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ERICH v. LEWINSKI
genannt v. Manstein

(24.11.1887 - 11.06.1973)

[Erich v. Manstein]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1887
24. November: Fritz Erich v. Lewinski wird als 10. Kind des preußischen Obersten (später Generals) der Artillerie Eduard v. Lewinski und dessen Frau Helene (geb. v. Sperling) in Berlin geboren. Die Lewinskis entstammen einer erst kürzlich geadelten jüdischen Familie.

1896
Eduard v. Lewinski verunglückt bei einer militärischen Übung tödlich. Sein Sohn wird von der kinderlosen Schwester seiner Mutter und deren Ehemann, dem preußischen Obersten (später General) Georg v. Manstein, adoptiert. (Auch die Mansteins sind eine alte preußisch-jüdische Familie.**)

1900
Ostern: Manstein tritt in das preußische Cadettenkorps in Plön (Holstein) ein.

1902
Ostern: Manstein wechselt auf die Hauptcadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin.

[Die Haupt-Cadetten-Anstalt in Berlin-Lichterfelde]

1906
April: Nach dem Abitur wird Manstein zum Fähnrich befördert und als Rekrutenausbilder in das 3. Garderegiment zu Fuß versetzt.

1907
Januar: Manstein wird zum Seconde-Lieutenant befördert.

1911
Juli: Manstein wird Bataillons-Adjutant.

1913
Manstein wird zur Kriegsakademie abkommandiert.

1914
Juni: Manstein wird zum Premier-Lieutenant befördert.
August: Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird Manstein Adjutant im 2. Garde-Reserve-Regiment.
November: Nach einer Verwundung wird Manstein vorerst nur noch zum Stabsdienst verwendet.

1915
Juli: Manstein wird zum Hauptmann befördert.
August: Manstein wird Adjutant in der 12. Armee.

1916
ab: Januar: Manstein nimmt als Stabsoffizier der 11. Armee an der Schlacht um Verdun teil.
ab Juli: Manstein nimmt als Stabsoffizier der 1. Armee an der Somme-Schlacht teil.

1917
Manstein nimmt als Ia der 4. Kavallerie-Division an der Offensive in Kurland teil.

1918
Mai: Manstein nimmt als Ia der 213. Reserve-Division an der "Großen Schlacht in Frankreich" teil.

1919
Manstein arbeitet als Generalstabs-Offizier für den Grenzschutz in Schlesien.


Nach Übernahme in das 100.000-Mann-Heer der Reichswehr arbeitet Manstein in der Organisations-Kommission für das Heer.

1920
Manstein heiratet die Schlesierin Jutta-Sibylle, geb. v. Loesch. (Aus der Ehe gehen eine Tochter und zwei Söhne hervor.)
Oktober: Manstein wird Kompagnie-Chef im 5. Infanterie-Regiment in Angemünde.

1923-1927
Manstein ist nacheinander Stabsoffizier in Königsberg, Stettin und Dresden.

1927
Februar: Manstein wird zum Major befördert.

1929
September: Manstein wird als Gruppenleiter zur Operations-Abteilung im Truppenamt versetzt.

1932
April: Manstein wird zum Oberstleutnant befördert.
Oktober: Manstein wird Kommandeur des Jägerbataillons des Infanterie-Regiments 4 in Kolberg.

1933
Dezember: Manstein wird zum Oberst befördert. Seine jüdische Abstammung spielt auch nach der Machtergreifung durch die National-Sozialisten keinerlei Rolle.

1934
Februar: Manstein wird zum Chef des Stabs des Wehrkreiskommandos III in Berlin ernannt.

1935
Juli: Manstein wird Chef der Operations-Abteilung im Generalstab des Heeres.

1936
Oktober: Manstein wird unter Beförderung zum Generalmajor wieder zum Generalstab des Heeres versetzt. Dort ist er zunächst Abteilungschef, dann Oberquartiermeister I, schließlich erster Adjutant des Generalstabschefs Ludwig Beck.
Neben seiner Tätigkeit im Generalstab setzt sich Manstein in Denkschriften für die Bestrebungen Becks ein, im Kriegsfall die Rolle des Oberbefehlshabers des Heeres dem Generalstabschef zu überlassen. (Beck und Manstein beabsichtigen eine deutliche Trennung zwischen der politischen Leitung des Reichs und der militärischen Leitung der Wehrmacht im Krieg.)

1937
Der Oberbefehlshaber des Heeres Werner v. Fritsch widersetzt sich den Konzeptionen Becks und Mansteins, weil diese im Kriegsfall eine Entmachtung Adolf Hitlers darstellen würden.

1938
April: Im Zusammenhang mit der Blomberg-Fritsch-Krise wird Beck gegen seinen Willen von Franz Halder abgelöst. Manstein erhält den Befehl über Becks 18. Division in Schlesien

1939
April: Manstein wird zum Generalleutnant befördert.
September: Zu Beginn des Polenfeldzugs wird Manstein Chef des Generalstabs des Oberbefehlshabers Ost.
21. Oktober: Manstein wird Chef der Heeresgruppe A und bereitet den Krieg gegen die Westmächte vor, die den Polenfeldzug zum Anlaß genommen haben, dem Deutschen Reich - nicht aber der Sowjetunion, deren Truppen ebenfalls in Polen einmarschiert sind - den Krieg zu erklären.

1940
Januar-März: Im Generalstab werden die Pläne für den Frankreichfeldzug ausgearbeitet, die in Anlehnung an den bereits im Ersten Weltkrieg gescheiterten "Schlieffen-Plan" lediglich eine Umfassung des Feindes von Norden vorsehen. Mansteins Entwurf beinhaltet zusätzlich einen massierten Panzerangriff mitten durch die Ardennen.
April: Manstein setzt sich mit seinem Plan gegen den des Generalstabs bei Hitler durch. Dieser befiehlt dem neuen Oberbefehlshaber des Heeres Walther v. Brauchitsch , Mansteins Entwurf in die Planung zu übernehmen.
Mai: Mansteins Strategie wird mit der Operation "Sichelschnitt" erfolgreich umgesetzt.
Juni: Manstein wird zum General der Infanterie befördert.
Juli: Manstein wird das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.
November: Manstein erhält das Kommando über das LVI. Panzerkorps in Ostpreußen.

1941
22. Juni: Bei Beginn des Rußlandfeldzugs kommandiert Manstein die Panzerverbände der Heeresgruppe Nord unter General Wilhelm v. Leeb.
Juli-August: Mansteins Panzerverbände rücken im Nordabschnitt der Front durch die baltischen Staaten bis auf Leningrad (heute Sankt Peterburg) vor.
2. September: Manstein wird zum Oberbefehlshaber der im äußersten Süden der Ostfront stehenden 11. Armee ernannt mit dem Auftrag, die Halbinsel Krim einzunehmen.
Oktober: Manstein erklärt in Übereinstimmung mit General Walter Reichenau, daß das jüdisch-bolschewistische System ein für allemal ausgerottet werden muß.

1942
7. März: Manstein wird zum Generaloberst befördert.
April: Mansteins Divisionen erobern die Krim, wo sie von der Bevölkerung als Befreier begrüßt werden.


10. Juli: Manstein wird (für die Eroberung der Festung Sewastópol) zum Generalfeldmarschall befördert* und erhält das Kommando über die Heeresgruppe Don.
November: Manstein versucht vergeblich, die durch Versagen italienischer, ungarischer und rumänischer Hilfsverbände in Stalingrad eingekesselte 6. Armee unter Generaloberst Friedrich Paulus zu befreien.
General Beck und Henning von Tresckow versuchen angesichts der sich abzeichnenden militärischen Niederlage, Manstein für den "Widerstand" in der Wehrmacht zu gewinnen. Manstein hält die militärische Lage jedoch noch nicht für aussichtslos.

1943
März-Mai: Manstein gelingen noch einmal militärische Erfolge an der Ostfront (u.a. Rückeroberung Charkows).
Juli: Die von Manstein befürwortete und wesentlich mit geplante Offensive gegen den Frontbogen bei Kursk ("Operation Zitadelle") wird von Hitler nach Landung der Westalliierten auf Sizilien abgebrochen, obwohl Manstein sie nach wie vor für erfolgversprechend hält und auf ihre Fortsetzung drängt.
Manstein greift erneut den Gedanken auf, Hitler aus der unmittelbaren Kriegsführung zu drängen. Von der Möglichkeit eines Sieges gegen die Sowjetunion noch immer überzeugt, fordert er vergeblich seine Einsetzung als militärischer Oberbefehlshaber Ost mit allen Vollmachten.

1944
31. März: Hitler entzieht Manstein das Kommando und schiebt ihn in die "Führerreserve" ab.

1945
Manstein hält sich bis zum Kriegsende erst in Liegnitz, dann in der Lüneburger Heide auf.
8. Mai: Manstein wird von britischen Truppen interniert.
26. August: Manstein wird vor dem inter-alliierten Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg wegen "Mitgliedschaft in einer verbrecherischen Organisation" (der Wehrmacht) angeklagt, jedoch freigesprochen.

1949
1. Oktober: Manstein wird von einem britischen Militärgericht in Hamburg wegen angeblicher Kriegsverbrechen zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt.
2. Oktober: Manstein wird in das Zuchthaus Werl (Westfalen) überstellt.

1953
7. Mai: Manstein wird aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen.

1955
Manstein veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Verlorene Siege". Bei aller Kritik an Hitler fällt diese doch wesentlich differenzierter und sachlicher aus als die der meisten seiner Ex-Kollegen. Hauptvorwurf ist, daß Hitler aus naïver Friedenssehnsucht die Engländer bei Dünkirchen entkommen ließ und damit den möglichen Sieg aus der Hand gab, der den Krieg beendet hätte, bevor er zum Weltkrieg eskalierte. Auch den Abbruch der Offensive gegen Kursk hält er für einen schwer wiegenden Fehler, durch den die Initiative im Osten endgültig verloren ging.**


1956-1960
Manstein ist Berater der Bundesregierung beim Aufbau der Bundeswehr.
Anders als seine Kollegen Rommel, Dietl und Mölders - die vorerst als "unbelastet" gelten, da ihnen durch ihren rechtzeitigen Tod die Verurteilung als "Kriegsverbrecher" in Nürnberg erspart blieb - wird Manstein jedoch nie für die Traditionspflege der Bundeswehr vereinnahmt; es gibt daher - bisher - auch keine vergleichbare "Demontage" seines Andenkens.

1973
11. Juni: Erich v. Manstein stirbt in Icking-Irschenhausen (Oberbayern).

* * * * *
1995
Ein Spaßvogel namens Karl-Heinz-Frieser (studierter Politologe) veröffentlicht "Blitzkrieg-Legende". Darin "beweist" er, daß Manstein nie einen "Sichelschnitt" oder gar einen "Blitzkrieg" im Westen geplant hat. Sein Werk wird auf Steuerzahlerkosten vom Karnevalsverein"Militärgeschichtlichen Forschungsamt" der BRDDR veröffentlicht.


*Man liest verschiedentlich, Manstein sei gleich nach seiner Geburt 1887 von seiner Tante Helene adoptiert worden. Dies ist unzutreffend. Es mag zwar stimmen, daß er schon vor 1896 de facto bei seiner Tante aufwuchs; eine Adoption im juristischen Sinne scheiterte jedoch an Jahre langen Streitigkeiten um die Namensgebung. Erst der 1888 an die Macht gekommene Kaiser Wilhelm ermöglicht nach dem Tode Georg v. Mansteins, um das Aussterben jenes traditionsreichen Familienzweiges zu verhindern, durch allerhöchsten Erlaß den Kompromiß aus der Titelzeile, der so im Familienrecht (das Bürgerliche Gesetzbuch war noch nicht in Kraft) eigentlich nicht vorgesehen war. In der Praxis setzte sich jedoch der Name "Erich v. Manstein" durch; lediglich die Kriegsgegner nannten ihn später penetrant "Fritz Erich von Manstein", da dieser Vorname als "typisch deutsch" gilt.

[Field Marshall Fritz Erich von Manstein]

**Man liest verschiedentlich, erst Mansteins Adoptivonkel Avraham sei zum Judentum konvertiert, dies ist jedoch irreführend; korrekterweise müßte man von einer "Re-Konvertierung nach einigen Generationen" sprechen.

***Manstein ist einer von nur zwei Feldmarschällen des "Dritten Reichs", welche die gesetzlichen Voraussetzungen für diese Beförderung (Gewinn einer kriegsentscheidenden Schlacht oder Eroberung einer Festung von herausragender Bedeutung) tatsächlich erfüllten (neben Rommel, der Tobruk eroberte). Den anderen 25 Feldmarschällen bzw. "Großadmirälen" - von Göring bis Greim - wurde dieser Dienstgrad von Hitler widerrechtlich verliehen.

****Die Schlacht um Kursk zählt bis heute zu den unter Militärhistorikern am meisten umstrittenen Ereignissen des Zweiten Weltkriegs. Entgegen früheren Darstellungen, die vor allem den subjektiv getrübten Memoiren sowjetischer Generäle folgten, zeigte sich nach Öffnung der Moskauer Archive, daß die Wehrmacht bei Kursk viel geringere Verluste hatte als bisher angenommen und wohl tatsächlich vor einem möglichen Sieg stand; insofern hatte Manstein also Recht. Allerdings ließ Hitler die Schlacht nicht nur wegen der Landung der Westalliierten auf Sizilien abbrechen, sondern auch, weil andere führende Militärs - vor allem Feldmarschall v. DummeKluge - befürchteten, daß bei einer weiteren Konzentrierung der stärksten deutschen Verbände auf Kursk die südlich und nördlich anschließenden Frontabschnitte nicht gehalten werden könnten und "ein neues Stalingrad" drohte. Manstein teilte diese Befürchtungen nicht, konnte sich jedoch bei Hitler mit seiner Forderung, die Offensive fortzuführen, nicht durchsetzen. Die Frage, ob Manstein auch in diesem Punkt Recht hatte, läßt sich, da hypothetisch, nur mit Mutmaßungen beantworten, die sicher noch Generationen von Militärhistorikern Arbeit und Brot geben werden. Vom militärischen Standpunkt abgesehen fragt man sich allerdings, was mit der Offensive bei Kursk überhaupt bezweckt wurde. Es gibt vereinzelte Spekulationen, daß Hitler sich eine verbesserte Ausgangsposition für einen Separatfrieden mit der Sowjet-Union schaffen wollte. Stalin (der an der inter-alliierten Konferenz von Casablanca, die einen solchen ausschloß, nicht beteiligt war) hatte dies im Frühjahr 1943 angeboten, jedoch auf den Vorkriegsgrenzen bestanden, wozu Hitler nicht bereit war.

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