




*Bisweilen liest man, Kumār sei in Bengalen geboren; aber das ist falsch: Bihār war seit Lord Curzons "Bengalischer Teilung" anno 1905 von Bengalen getrennt und wurde auch nach der teilweisen Revision dieser Teilung diesem nicht wieder zugeschlagen. Allerdings war Kumāras Mutter Bengalin; Banglī war also seine Muttersprache, mit der er aufwuchs - nach eigenem Bekunden sprach er keine andere, bis er auf dem College Englisch lernte. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn in Bihār wurde und wird Standard-Hindī ("Khaŗi Boli") gesprochen, und in dieser Sprache wurden auch die meisten Filme in Bombay gedreht. (Der "Bambaiya" genannte Dialekt ist eine Mischung aus Hindī, Englisch, Marāthī und Gujrātī - den in Filmen aber für gewöhnlich nur die Bösewichte sprechen :-)
**Auch Kumāras Brüder wurden Schauspieler und drehten z.T. mit ihm zusammen; möglicherweise geht darauf sein Spitzname "Dādāmuni [Großer Bruder]" - im Westen fälschlich auch "Dadamoni" oder "Dada Moni" geschrieben - zurück, unter dem er in Indien bekannt ist.
***Angeblich wollte Kumār - der aus einer "guten Familie" stammte - nie und nimmer Schauspieler werden, da dieser Beruf damals noch ein ziemlich niedriges Sozial-Prestige hatte.
****Über das Zustandekommen dieses Engagements kursiert eine abenteuerliche Geschichte: Der eigentliche Hauptdarsteller soll mit Dewikā Rānī, der Hauptdarstellerin und Ehefrau des Produzenten Himanshu Rai, "durchgebrannt" sein. Der habe die Rolle daraufhin kurzerhand mit seinem Labor-Assistenten Kumār besetzt. Sehr glaubhaft ist das nicht, denn Dewikā Rānī drehte den Film offenbar zuende und spielte auch später noch häufig mit Kumār zusammen in den Filmen ihres Mannes. Ausschlaggebend dürfte vielmehr gewesen sein, daß sein Schwager Mukherjī sich wohl für ihn aussprach.
*****Auch über diese Besetzung wird eine Episode verbreitet, wonach der deutsche Regisseur Kumār als Schauspieler im Allgemeinen und als Hauptdarsteller dieses Films im Besonderen für völlig ungeeignet hielt und erst von Himanshu Rai mit sanftem Druck "überredet" werden mußte, ihn zu akzeptieren. Dabei hatte Osten völlig Recht: Kumār sah nicht aus wie ein Brahman, Dewikā Rānī nicht eine Kastenlose, und überhaupt waren die Rollen völlig unglaubwürdig: Für gewöhnlich ist der Sohn eines Lebensmittelhändlers kein Brahman, und die Tochter eines Bahnwärters keine Kastenlose; sie hätten also von der Kaste her ohne weiteres heiraten können, ohne darob der sozialen Ächtung zu verfallen. Wäre Indien damals schon unabhängig gewesen, wäre der Film wahrscheinlich verboten worden; den britischen Kolonialherren jedoch kam der Film gerade recht, um Ressentiments gegen das Kastenwesen - das sie am liebsten zerstört hätten - zu schüren; und sie sorgten dafür, daß er überall ungehindert gezeigt werden konnte. Kumār selber identifizierte sich mit der Filmgestalt in keinster Weise; seine eigene Ehe - die er im selben Jahr schloß - war innerhalb seiner Kaste "arrangiert"; nach eigenem Bekunden hatte er die Frau, die seine Mutter sich als Schwiegertochter ausgesucht hatte, vor der Hochzeit nie gesehen. Dennoch (oder gerade deshalb :-) war die Ehe dem Vernehmen nach sehr glücklich und hielt, bis daß der Tod seiner Frau sie zwei Tage vor ihrer Goldenen Hochzeit schied.
******"Freiheit" - ein gewagter Titel in jenen Tagen, denn das Motto "Āzād Hind" hatte sich auch die indische Unabhängigkeits-Bewegung auf die Fahnen geschrieben, die gegen die britische Kolonialherrschaft kämpfte.
*******Weder die cineastiche noch die musikalische Qualität können den Erfolg jenes Films erklären, wohl aber der Text des wichtigsten Schlagers: "Haut ab, ausländische Besatzer, Indien ist unser!" Um durch die britische Zensur zu kommen, wurde in einer der Strophen ausdrücklich betont, daß damit die "deutschen und japanischen Besatzer" gemeint waren; und die Zensur-Behörde war dumm genug, darauf herein zu fallen; da aber jeder Inder wußte, daß es in Indien keine deutschen oder japanischen, sondern nur britische (und einige wenige portugiesische und französische) Besatzer gab, wurde die Botschaft trotzdem richtig verstanden. Mit der Unabhängigkeit Indiens 1947 wurde der Film obsolet und verschwand aus den Kino-Programmen.
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