicht kriegsbereit sein werde.
3. September: Zwei Tage nach Beginn des Polenfeldzugs erklären Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg (nicht aber der Sowjetunion, als aufgrund des "Hitler-Stalin-Pakts" auch die Rote Armee in Ostpolen einrückt), der sich bald zum Zweiten Weltkrieg ausweitet. Mussolini erklärt zunächst die "nonbelligerenza [Nichtkriegsführung]" (im Gegensatz zur Neutralität) Italiens - was ihm nicht nur in Deutschland, sondern auch bei den Alliierten Spott und Hohn einträgt.

[Mussolini und seine Geliebte Clara ('Claretta') Petacci - der Name ist in der Karikatur wohl bewußt falsch geschrieben]

1940
18. März: Bei einem Treffen am Brenner erklärt Mussolini Hitler erneut, daß Italien nicht kriegsbereit sei und deshalb nicht am "Westfeldzug" gegen Frankreich teilnehmen könne.
10. Mai: Beginn des Westfeldzugs ohne italienische Beteiligung.
10. Juni: Nachdem Frankreich praktisch geschlagen ist, erklärt Italien Frankreich und Großbritannien den Krieg, um ein Stück vom Kuchen abzubekommen; die italienischen Truppen, die versuchen, in Savoyen einzudringen, werden jedoch zurück geschlagen. Hitler weigert sich, Mussolinis Annexionswünsche (Korsika, die Côte d'Azur mit Nizza, Savoyen, Tunesien und Djibuti) zu erfüllen, da er eine ehrliche Aussöhnung mit Frankreich sucht.
27. September: Deutschland, Italien und Japan schließen den "Wehrpakt zur Wiederherstellung des Weltfriedens", später kurz - und ungenau - "Dreimächtepakt" genannt. (Dem Pakt treten im folgenden noch Ungarn, Rumänien, die Slowakei, Dänemark, Finnland, China, Bulgarien und Kroatien bei.)


Oktober: Der von Mussolini völlig überflüssigerweise - zur Verfolgung einiger in Albanien eingedrungener griechischer Freischärler - begonnene Feldzug gegen Griechenland, das von General Metaxás geführt wird (der eigentlich mit den Achsenmächten sympathisiert und daher später von den Briten mittels Gift ermordet wird) endet mit einer Niederlage, ebenso seine Versuche, von Libyen und Abessinien aus Ägypten und Britisch-Somalia zu erobern.


1941
April: Nachdem deutsche Truppen "Jugoslawien" und Griechenland erobert haben, erhält Italien Besatzungsrechte u.a. in Istrien, Dalmatien und dem Kosovo (den es Albanien zuschlägt).
Die Italiener müssen sich aus Abessinien zurück ziehen. Der Verlust Libyens kann nur durch den Einsatz des - seit 1940 im Lande stehenden - deutschen Afrikakorps (unter General Erwin Rommel) abgewendet werden.

1942
November: Nach der Niederlage Rommels bei El Alamein (durch italienisches Versagen) und der Landung alliierter Truppen in Algerien (durch Verrat der Vichy-Truppen Marschall Pétains) verschlechtert sich die militärische Lage der Achsenmächte in Nordafrika zusehens. (Inzwischen sind auch starke deutsche und italienische Verbände bei Stalingrad eingekesselt - ebenfalls durch italienisches Versagen.) Die Italiener lassen Anzeichen von Kriegsmüdigkeit erkennen. Wieder kann der Verlust Libyens nur durch den Einsatz deutscher Truppen in Tunesien vorerst abgewendet werden.

1943
13. Mai: Mit der Kapitulation der deutschen Heeresgruppe Nordafrika geht auch dieses endgültig an die Alliierten verloren.
9. Juli: Die Invasion der Alliierten auf Sizilien schwächt Mussolinis innere Position weiter; es kommt zu Massenstreiks.
24./25. Juli: Mussolini wird durch den "Gran Consiglio" abgesetzt und auf Anordnung Viktor Emanuels III. verhaftet.
3. September: Italien verrät erneut das Bündnis mit Deutschland und wechselt zu günstigen Bedingungen (im Frieden von Paris verliert Italien lediglich seine Kolonien und Fiume) ins Lage der Aliierten über. Die alliierten Besatzungs-Truppen werden von der offiziellen Propaganda des neuen Regimes als "Befreier vom Faschismus" dargestellt.


Inoffiziell kommt es freilich in von den Alliierten besetzten italienischen Städten zu Plünderungen und Vergewaltigungen erheblichen Ausmaßes; auch die Terror-Bombardements der Alliierten auf norditalienische Städte - vor allem Mailand - werden intensiv fortgesetzt.
Schwache deutsche Truppenteile entwaffnen die (zahlenmäßig mehr als 100-fach überlegenen) italienischen "Soldaten" und schicken sie nach Hause.
12. September: Deutsche Luftlandetruppen unter Otto Skorzeny befreien Mussolini aus seiner Internierung auf dem Gran Sasso (Abruzzen) und bringen ihn zunächst nach Deutschland.
23. September: Mussolini bildet mit deutscher Hilfe eine Gegenregierung und ruft die "Soziale Republik Italien" aus. Von Salò (am Gardasee) aus versucht er, die Herrschaft in Nord- und Mittelitalien wieder zu erlangen.
13. Oktober: Die neue italienische Regierung erklärt dem Deutschen Reich den Krieg.

1944
5. Juni: Allierte Truppen besetzen Rom, das von den Deutschen zur offenen Stadt erklärt worden ist, um die mutwillige Zerstörung unersetzlicher Kulturgüter, wie sie die Alliierten z.B. in Monte Cassino praktiziert haben, zu vermeiden. Das Gebiet der Republik von Salò verringert sich mit dem Rückzug der deutschen Truppen ständig.

1945
27. April: Nach erfolglosen Verhandlungen mit der Widerstandsbewegung und den Amerikanern versucht Mussolini in die Schweiz zu fliehen, wird aber am Comer See von Angehörigen der 52. Garibaldi-Brigade gefangen genommen.
28. April: Benito Mussolini und seine Geliebte Clara Petacci werden in Giuliano di Mezzegra (Comer See) von kommunistischen Partisanen vergewaltigt und zu Tode gefoltert. Ihre geschändeten Leichen werden öffentlich aufgehängt. (Im Anschluß daran werden auch die Angehörigen der 52. Garibaldi-Brigade, die Zeugen dieser Vorgänge geworden sind, von den Kommunisten ermordet.)


1945-1994
Die Monarchie wird nach einer manipulierten Volksabstimmung abgeschafft; Italien wird zur Republik erklärt. In den folgenden Jahrzehnten regiert de facto die von Mussolini vorübergehend ausgeschaltete, von den Amerikanern bei ihrer Invasion 1943 jedoch wieder ins Land - und an die Hebel der Macht - gebrachte Mafia durch korrupte Strohmänner in den "demokratischen" Parteien ("partitocrazia"). [Die - 1946 unter dem Namen "Movimento Sociale Italiano" (M.S.I.) neu gegründete - fascistische Partei spielt zunächst keine nennenswerte Rolle mehr.] Zu den übelsten Mafiosi zählen die langjährigen Ministerpräsidenten Giuglio Andreotti (Christdemokratische Partei) und Bettino Craxi (Sozialdemokratische Partei) sowie die obersten Richter am Corto di Cassazione (Bundesgerichtshof), vor allem dessen Vorsitzender Corrado Carnevale.

[Mafioso Andreotti] [Mafioso Craxi] [Mafiosi Bundesrichter]

Der alte Schlendrian, Korruption und Unfähigkeit wie zur Zeit vor Mussolini reißen schnell wieder ein. Millionen Italiener - vor allem aus dem "mezzogiorno [Süden]" - müssen, um nicht zu verhungern, als "Gastarbeiter" ins Ausland gehen. Die meisten von ihnen gehen nach Deutschland, nicht mehr - wie früher üblich - in die Schweiz, nach Frankreich oder USA. Die 1957 mit den "römischen Verträgen" gegründete "Europäische Wirtschaftsgemeinschaft" ("EWG", später "EG" und "EU") bringt trotz immenser Transferleistungen vor allem aus Deutschland kaum Besserung, da die Milliarden durchweg in den Taschen korrupter Parteipolitiker verschwinden ("Tangentopoli [Schmiergeldrepublik]").

1952
Die Mussolini-Biografie von Richard Wichterich erscheint.

seit 1952
Den ehemaligen Kolonien Italiens bringt die Unabhängigkeit kein Glück. Sie zeichnen den Weg der später ebenfalls "dekolonisierten" Länder Afrikas vor, der stets in politisches und wirtschaftliches Chaos führt. (In Addis Abeba findet 1963 die Gründung der OAS statt, die an dieser verhängnisvollen Entwicklung einen wesentlichen Anteil hat.)
In Libyen ergreift 1969 eine sozialistische Militärjunta (unter Muhamad al Ģaddafi) die Macht, in Abessinien (jetzt "Äthiopien") 1974. Daraufhin brechen Jahrzehnte lange Stammeskriege im ehemaligen Italienisch-Ostafrika aus, insbesondere im von Äthiopien annektierten Eritrea und im Ogaden (der Grenzprovinz zu Somalia).
1977 erlangt die somalische Hauptstadt Mogadischu (Mogadiscio) traurige Berühmtheit durch eine Flugzeugentführung mit Geiselnahme. Aus Dankbarkeit für deren Beendigung alimentiert die BRD das korrupte Regime Jahrzehnte lang mit großzügiger Entwicklungshilfe.
Über Albanien senkt sich ein düsterer kommunistischer Vorhang; das Land verharrt auf dem letzten Platz Europas. Ein anhaltender Strom von Wirtschaftsflüchtlingen, die sich nach der Kolonialzeit zurück sehnen, ergießt sich nach Italien.
Der Dodekanes mit der Hauptinsel Rodos entwickelt sich zu einem fragwürdigen Urlaubsparadies, in dem sich die griechischen Eingeborenen bald als Kolonie der britischen Touristen fühlen.

1964
Die Mussolini-Biografie von Ivone Kirkpatrick erscheint.


1969
Mussolinis Witwe Rachele wird nach Jahre langem Prozessieren eine monatliche Rente von 140.000 Lire (damals ca. 850.- DM) bewilligt. Im Laufe des Verfahrens wird bekannt, daß Mussolini sein Gehalt als Ministerpräsident nie in Anspruch genommen hat und "arm wie eine Kirchenmaus" gestorben ist. Der Komiker Walter Chiari hatte die öffentliche Diskussion im Vorjahr mit dem Satz angeheizt: "Als man Mussolini mit dem Kopf nach unten aufhängte, fiel aus seinen Taschen nicht mal eine einzige Lira. Das wäre sicher anders, wenn man das gleiche mit den heute Regierenden täte." Die Regierung (eine Mitte-Links-Koalition unter Aldo Moro, der als besonders korrupt galt) hatte diese Aussage als "Skandal" bezeichnet, doch viele Italiener fanden, daß man das ruhig einmal ausprobieren sollte. (Moro wird einige Jahre später von den "Brigate Rosse [Roten Brigaden]" entführt und wegen Korruption hingerichtet getötet ermordet - allerdings nicht mit dem Kopf nach unten. Er hinterläßt mehrere Milliarden.)

1972
Juni: Im amerikanischen Ballentine-Verlag erscheint die Mussolini-Biografie von Christopher Hibbert (die italienische Übersetzung erscheint im Garzanti-Verlag, die deutsche erst 1987 bei Moewig).


1974
"Mussolini - die letzten Tage" kommt in die Kinos; die Titelrolle spielt Rod Steiger (der zwei Jahre zuvor in "Waterloo" bereits den Napoleon gespielt hatte).
"Mussolini - the untold story" (mit George C. Scott in der Titelroll) wird als Mini-Serie im britischen Fernsehen ausgestrahlt.


1978
Die Mussolini-Biografie von Giovanni DeLuna erscheint.

1982
Die Mussolini-Biografie von Richard Collier erscheint.
Mussolinis Sohn Vittorio veröffentlicht das Buch "Frauen im Leben meines Vaters".

1983
Juli: Anläßlich seines 100. Geburtstages wird Mussolini in Italien inoffiziell rehabilitiert. Das neo-fascistische Movimento Sociale Italiano (M.S.I.) erhält bei den Parlamentswahlen knapp 7% der Wählerstimmen.


1988
Die Mussolini-Biografien von Denis Mack Smith und Willi Koerbel-Habsheim erscheinen (Neuauflage der letzteren 1997).


1993
Das deutsche Nachrichtenmagazin Spiegel deckt die Umstände von Mussolinis Tod auf.

1994
Silvio Berlusconi - seit 1986 Präsident des populären Fußballvereins AC Milano und Betreiber einiger privater Fernsehsender (der staatliche Rundfunk verweigerte ihm Sendezeiten für seine Wahlspots) - gewinnt mit dem alten Schlachtruf der italienischen Nationalmannschaft (er nennt sein Wahlbündnis "Forza Italia!") als Wahlkampfparole die Parlamentswahlen und bildet eine Koalitions-Regierung, an der auch die "Alleanza Nazionale" - Nachfolge-Partei des M.S.I. - unter Gianfranco Fini (der 16% der Wählerstimmen erhalten hat) beteiligt ist. Das eigentliche Zugpferd der A.N. ist jedoch Mussolinis attraktive Enkelin (und Nichte Sofia Lorens) Alessandra ("Sandra"), die dem aus Ungarn stammenden Porno-Sternchen Ilona Staller alias "Cicciolina [Schnuckelchen]" - dem letzten Aushängeschild der "liberalen" Partei - ihr Abgeordneten-Mandat abjagt.

[Berlusconi] [Fini] [Sandra] [Schnuckelchen]


2001
Gegen alle Widerstände und Intrigen seiner linken Gegner im In- und Ausland - die ihm u.a. Craxis Mafia-Geschäfte anhängen wollen - gewinnt Berlusconis Mitte-Rechts-Bündnis mit den Neo-Fascisten erneut die Parlamentswahlen.
Die Vergleiche Hitler/Mussolini, Berlusconi/Mussolini und Fini/Mussolini - allesamt als Verunglimpfung gedacht - erweisen sich als "Werbung durch die Hintertür".

[Mussolini gestern und heute]

2003
11. September: Am 2. Jahrestag des Kamikaze-Angriffs muslimischer Terroristen auf das New Yorker World Trade Center (und 77. des Attentats auf Mussolini) verteidigt Berlusconi in einer offiziellen Rede Mussolini und den Fascismo. Im Ausland wird diese Rede - vor allem von jüdischen Lobbyisten, Sozialisten und Kommunisten - heftig kritisiert. Unterdessen ist die Familiengruft der Mussolini zum Wallfahrtsort seiner Anhänger geworden, deren Faszination für die "Fasci" ungebrochen ist.

[Familiengruft der Mussolini]

2005
April: Die italienische Regierung gibt die 1937 von Mussolini gerettete - und zuvor noch gründlich renovierte - Stele an Äthiopien zurück, da sämtliche in Aksun verbliebene Stelen inzwischen ruiniert sind. Die Äthiopier sind allerding unfähig, die 33 m hohe Stele selber wieder aufzustellen, und Geld, um dies von Ausländern erledigen zu lassen, hat das Land, in dem Hunger und Elend herrschen, nicht; es hofft diesbezüglich auf großzügige Finanzspritzen aus der BRDDR, deren Herrscher dem korrupten Regime in Addis Abeba bereits mehrere Milliarden Schulden erlassen und Entwicklungshilfe geschenkt haben - diese Gelder sind allerdings überwiegend in Kriege gegen Eritrea und Somalia "investiert" worden.

2007
Der größenwahnsinnige ungarische Judeneue französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy betreibt - auf den Spuren Mussolinis und dessen Traum vom "mare nostrum" wandelnd - die Gründung einer "Mittelmeerunion" in den Grenzen des antiken Imperium Romanum. (Der Plan wird von der EU vereitelt und ein Jahr später zu einer belanglosen "Union für das Mittelmeer" verwässert.)


1Der P.S.I. ist die einzige sozialistische Partei Europas, die sich 1914 gegen den Krieg ausspricht; sie muß sich darob von den Medien üble Verunglimpfungen gefallen lassen. Alle anderen Sozialisten reden sich den Krieg mit dessen edlen Zielen schön: Die SPD bewilligt die Kriegskredite, um die Völker Rußlands vom "Tsarismus" zu befreien, die SFIO will die Völker des Deutschen Reichs und Österreich-Ungars vom "Kaiserismus" befreien; ihren pazifistischen Führer Jean Jaurès, der das anders sah, hatte man kurz nach dem österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand vorsorglich erschossen.

[Verunglimpfung der italienischen Sozialisten als Verbündete des deutschen und österreichischen Kaisers] [Verunglimpfung der italienischen Sozialisten als von den Deutschen finanzierte Kriegssaboteure] [vorgebliches Kriegsziel der Entente: Befreiung der Deutschen vom 'Kaiserismus']

2In der Geschichtsschreibung der Mittelmächte hieß es später, Italien habe sich von der Entente "kaufen" lassen, die es leicht hatte, Italien österreichische Gebiete zu verprechen, während die Mittelmächte Skrupel gehabt hätten, umgekehrt Italien etwa französische Gebiete zu versprechen, wie Tunesien, Korsika, Savoyen und/oder die Côte d'Azur. Die Stimmung in Italien war jedoch seit Jahren auf einen Krieg gegen Österreich, nicht aber gegen Frankreich, gerichtet; Versprechungen irgendwelcher Art hätten daran schwerlich etwas geändert.


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