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![[v.l.n.r.: Brandt - Palme - Kreisky]](brandtpalmekreisky.jpg)
![[v.l.n.r.: Arafat - Kreisky - Brandt]](arafatkreiskybrandt.jpg)





*Seit Einführung der Freizügigkeit 1867 hat sich die Zahl der Juden in Wien verdreißigfacht. 1911 machen sie knapp 10% der rund 2 Millionen Einwohner aus; ihr Anteil an Handel, Banken, Fabriken und freien Berufen liegt je nach Branche bei 40-80% (bei Textilien- und Schuhproduktion über 70%, ebenso in der Zuckerproduktion, in der die Familie von Kreiskys Mutter tätig ist).
**Kreiskys Bruder Paul wandert im selben Jahr mit Hilfe des von der NSDAP unterstützten Ha'avara-Programms der Zionistischen Vereinigung für Deutschland in die britische Kolonie Palästina aus.
***Dies geschah noch bevor der Lieferboykott der arabischen OPEC-Länder im Zuge des Yom-Kippur-Krieges 1973 dem Westen drastisch die Gefahren einer einseitigen Abhängigkeit vom Erdöl vor Augen führte. Es zeigt zugleich, daß Kreisky sich später nicht mit Rücksicht auf Öl-Lieferungen auf die Seite der Araber schlug, denn die RÖ wäre - wenn seine AKW-Pläne verwirklicht worden wären - in Sachen Energieversorgung autark und somit nicht von diesen erpreßbar gewesen.
****Verschiedentlich wurde vermutet, daß Kreisky Feindschaft zu Israel erst aus jenem widerwärtigen Verhalten Wiesenthals resultierte. Dikigoros teilt diese Auffassung nicht. Kreisky hatte schon als Jugendlicher mit seiner jüdischen Familie gebrochen. Andernfalls hätte er - wie sein Bruder - 1938 nach Israel auswandern können; er fühlte sich jedoch damals schon nicht als Jude (nach seiner eigenen abstrusen Theorie war er rassisch gar keiner; vielmehr sei einer seiner Vorfahren, welcher der Sekte der "Böhmischen Brüder" angehörte, im 18. Jahrhundert zum Judentum konvertiert, da das "Toleranz-Edikt" Josefs II nicht für die "Böhmischen Brüder" galt, wohl aber für die Juden), sondern als Kommunist und ging deshalb nach Schweden, um seinen Kampf gegen Kapitalismus und National-Sozialismus fortzusetzen. Außerdem war Wiesenthal selber kein "Zionist" in dem Sinne, daß er den Staat Israel - der ihm stets nur Mittel zum Zweck der Selbstinszenierung war - unterstützt hätte; vielmehr zählte er zu den Juden, die es vorzogen, sich im Ausland durchzuschmarotzenaufzuhalten und dort wegen angeblicher Verfolgung selber leid zu tun. Um sich an Wiesenthal zu rächen, war die Feindschaft zu Israel also ein denkbar schlechter Weg. Kreisky selber hat seine Parteinahme für die Palästinenser gegen Israel später damit erklärt, daß ihn das Schicksal der ersteren an das der aus Böhmen und Mähren vertriebenen Deutsch-Österreicher erinnert habe; doch dies ist wenig glaubhaft. Abgesehen davon, daß die historische Parallele gewaltig hinkt, hat sich Kreisky nie zu einer auch nur moralischen Unterstützung der Sudeten-Deutschen bequemt.
*****Es handelte sich wohlgemerkt nicht um "Illegale", die sich des Verbrechens der "Republikflucht" schuldigt gemacht hätten, sondern um Juden, die ganz legal, d.h. mit dem Segen der UdSSR, auswanderten und über Transit-Visa der RÖ verfügten.
******Gegenüber den linken Terroristen verhielt sich allerdings nicht nur die RÖ sehr entgegenkommend. Die deutschen Täter, die später gefaßt wurden, wurden entweder frei gesprochen oder von der rot-grünen Regierung Schröder begnadigt, mit einer neuen Identität versehen und in den Staatsdienst der BRDDR übernommen. Rösch (1917-95) war einer jener vier "Nazi-Minister" (1970-77 Innen-, 1977-83 Verteidigungs-Minister), an denen sich der Streit zwischen Wiesenthal und Kreisky entzündet hatte. Die einen behaupten, Rösch sei nach dem "Anschluß" 1938 der NSDAP beigetreten; andere, er sei Offizier der Waffen-SS gewesen. Das eine schließt indes das andere aus, da Angehörige der Wehrmacht und der Waffen-SS nicht zugleich NSDAP-Mitglied sein konnten bzw. ihre Mitgliedschaft ruhen lassen mußten. Wie dem auch sei - wenn man Kreisky eines nicht vorwerfen kann, dann ist dies sicherlich, daß er sich bewußt mit "alten Nazis" umgeben hätte. Allerdings hatte er in diesem Punkt eine etwas gestörte Wahrnehmung. Für ihn gab es "unter den führenden Sozialdemokraten auch nicht einen, der sich in irgendeiner Weise anti-demokratischer Handlungen schuldig gemacht hätte" - wer in der SPÖ war, konnte also per se kein Nazi gewesen sein, so einfach war das. Die ÖVP-Funktionäre seien dagegen "fast alle" in ihrer Jugend Anhänger des Dollfuß-Regimes gewesen, hatten mithin eine fascistische Vergangenheit.
*******Es gibt also keinerlei Ausreden (mehr), daß sein herzliches Einvernehmen mit Arafat lediglich politischen Zwängen entspringen könnte. Der kleine dicke Schwule muß ihn persönlich angesprochen haben - ebenso wie viele andere westliche Politiker, von Jimmy Carter über Bill Clinton bis Brian 'Biffo' Cowen.
********Die nicht uninteressanten, aber sehr weitschweifigen Ausführungen (insgesamt über 1.300 Seiten) finden kaum Käufer und werden bereits nach kurzer Zeit als Remittenden verramscht. 2007 gibt der Styria-Verlag eine auf 500 Seiten gekürzte einbändige Fassung heraus, die er "Erinnerungen" betitelt und in denen Kreisky als "Jahrhundertpolitiker" bezeichnet wird. Wenn dies zutrifft, dann wirft es ein schlechtes Licht auf das 20. Jahrhundert im allgemeinen und auf seine Politiker im besonderen. Kreisky schreibt, daß alle Politiker der 1980er Jahre - mit Ausnahme der Sozialistenführer Mitterrand, Papandreou, Gonzales und Soares - "niveaulos", "ungebildet" und "intellektuell unfähig" gewesen seien; für besonders ungebildet hält er Ronald Reagan und Margaret Thatcher. Im übrigen bedauert er zwischen den Zeilen, daß sich die Spitzenpolitiker im 20. Jahrhundert nicht mehr so stark persönlich bereichern dürfen wie noch im 19. Jahrhundert ein Talleyrand, ein Metternich oder ein Bismarck.

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