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Berlin (bpb). Er hat Skulpturen für das Olympia-Gelände in Berlin geschaffen und für die Weltausstellung 1937 in Paris: Josef Thorak. Heute ist sein Werk vorwiegend
aus Fotos bekannt. Ansonsten wird Thorak im Jahr 2001 zu den vergessenen Künstlern des XX.
Jahrhunderts gerechnet. Seit 1945 wird das Werk Thoraks vor allem kritisch mit der NS-Zeit in
Verbindung gebracht. Tatsache ist, dass er zu den Staatskünstlern des Dritten Reiches zählte.
Aus der Biographie geht jedoch hervor, dass Thorak bereits vor den Aufträgen der Reichsregierung
ein anerkannter Bildhauer war, der von seiner Arbeit gut leben konnte.
Thorak wurde am 7. Februar 1889 in Salzburg als Sohn eines Töpfermeisters geboren. In der
väterlichen Werkstatt erlernte Thorak das Töpferhandwerk. Im Alter von 23 Jahren besucht er
in Wien die Kunstakademie. 1915 geht er schließlich nach Berlin, um dort das Kunst-Studium
fortzusetzen. Ab 1918 verdient Thorak als freischaffender Bildhauer seinen Unterhalt. "Es
entstanden vorwiegend Arbeiten aus Wachs, weil Thorak kein Geld für die Bronzegüsse hatte",
fand Thorak-Biograph Joe F. Bodenstein heraus. "Ein Bildhauer, der - entsprechend zur baulichen
Architektur - monumental arbeiten will, der benötigt Auftraggeber, die sowohl Bronzen als auch
die ebenso aufwendigen Arbeiten in Stein finanzieren."
Diese Auftraggeber fand Thorak zuerst im öffentlichen Raum. Es wurden schließlich Großaufträge
in der NS-Zeit, die Hitlers Architekt Albert Speer
vergab. Thorak schuf Monumente für öffentliche Bauten, Autobahnen und Pferde für die Neue
Reichskanzlei. Jedoch bereits 1928 hatte er für sein Werk den Staatspreis der Preußischen
Akademie der Künste erhalten.
Als Hitler 1933 an die Macht kam stand Thorak mit 44 Jahren "in der Blüte meiner Manneskraft".
Er wird von Zeitzeugen als erdverbundener, rustikaler und erotischer Mann beschrieben. Es machte
ihm nach eigenen Angaben reine Freude, seine Kraft am Stein "auszutoben".
Die aufkeimende Euphorie durch die Zuwendung Speers war jedoch vorübergehend gedämpft worden.
1935 stieß Thorak auf Widerstand in Berlin. Die Jury für die künstlerische Ausgestaltung des
Reichssportfeldes mit Olympia-Stadion lehnt es ab, Werke des Österreichers zu berücksichtigen.
Erst nach Hinweis aus der NSDAP, dass Hitler die Arbeiten des Bildhauers schätze, wurde die
Haltung revidiert.
Danach war der Aufstieg Thoraks mit zahlreichen Aufträgen gesichert. Auch international machte
er sich einen Namen. So schuf er Reliefs für das Kemal
Atatürk-Denkmal in Ankara, wo der "Vater der modernen Türkei" sein Mausoleum hat.

Zu den Porträtbüsten, die Thorak schuf, gehören Bildnisse von Friedrich Nietzsche, Adolf Hitler
und Benito Mussolini. Er verewigte die Schauspieler
Otto Gebühr und Marianne Hoppe, den Maler Max
Slevogt, den Kunsthistoriker Julius Alwin Ritter von Schlosser und Paracelsus.
Ein Paracelsus-Denkmal von Thorak steht heute noch in Salzburg.

In einer Analyse von mittelgroßen und kleineren Formaten Thoraks bescheinigt der Bildhauer
Arentz "auch viel Mystik und Zartheit" in den Arbeiten des verstorbenen Kollegen. "Thorak wird
in vieler Hinsicht verkannt", sagte Arentz dem Thorak-Biographen Bodenstein. "Wenn man weiß,
dass Thorak ein großer Verehrer von Frauen war, dann versteht man besser, dass dieser Bursche
trotz seiner rauen Schale auch Harmonie und Zärtlichkeit gestalten konnte.
"Ein Beispiel dafür ist die zu Lebzeiten Thoraks fast unbekannt gebliebene Figur "Die Schöne
nach dem Bade" von 1935. Die damals berühmte tschechische Filmschauspielerin Anny Ondra, die
in Berlin lebte, stand Thorak Modell. Dass "die schöne Anny" vor dem Künstler alle Hüllen fallen
ließ, war zunächst geheim gehalten worden. Immerhin war die Ondra ein Star. Sie hatte am 6. Juli
1933 die Box-Legende Max Schmeling geheiratet, der
Thorak ebenfalls Modell gestanden hatte.

Thorak galt in jungen Jahren als ein "Weiberer", wie man in Bayern zu Männern sagt, die
besonders gern auf "Frauenjagd" sind. Sein Privatleben war stets Tabu. In erster Ehe war er
mit einer Jüdin verheiratet. Sie durfte im Dritten Reich mit Zustimmung der Reichsführung
ungehindert nach England ausreisen und wollte nach Kriegsende nicht mehr zurück kehren.
Nach Ruhm und Ehre ein gebrochenes Herz
1944 beteiligte sich Thorak zum letzten Mal an der offiziellen Ausstellung im Haus der Deutschen
Kunst in München mit sieben Arbeiten. Dort waren auch Werke zu sehen von
Arno Breker, Fritz Nuss, Fritz
Klimsch, Paul Mathias Padua, Ernst Liebermann, Hans Mann, Heinrich Faltermeier, Ludwig Angerer,
Rudolf Agricola, Josef Strahn und anderen.
Nach dem großen Ruhm als Staatskünstler lebte Thorak ab Mai 1945 völlig zurückgezogen und
weitgehend isoliert in Bayern. 1949 wurde er von Bekannten als "gebrochene Mann" geschildert.
1951, ein Jahr vor seinem Tod, wollten Kunstliebhaber den Bildhauer nochmals ehren. Am 20.
Oktober wurde in München eine Ausstellung mit Werken von Altmeistern der Kunst aus der NS-Zeit
eröffnet. Darunter waren neben Thorak auch Sepp Hilz und andere vertreten. Es gab öffentliche
Proteste gegen diese Ausstellung im einstigen Haus der Deutschen Kunst, in dem Thorak wie
Georg Kolbe und
Breker früher regelmäßig bei den großen Kunstausstellungen präsent war. Der
Künstler ist über die Attacken gegen ihn verbittert und klagt: "Geben denn die nicht endlich
Ruh?"
Der bayerische Kultusminister Josef Schwalber fordert demokratische Toleranz und die im
Grundgesetzt verbürgte Freiheit der Kunst ein. Er tritt den Protesten mit dem Argument
entgegen: "Es können Bilder nicht deshalb verboten werden, weil sie einmal Nazigrößen
gefallen haben." Ähnlich äußerte sich wiederholt der jüdische Satiriker
Ephraim Kishon.
Am 26. Februar 1952 verstarb Thorak in Hartmannsberg am Chiemsee. Der Tod - knapp drei Wochen
nach seinem 63. Geburtstag - trat nach ärztlichen Angaben bei einem Asthmaanfall ein.