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Lettow-Vorbeck wird entsorgt
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| Zuletzt im November 2003 machte die nach dem
rechten Putschisten und Kolonial-General Paul von Lettow-Vorbeck benannte
Kaserne Schlagzeilen, als Kommandeur Rüdiger Schönrade stolz berichten
konnte, man werde in Kürze “die afghanischen Staatsorgane bei ihrer Arbeit
unterstützen. Wir bereiten unsere Soldaten darauf gründlich vor, denn
Afghanistan ist das am stärksten verminte Land der Erde.” Zunächst 187
Soldaten des schleswig-holsteinischen Panzergrenadierbataillons 182 aus
Bad Segeberg wurden im Januar diesen Jahres nach Afghanistan verlegt, um
die 1.500 deutschen Soldaten im Land zu verstärken. Im Mai diesen Jahres
dann der dramatische Aufruf von Henstedt-Ulzburgs Bürgermeister Volker
Dornquast, doch bitte Plüschtiere an das Bataillon zu spenden, um “Kinder
in Afghanistan glücklich zu machen”, Hintergrund: Das Segeberger
Panzergrenadierbataillon ist gleichzeitig “Patenkompanie”
Henstedt-Ulzburgs und wird deshalb traditionell zu allerlei Festivitäten
in die Gemeinde geholt, militaristisches Tamtam inklusive. Doch damit ist es jetzt vorbei. In einer bundesweiten Neustrukturierung der Kräfte hat der Verteidigungsminister am 2. November die Schliessung von nicht weniger als 178 Standorten bekannt gegeben. Alleine in Schleswig-Holstein sollen demnach 13 Stützpunkte der Bundeswehr geschlossen- und zwei weitere “signifikant reduziert” werden, darunter die Lettow-Vorbeck-Kaserne Bad Segeberg und auch das Kreiswehrersatzamt in Bad Oldesloe. Der Standort Boostedt (bei Kaltenkirchen) wird hingegen um 420 Dienststellen wachsen, allerdings ebenfalls seiner Panzereinheiten beraubt. Während sich Bad Segebergs Bürgermeister Hans-Joachim Hampel (CDU über den Weggang von über 800 Soldaten und Zivilangestellten bis zum Jahr 2010 erschüttert zeigte (“Die strukturellen Konsequenzen sind dem Ministerium doch völlig egal”), und die Segeberger Bundestagsabgeorndeten Franz Thönnes, Gero Storjohann und Jürgen Koppelin die Entscheidung als “haushaltspolitisch kaum Nachvollziehbar” kommentierten, gibt es viele im Kreis, die den Abzug der Soldateska nachhaltig begrüßen – nicht zuletzt, weil mit ihnen auch der Name Lettow-Vorbeck verschwindet. Letzterer, am 20. März 1870 in Saarlois geboren, hatte sich zunächst
zweifelhafte Verdienste im Kampf gegen den “Boxer-Aufstand” im
Ostasiatischen Expeditionskorps erworben, diente anschliessend bis 1914 in
“Deutsch-Südwestafrika” und war dort 1904 für die mörderische
Niederschlagung des “Herero-Aufstandes” beteiligt, dem bis zu 60.000
Männer, Frauen und Kinder zum Opfer fielen. Die deutschen Kolonialtruppen
trieben die Herero schließlich einfach in die wasserlose Omabeke-Wüste und
ließen sie verdursten. Warum die Bundeswehr ausgerechnet nach ihm u.a. Kasernen in Bad Segeberg und Hamburg benannte, ist in diesem Zusammenhang durchaus interessant. Unter anderem die JuSos in Henstedt-Ulzburg hatten dies mehrfach hinterfragt und umfassende Dossiers über den einstigen Putschisten angelegt. Diese Frage gehört aber spätestens ab 2010 ebenso der Vergangenheit an, wie der marodierende General selbst, der 1964 verarmt in Hamburg starb und in Ponsdorf bei Bad Segeberg beigesetzt wurde. Ein Biograf - Nikolas Dikigoros - machte bezüglich der Beisetzungsfeierlichkeiten noch einmal ungewollt deutlich, mit wem man es beim Toten zu tun hatte: Nach dem frühzeitigen Tod seiner Kinder und seiner Frau Martha “kann niemand verhindern, dass Regierungsvertreter als ungebetene Gäste bei der BRDigung (sic!) auftauchen und Krokodilstränen vergießen”. Und an anderer Stelle: “Wiewohl v. Lettow-Vorbeck als “unbelastet” entnazifiziert wird, verweigern die Machthaber der zweiten deutschen Republik (Regierung Adenauer) - ebenso schäbig wie die der ersten - dem inzwischen 79-jährigen, völlig mittellosen General a.D., der einst auf sein Portrait den Satz geschrieben hatte “Über allem: das Vaterland!” eine Pensionszahlung. - Olaf Harning, 4. November 2004 | |