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Der Isthmus von Kra
von Wilfried Stevens

Der Isthmus (von griechisch "isthmós", Landenge) von Kra ist die Bezeichnung für die Meerenge zwischen Thailand und Burma (Myanmar). Andere Schreibweisen sind Krah, Kroh und Krao. Diese Meerenge ist an der schmalsten Stelle, dort wo ein Trichter von Victoria Point aus ins Landesinnere vordringt, nur 24 Kilometer breit und zum Teil nur max. 70 Meter hoch. Hier gibt es die höchsten Niederschläge Thailands, wodurch das Gebiet äusserst fruchtbar ist.

Im Laufe der Zeit sind hier zwei grosse und zwei kleine heute befahrbare Übergänge entstanden: Der erste der grossen Übergänge ist die sogenannte Isthmus-Strasse, die von Kra Buri nach Chumphon führt. Der zweite ist die Strasse von Takua Pa nach Surat Thani. Dann gibt es noch zwei kleinere Übergänge: der erste liegt südlich von Kra Buri, und führt vom Dorf Khao im Westen nach dem Dorf Thon Pla im Osten. Der zweite liegt südlich von Ranong, und führt zwischen den Dörfern Hat Supin und Nam Sai im Westen zur kleinen Stadt Lang Suan im Osten.

Uralte Mythen

Die Meerenge ist von uralten Mythen umringt. So sollen in Urzeiten kupferne Schiffe der Götter hier gelandet sein. Auch gibt es eine uralte Legende, dass auf dem Berg Khao Nom Sao ein fliegender Eisenturm der Götter erbaut wurde. Dieser sagenhafte Eisenturm soll aus kosmischen Eisen gebaut worden sein, und nach einem Götterkampf über dem Pazifik zerplatzt sein.

Dazu gibt es vielleicht einen interessanten Zusammenhang: Im Gelände des Wat Ratchanatda in Bangkok kann man ein seltsames, und wohl einmaliges Gebäude in ganz Thailand, sehen. Diese Gebäude nennen die Thais Lohaprasad, was als "Eisenturm" oder "Metallpalast" übersetzt wird, und wirkt mit seinen zahlreichen kleinen Eisentürmen, die auf drei quadratischen Ebenen pyramidenförmig angeordnet sind, sehr befremdlich und rätselhaft. Niemand weiss mehr genau, warum Rama III (herrschte 1824-1851) das 33,5 Meter hohe Steingebäude im altindischen Stil für seine Nichte erbauen liess. Aber bekannt ist, dass sich Rama III auch für viele Naturwissenschaften, Geschichte und Mythologie interessierte.

Es soll eine originalgetreue Kopie eines Gebäudes aus dem 2. Jahrhundert auf Sri Lanka sein. Dieses Gebäude wird auf Shri Lanká oft mit dem indischen Ramayana in Verbindung gebracht. Es gibt die Legende, dass dieses Gebäude, was auch als Tempel oder Eisenturm bezeichnet wird, wiederum eine Kopie eines viel älteren Models der altindischen Götter sein soll. Weiter berichtet die Legende, das das Gebäude "Tempel oder Turm der Kraft" geheissen haben soll. Ob dieser "göttliche" Turm gar nicht ein Tempel war, sondern eher etwas Technisches oder ? Diese Frage lässt sich wohl nur in Shri Lanká lösen.

Die Mythen berichten weiter, dass diese Götter über die metallene Schildkröte Nai verfügten, die unter Wasser schwimmen und auf dem Land gehen konnte. Nai brachte den Menschen die eisernen Tafeln der ewigen Gesetze. Wahrlich seltsame Begebenheiten aus der Zeit der alten Göttersagen. Somit war für die Götter dieser Ort aus unbekannten Gründen ein anscheinend wichtiger Standort!?

Historie

Wenn man sich mit der Geschichte des Isthmus von Kra beschäftigt, so stösst man nicht nur auf die abenteuerlichen Geschichten der ersten Händler aus Indien, die die Meerenge als Übergang benutzten, sondern insbesondere auf ein Bauprojekt, dass seit über tausend Jahren die Ingenieurkunst beschäftigt: der Bau eines Kanals durch die Meerenge.

 

Der Kra – Kanal
Der Kanal, der doch nicht gebaut wurde

Die ersten Ideen zum Kanalbau

Nach einer alten Überlieferung soll die alte Stadt Chaiya erster Ausgangspunkt für eine Überquerung der Meerenge gewesen sein. Chaiya war vor etwa 1000 Jahren ein Zentrum des Sri-Vijaya-Reiches, das weite Teile des Landes beherrschte. Es reichte in seiner Glanzzeit von Java bis zum Ithmus von Kra, wo das Reich der Khmer begann. Die Überquerung sollte mit Hilfe von Flössen, Elefanten und Büffelkarren bewerkstelligt worden sein.

Vorher waren es die ersten Händler aus Indien und Arabien, die sich schon Gedanken darüber machten, die Meerenge als kurzen Transportweg zu nutzen, um schneller zum Golf von Siam zu gelangen. Etwa um 400 v. Chr. war der Welthandel zwischen Europa, Arabien, Indien und China schon gut ausgebaut. In Europa waren es anfangs insbesondere Römer und Griechen, die im Handel mitmachten, der auf Land und See geschah.

Die ersten indischen Händler landeten von Sumatra in Krabi und erreichten von dort den Tapifluss. Der Tapifluss führte bis zum heutigen Surat Thani, und ermöglichte so schon früh, über einen Landweg, den Seeweg zu verkürzen. Doch der Landweg war auch mühselig, und die Gefahren vor wilden Tieren, Krankheiten und Piraten auf Land waren immer ein Restrisiko, was die Karawanen eingingen. Zudem mussten die Karawanen kostspielig unterhalten werden, und konnten nicht soviel transportieren, wie es ein Schiff konnte.

Es waren auch indische Händler, die als erste Initiatoren gelten, die einen künstlichen Kanal durch die Meerenge planten. Die Inder hatten schon früh sehr fähige Ingenieure und verblüffende Kenntnisse im Tunnelbau, (dazu ist eine spezieller Beitrag in Vorbereitung), so dass ein Kanaldurchbruch, rein technisch gesehen, durchaus möglich war. Schon früh errechneten die Seehändler, dass ein Kanaldurchbruch nicht nur einen Seeweg von etwa 1500 Kilometern einsparen würde, sondern auch viel Zeit und insbesondere Kosten für Mannschaften und Schiffe.

Händler aus Indien, Arabien und China überlegten sich in Arbeitskreisen Methoden aus, um dieses Ziel zu erreichen. Die Zielsetzung war u.a. von Kra Buri im Westen einen Kanaldurchstich zur Bucht von Sawi, südlich von Chumphon oder vom Pakchan-Fluss an der Westküste nach der Stadt Chumphon, zu machen. Da einer der indischen Stützpunkte und Handelsstädte Takua Pa war, überlegte man sich eine Route, die noch kürzer sein könnte, um den Golf von Siam zu erreichen.

Man errechnete eine Strecke von maximal 40 km, wobei Höhen von nur 75 Meter zu überwinden wären. Dabei wären dem Projekt Flüsse entgegengekommen, wobei der Kra Fluss die Hauptrolle spielen würde. Zu der damaligen Zeit ein durchaus realistisches Vorhaben. Takua Pa wurde die Ideenschmiede zum Projekt. Leider wird nicht überliefert, ob indische, chinesische oder arabische Ingenieure an eine Kanal arbeiteten.

Takua Pa

Die heutige Zinnstadt Takua Pa liegt 134 km nördlich von Phuket. Schon im dritten Jahrhundert v.Chr. kamen zahlreiche Siedler aus Indien an, die sich vor den Kriegszügen von König Asoka in Sicherheit brachten. In der Umgebung der Stadt wurden Schmuckstücke, Statuen und Keramik aus jener Zeit entdeckt. Vom 3. bis 8. Jahrhundert war die Stadt unter dem Namen Takola ein bedeutendes Handelszentrum unter der Oberhoheit von Nakhon Si Thammarat. Neben Indern kamen auch Griechen, Araber, Perser und Chinesen auf ihren Handelsreisen durch die Stadt. Wegen der reichen Zinnvorkommen wurde die freie Stadt später Takua Pa genannt. (Takua heisst auf Thai Zinn)

In der Nähe von Kho Kho Khao, 15 km von Khura Buri, kleine Stadt 40 km nördlich von Takua Pa, gibt es einige Ruinen, von denen angenommen wird, das es sich bei ihnen um die Überreste einer Stadt handelt, die von indischen Einwanderer gebaut wurde. Man fand hier Münzen, Porzellan und weitere Stücke. Der grösste Schatz der heutigen Stadt sind die drei grossen indische Statuen Pra Narai (Narayana, der stehende heilige mit vier Armen, der alles Böse in der Stadt zerstört) Pra Luk (Laksha, der Helfer aus der Not) und Nang Srida (Sita, die Helferin aus der Not). Sie sind in einem kleinen Park aufgestellt.

Der geplante Kanalbau in der Moderne

Die erste Idee dazu hatte bereits 1793 der jüngere Bruder des König Rama I angeregt. Nach seinen Vorstellungen sollte der Indische mit dem Pazifischen Ozeam mit einem Kanal so zu verbinden sein, dass Kriegsschiffe von Songkhla aus die Interessen Siams an der Westküste vertreten können. Ein frühzeitig gebauter Kanal durch die malaiische Halbinsel, unter der Kontrolle Siams, hätte eine gleiche politische und wirtschaftliche Bedeutung gehabt wie der heutige Suez- und der Panamakanal. Es hätte den gesamten Handel entscheidend verändert, wobei besonders die Kolonialmacht England erhebliche finanzielle Einbussen in Singapur als wichtiger Umschlagplatz gehabt hätte. Auch wären die ganzen politischen Planspiele der Kolonialmächte gefährdet gewesen. Man hätte auch vermuten können, wie sich Indien, China und Malaysia verhalten hätten. Siam fehlte es an Geld und fähigen Ingenieuren, um solch ein Gross-Projekt bewerkstelligen zu können. Erst die Kolonialmächte England und Frankreich werden die Jahrtausend-Idee neu in der Diskussion bringen.

Der Kampf der Kolonialmächte

Die Kontrolle der Handelswege in der Region Südostasien bestimmte auch die Macht in der Region. Aufgrund der verschiedenen Gebietsansprüche Englands und Frankreichs kam es zwischen beiden Mächten deswegen zum Zerwürfnis, da beide Mächte einen Kra-Kanal planten, unter der Kontrolle des Landes, der ihn baute; und nicht etwa unter der Kontrolle Siams oder Malaysias.

Im frühen 19. Jahrhundert interessierte sich zunächst die britische Ostindische Company für einen Kanal durch die Meerenge, um den Weg nach Ostasien abzukürzen. Als die Briten Burma unter ihrer Kontrolle hatten und 1853 Victoria Point, westlich von Kra Buri, als südlichsten Punkt markiert hatten, war die Kontrolle eines möglichen Kanalausganges schon gegeben. 1863 kam es zu einer gut ausgerüsteten von britischen Ingenieuren geführten Erkundungsexpedition. Die britischen Ingenieure beurteilten aber einen geplanten Kanal eher negativ. Nicht die technische Möglichkeit, sondern die erheblichen Kosten und die Bauzeit wurden als Grund genannt, den Kanal nicht zu realisieren.

Die Franzosen wollten die englische Macht, durch einen von ihnen kontrollierten Kanal, auf den Handelswegen brechen, der am Ende die Bedeutung Singapurs fast zum Erliegen gebracht hätte. Dabei wurde eine möglich militärische Konfrontation mit Siam insgeheim nicht ausgeschlossen.

1868 führten die Franzosen eine Erkundungsexpedition an, wobei die französischen Ingenieure einen Bau positiver beurteilten, wie zuvor die Engländer. Aber es dauerte noch einige Jahre, bis man wieder aktiv wurde. Im Jahre 1882 wurde der Erbauer des Suezkanals, Ferdinand de Lesseps, vor Ort eingeladen, um sich ein Bild machen zu können.

Misstrauisch war England gegenüber den Plänen der Franzosen, einen Kanal durch den Isthmus von Kra zu graben, da es sogar anscheinend genügend französische und ausländische Geldgeber vorhanden waren. Die Engländer befürchteten natürlich zu Recht einen erheblichen Rückgang ihrer Handelstätigkeit in Singapur. Aber noch mehr befürchteten sie eine künstliche Abtrennung von Malaysia und eine Vormachtstellung der Franzosen. England verlangte daher von König Chulalongkorn, ohne britische Zustimmung keiner ausländischen Macht eine Konzession für den Kanalbau zu geben.

Auch wurden immer wieder Gerüchte im Umlauf gesetzt, die so weit gingen, dass die Franzosen behaupteten, dass eine Kanal mit 200 Ingenieure und 20.000 Arbeiter zu bewerkstelligen sei. Sogar Deutschland spielte mit. Damals hatte der Norddeutsche Lloyd zwei lokale thailändische Schiffslinien erstanden und so deutsche Interessen auf den Handelswegen sichtbar geltend gemacht. Ein deutscher Ingenieur habe sogar dem siamesischem Verkehrsministerium einen Plan angeboten.

Im den Jahren um etwa 1900 hatte die deutsche Karte in englischen Händen noch eine andere Rolle gespielt, als England den Franzosen mit der vereinten englischen Seemacht und deutschen Landmacht andeutungsweise drohte!

Der siamesische Königshof war natürlich nicht davon begeistert, Spielball der Kolonialmächte England und Frankreich zu werden, die immer mehr versuchten, die Unabhängigkeit des Königreiches zu untergraben. König Chulalongkorn hatte sehr gutes diplomatisches Fingerspitzengefühl, und gab Ferdianand de Lesseps nicht die Erlaubnis dem Plan näherzutreten.

1897 endlich kam zu Verhandlungen zwischen Siam und England. Es wurde ein Vertrag ausgehandelt, dass Siam, bei Wahrung seiner Interessen auf der Halbinsel, selber keinen solchen Kanal bauen oder bauen zu lassen. Der starke politische Druck Englands und seine Interessen in Singapur als Haupthafen der ganzen Region wurden sehr deutlich gemacht. Französische Ambitionen wurden zugleich in dieser Richtung zurückgewiesen. Bis 1901 wurde verschiedene Entwürfe herausgebracht.

1909 wurde zwischen den Königreichen Thailand und Grossbritannien ein Vertrag abgeschlossen, der die endgültige Grenze in Malakka festlegte, nachdem die Briten den Thais ein Stück nach dem anderen von ihren malaiischen Besitzungen abgetrennt hatten. Grossbritanien versprach, nicht mehr weiter vorzudringen, wenn sich Thailand dazu bereit erklärte, sich dem Bau einer Anschlusslinie von Burma über Tavoy nicht zu widersetzen und vor allem in der Frage des Baues des schon lange geplanten Kanals von Kra nichts zu unternehmen, ohne vorher mit England zu beraten. Ein solcher Bau durfte nur unter englischer Oberaufsicht geschehen! Damit wurde Siams Unabhängigkeit untergraben.

Singapur wurde schliesslich der wichtigste Handelshafen und niemand sprach mehr über einen möglichen Kanal durch die Meerenge von Kra. Erst im Jahre 1936 wurde noch einmal im britischen Unterhaus im Zusammenhang mit dem Ausbau Singapurs eine Anfrage gestellt, die Aufschluss über die Gerüchte einen möglichen Kanals verlangte.

In Thailand hatte man indes andere Probleme zu lösen, so das das Thema Kanalprojekt, dass den Schiffsweg von Indien nach Hongkong um einige Tage abkürzen würde, deplaciert war.

Neue Ideen

Inzwischen gibt es eine ganze Anzahl von Vorschlägen, welchen Weg der Kanal über den Isthmus nehmen sollte, wobei die kürzeste Strecke von Kra Buri nach Sawi nicht mehr aktuell ist. Neuerdings favorisiert man verschiedene Routen, wobei die längste, die 150 km lange Route von Phangnga im Westen in die Bucht von Ban Don (Surat Thani) im Osten. Bei 120 m Breite ist diese Route für Schiffe bis 100.000 BRT konzipiert worden und hätte eine Bauzeit von 10 Jahren gehabt. Aufgrund der finanziellen Risiken und der möglichen immensen Umweltbelastung, wurde dieses Projekt schnell wieder auf Eis gelegt.

In neuerer Zeit werden in Thailand hin und wieder Sitzungen unter diesem Thema abgehalten, ohne dass mit einer Entscheidung für den Kanalbau zu rechnen wäre, so sehr er auch die Gedanken der Entwicklungsplaner und Ingenieure immer wieder beflügelt. Aber mit fortschreitender Planung werden nicht nur die technischen Probleme aufgelistet, darunter ein aufwendiges Schleusensystem, sondern auch die ökologischen, sozialen und politischen Folgen bedacht. Aber auch die Finanzierung wäre nur durch ausländische Beteiligungsgesellschaften möglich, so dass am Ende wieder die Unabhängigkeit von thailändischem Territorium in Frage gestellt wäre. Zu guter letzt sehen die thailändischen Militärs ein ernstes Verteidigungsproblem, sollte mal eine Situation eintreten, den Kanal schützen zu müssen.

Ein Hauptargument für einen Bau bleibt immer noch die schnellere Versorgung mit Rohöl, dass traditionell über die Strasse von Malakka transportiert wird. Besonders Japan interessiert sich mehr als andere Staaten für einen möglichen Kanal, um die Gesamtentfernung vom Persischen Golf nach Japan zu verkürzen. Die Staaten Malaysia und Indonesien behalten sich nämlich das Recht vor, die bereits hochgradig von Schadstoffen belastete Strasse von Malakka für bestimmte Schiffe zu sperren. Daher müssen Riesentanker durch die Lombok- und Makassar-Strasse fahren, was die Strecke erheblich verlängert.

Und die Zukunft?

Angesichts aller ungelösten Fragen und Probleme, die ein Kanalbau mit sich bringen würde, bleibt es wohl noch lange bei theoretischen Planskizzen. Unter Mitwirkung der Nachbarländer und Japan plant man nun eine gut ausgebaute Fernstrasse, eine Eisenbahnlinie und eine Ölpipeline durch die Meerenge. Für dieses Vorhaben sollen dann in Krabi Raffinerien gebaut werden. Am Ende entgeht Thailand so auch die immense politische Verantwortung für eine international genutzte Meerenge sowie wirtschaftliche Konfliktsituationen mit Singapur und Malaysia. Doch der Traum geht weiter, und die Japaner errechneten die Baukosten bereits mit 70 Milliarden Mark.

Abstecher nach Ranong

Das Gebiet Isthmus von Kra gehört zu den reizvollsten in Südthailand. Die Stadt Ranong, Ort des vielen Wassers, nur rund 570 Kilometer von Bangkok entfernt, ist der grösste Ort in diesem Gebiet. Die Stadt wurde vor rund 200 Jahren durch eingewanderte Hokkien-Chinesen gegründet, die hier in Zinnminen arbeiteten. Sie liegt am Ausgang des Kra Buri Fjords, durch den die Grenze zu Burma verläuft. Den Wohlstand verdankt die Stadt auch der Fischerei, im Hafen des Ortes, Paknam Ranong, ankert eine beachtliche Fang-Flotte. Auch baut man hier erfolgreich Kaffee und Cashewnüsse (kayu) an. Auch der Grenzhandel mit Burma läuft ganz gut.

Ranong ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, und ist mit 110.000 Einwohnern und einer Fläche von 3425 qkm einer der die dünn besiedelsten Provinzen, wozu auch Berge bis zu 1000 Meter Höhe und 63 Inseln gehören. Wegen seiner unzugänglichen steilen Berge sind noch immer 70% der Region mit Dschungel bedeckt. Damit gehört die Provinz zu den waldreichsten Thailands. Von April-Anfang Dezember ist hier Regenzeit, wobei die Monate Juni-August eine wahre Regenflut präsentieren. Daher der Name des regenreichsten Ortes des Landes.

Obwohl es hier viele schöne Strände gibt, ist der Ort vom ausländischen Tourismus noch verschont geblieben. Thais fahren hier schon seit vielen Jahren hierhin. Die Umgebung bietet herrliche Wandermöglichkeiten, denn der Ort liegt eingebettet in üppig bewachsenen zum Teil steil ansteigende Hügel. Und wegen der schönen Strände und Wanderwege, plant das Fremdenverkehrsbüro aus Ranong eine ausgewogene Touristenattraktion zu machen.

Im Ort gibt es alle Einkaufs,- und Essenmöglichkeiten, wie man sie auch von Vororten Bangkoks kennt. Die Sea-Food-Angebote sollte jeder mal probieren. Doch gibt es im Ortsbereich noch andere Sehenswürdigkeiten. So die berühmten heissen Quellen von Ranong, die zum Teil schon kommerziell genutzt werden und sogar eine Heilkraft besitzen sollen. Weiterhin bieten sich einige Inseln, insbesondere Ko Chang und Koh Phayam, als attraktive Reiseziele an sowie der 646 qkm grosse Khao Sok National Park mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, wo auch Unterkünfte und zahlreiche Ausflugsmöglichkeiten angeboten werden.

Ein weiterer zukünftiger Besuchsreiz soll die erhoffte offizielle Öffnung der Grenze zum Nachbarland sein. Zwar sind Tagesausflüge von Ranong zum gegenüberliegenden burmesischen Victoria Point schon möglich, aber noch nicht die Weiterreise von Victoria Point durch Burma.

Ab Ranong kann man einige Ausflüge buchen. Die Umgebung bietet allerlei interessante Anziehungspunkte: So den kleinen Park Raksa Wann, wo es auch Pavillons gibt, wo man sich ausruhen kann. 12 km südlich der Stadt gibt es den Ngao-Wasserfall, der von einer hohen Bergwand herunterstürzt. 15 km nördlich gibt es, in Richtung Kraburi und Chumphon, den ebenfalls imposanten Bunyabaan-Wasserfall, wo es auch eine Raststätte zum Verweilen einlädt. Die felsige, dschungelartige Umgebung lädt zu Wanderungen ein.

Etwa 9 km hinter Ranong findet man den Sanjao Muang, das weitläufig angelegte Grab des chinesischen Gründers von Ranong. Grimmige steinerne Wächter bewachen das Grab. Ein kleiner Schrein dient der Huldigung des Stadtgründers. Vor dem Grab steht der Lak Muang, der Stadtpfeiler Ranongs, dessen Schutzgeister hier Opfer in Form von Nahrungsmitteln gebracht werden.

Anreise ab Bangkok

Mit dem Bus ab (Southern Bus Terminal) fahren regelmässig Busse über Chumphon. Die Fahrzeit beträgt mit einem Aircon-Bus, der rund 250 Baht kostet, rund 11 Stunden. Ein VIP Bus kostet knapp 400 Baht. Mit dem Flugzeug, Bangkok Airways fliegt 1x täglich für 2280 Baht Richtung Ranong. Der Flugplatz liegt zwar 20 km südlich von Ranong, aber Minibusse bringen einem schnell zur Stadt.

Abstecher nach Burma

Der nächste Ort auf burmesischer Seite ist Victoria Point (Bayint Naung). Boote setzen einen für 300-400 Baht über die Bucht; wobei für Ausländer die Hotels solche vierstündigen Ausflüge organisieren und auch alle Grenzformalitäten erledigen.

Auf den lebhaften Märkten auf der anderen Seite sind burmesische Souvenirs und Lebensmittel zu erhalten, aber vieles davon erhält man auch in Ranong, allerdings zu gering höheren Preisen. Der Grenzverkehr ist dabei sehr interessant. Thais und Burmesen fahren hier seit vielen Jahren unbekümmert hin und her. Burmesen kommen nach Ranong, um Medikamente und andere Güter zu kaufen, die Thais kaufen in Victoria Point günstig alkoholische Getränke und Edelsteine ein, wobei sicherlich auch ein gewisser Schwarzmarkt das Geschäft belebt. Ausländer werden mit falschen Edelsteinen sehr oft auf´s Kreuz gelegt. Obwohl die Touristenpolizei immer wieder davor warnt, kaufen viele ahnungslose Touristen wertlose Imitate. Die Überfahrten sollen aber günstiger werden, und es ist geplant, das man von Kraburi Victoria Point erreicht.

Kra Buri

Der nächste grössere Ort nach Ranong ist das im Norden gelegene Kraburi. Nach Kraburi zieht sich 55 km weit der tief eingeschnittene Fjord ins Land hinein, der Thailand von Burma trennt. Von einem Flussrestaurant am Hafen von Kraburi kann man ins Nachbarland hinüberschauen. Vom Flusspier fahren regelmässig Passagierboote in einige burmesische Siedlungen entlang des Kra-Flusses, der hier die Grenze zwischen beiden Staaten bildet. Hier ist die Grenze durchlässiger als zwischen Ranong und Victoria Point, zumal der Grenzfluss nur 20-30 Meter breit ist. Man sollte sich aber vorher im Ort erkundigen, ob es auch Ausländern gestattet ist.

Da der Grenzfluss eben sehr schmal ist, ist Vorsicht angebracht. Sollte sich wirklich mal jemand verlaufen, dann orientieren sie sich schnell an Gebäuden mit thailändischen Flaggen, die hier zahlreicher sind.

Sehenswürdigkeiten

Berühmt ist die schöne, 12 km südlich der Stadt, gelegene Phra-Khayang-Höhle mit ihren schönen Stalaktiten und Stalagmiten. Örtliche Legenden behaupten, es gebe in der Höhle Ablagerungen von Lek Lai, einem eisenähnlichen Märchen-Metall, das so elastisch wie Gummi und so formbar wie Wachs sein soll.

Den eindrucksvollen Bokkrai-Wasserfall, der eigentlich eine Folge mehrerer kleinerer Wasserfälle ist, wird erreicht, indem man 2 km südlich der Stadt Kraburi eine13 km Seitenstrasse in östlicher Richtung fährt. Der Wasserfall liegt in einer malerischen Landschaft.

Copyright © 2003 by Wilfried Stevens - Siam Journal


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