Ashok Kumar (1911-2001) Tabellarischer Lebenslauf
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ASHOK  KUMĀR

[Kumudlāl Ganguly]

(1911 - 2001)


Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1911
13. Oktober: Kumudlāl Kunjilāl Ganguly wird als Sohn eines Rechtsanwalts in Bhagalpur (Bihār*) geboren; er hat zwei jüngere Brüder** und eine Schwester.

1924-30
Ganguly besucht das Presidency College in Kalkattā.

1930-34
Ganguly studiert Rechtswissenschaften in Allahābād.

1934
Ganguly geht auf Vermittlung von Sashadhar Mukherjī (dem Ehemann seiner Schwester) als Filmlabor-Assistent der Bombay Talkies in die Hauptstadt Maharashtras (die damals noch nicht "Bollywood" genannt wird :-) mit dem Ziel, wie sein Schwager Regisseur zu werden.***

1936
Ganguly spielt unter dem Künstlernamen "Ashok Kumār" seine erste Rolle - gleich die Hauptrolle****, den Ranjīt - in dem Film "Jīwan Nayā".
Noch im selben Jahr spielt er seine zweite Hauptrolle, den Ajay, in dem Film "Janmabhūmi", und - unter der Regie von Franz Osten - seine dritte Hauptrolle, den Pratāp, in dem Sozialdrama "Achhūt Kanyā". Der dritte Film - die Geschichte einer "romantischen Liebe" zwischen einem Brahman und einer Kastenlosen, die an den "Vorurteilen" der sie umgebenden Gesellschaft scheitert - macht in den Medien Skandal, in den Kinos Kasse und Kumār über Nacht zum Star.*****


1937-38
Kumār spielt in "Sāwitrī", "Prem kahānī", "Izzat" und "Wachan" mit.

1938
Kumār spielt - wieder unter Ostens Regie - die Hauptrolle in "Nirmalā".


1939
Kumār spielt die Hauptrolle - den Kamal - in "Kangan".

1940
Kumār spielt die Hauptrolle - den Nirmal - in "Bandhan".

1940-41
Kumār spielt in "Āzād"******, "Nayā Sansār", "Jhūlā" und "Anjān" mit.

1943
Kumār spielt die Hauptrolle - den Yusuf - in "Nazamā".
Noch im selben Jahr spielt Kumār die Hauptrolle - den Shekar, einen zu Unrecht eingekerkerten, aber schließlich vom Schicksal befreiten Verliebten - in "Kismät".


"Kismät" wird zum erfolgreichsten indischen Film aller Zeiten; er läuft in einigen Teilen Indiens - u.a. in Bengalen - fast drei Jahre lang; die darin gesungenen Schlager werden zu Evergreens.*******
Noch im selben Jahr stirbt Himanshu Rai; seine Witwe, die Bombay Talkies erbt, trennt sich von Mukherjī und wirtschaftet die Filmgesellschaft schnell herunter. Kumār und viele seiner Kollegen kehren ihr den Rücken.

1944-47
Kumār gründet seine eigene Gesellschaft, die Filmistan Studios, und dreht mehrere Filme, die indes den Erfolg von "Kismät" nicht wiederholen können, wie "Chal chal re naujawān", "Kiran", "Humāyūm", "Begam", "1946", "Shikārī", "Et dez (Eight Days :-)", "Chandrashekhar" und Sājan".

1947
Kumār kauft die inzwischen völlig überschuldeten Bombay Talkies auf.

1949
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1950/51
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1952
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1956
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1957
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1959
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1962
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1963
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1964
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1966
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1967
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1968
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1970
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1972
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1976
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1978
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1979
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1983
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1984
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1986
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1990
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2001
10. Dezember: Ashok Kumār stirbt in Bombay.


*Bisweilen liest man, Kumār sei in Bengalen geboren; aber das ist falsch: Bihār war seit Lord Curzons "Bengalischer Teilung" anno 1905 von Bengalen getrennt und wurde auch nach der teilweisen Revision dieser Teilung diesem nicht wieder zugeschlagen. Allerdings war Kumāras Mutter Bengalin; Banglī war also seine Muttersprache, mit der er aufwuchs - nach eigenem Bekunden sprach er keine andere, bis er auf dem College Englisch lernte. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn in Bihār wurde und wird Standard-Hindī ("Khaŗi Boli") gesprochen, und in dieser Sprache wurden auch die meisten Filme in Bombay gedreht. (Der "Bambaiya" genannte Dialekt ist eine Mischung aus Hindī, Englisch, Marāthī und Gujrātī - den in Filmen aber für gewöhnlich nur die Bösewichte sprechen :-)

**Auch Kumāras Brüder wurden Schauspieler und drehten z.T. mit ihm zusammen; möglicherweise geht darauf sein Spitzname "Dādāmuni [Großer Bruder]" - im Westen fälschlich auch "Dadamoni" oder "Dada Moni" geschrieben - zurück, unter dem er in Indien bekannt ist.

***Angeblich wollte Kumār - der aus einer "guten Familie" stammte - nie und nimmer Schauspieler werden, da dieser Beruf damals noch ein ziemlich niedriges Sozial-Prestige hatte.

****Über das Zustandekommen dieses Engagements kursiert eine abenteuerliche Geschichte: Der eigentliche Hauptdarsteller soll mit Dewikā Rānī, der Hauptdarstellerin und Ehefrau des Produzenten Himanshu Rai, "durchgebrannt" sein. Der habe die Rolle daraufhin kurzerhand mit seinem Labor-Assistenten Kumār besetzt. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn Dewikā Rānī drehte den Film offenbar zuende und spielte auch später noch häufig mit Kumār zusammen in den Filmen ihres Mannes. Ausschlaggebend dürfte vielmehr gewesen sein, daß sein Schwager Mukherjī sich wohl für ihn aussprach.

*****Auch über diese Besetzung wird eine Episode verbreitet, wonach der deutsche Regisseur Kumār als Schauspieler im Allgemeinen und als Hauptdarsteller dieses Films im Besonderen für völlig ungeeignet hielt und erst von Himanshu Rai mit sanftem Druck "überredet" werden mußte, ihn zu akzeptieren. Dabei hatte Osten völlig Recht: Kumār sah nicht aus wie ein Brahman, Dewikā Rānī nicht eine Kastenlose, und überhaupt waren die Rollen völlig unglaubwürdig: Für gewöhnlich ist der Sohn eines Lebensmittelhändlers kein Brahman, und die Tochter eines Bahnwärters keine Kastenlose; sie hätten also von der Kaste her ohne weiteres heiraten können, ohne darob der sozialen Ächtung zu verfallen. Wäre Indien damals schon unabhängig gewesen, wäre der Film wahrscheinlich verboten worden; den britischen Kolonialherren jedoch kam der Film gerade recht, um Ressentiments gegen das Kastenwesen - das sie am liebsten zerstört hätten - zu schüren; und sie sorgten dafür, daß er überall ungehindert gezeigt werden konnte. Kumār selber identifizierte sich mit der Filmgestalt in keinster Weise; seine eigene Ehe - die er im selben Jahr schloß - war innerhalb seiner Kaste "arrangiert"; nach eigenem Bekunden hatte er die Frau, die seine Mutter sich als Schwiegertochter ausgesucht hatte, vor der Hochzeit nie gesehen. Dennoch (oder gerade deshalb :-) war die Ehe dem Vernehmen nach sehr glücklich und hielt, bis daß der Tod seiner Frau sie zwei Tage vor ihrer Goldenen Hochzeit schied.

******"Freiheit" - ein gewagter Titel in jenen Tagen, denn das Motto "Āzād Hind" hatte sich auch die indische Unabhängigkeits-Bewegung auf die Fahnen geschrieben, die gegen die britische Kolonialherrschaft kämpfte.

*******Weder die cineastiche noch die musikalische Qualität können den Erfolg jenes Films erklären, wohl aber der Text des wichtigsten Schlagers: "Haut ab, ausländische Besatzer, Indien ist unser!" Um durch die britische Zensur zu kommen, wurde in einer der Strophen ausdrücklich betont, daß damit die "deutschen und japanischen Besatzer" gemeint waren; und die Zensur-Behörde war dumm genug, darauf herein zu fallen; da aber jeder Inder wußte, daß es in Indien keine deutschen oder japanischen, sondern nur britische (und einige wenige portugiesische und französische) Besatzer gab, wurde die Botschaft trotzdem richtig verstanden. Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurde der Film obsolet und verschwand aus den Kino-Programmen.


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