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Reinhard Heydrich

(1904 - 1942)

[Reinhard Heydrich]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1904
7. März: Reinhard Eugen Tristan Heydrich wird in Halle/Saale, der Geburtsstadt Händels, als Sohn des Opernsängers und Komponisten Bruno Heydrich (Sohn des zum Protestantismus konvertierten Juden Gustav Robert Isidor Süß und der zum Katholizismus konvertierten Jüdin Sarah Mautsch) und dessen Ehefrau Elisabeth (geb. Krantz) geboren. Er erbt das musikalische Talent seines Vaters und lernt bereits als Kind Geige spielen.

1913
Heydrich besucht das Reform-Realgymnasium in Halle (bis 1922). Er treibt ausgiebig Sport, u.a. Fechten, Schwimmen, Segeln, Reiten und Tennis; seine "unarische" Hakennase kann er daher später als Folge eines "Sportunfalls" deklarieren; nur für seine "jüdischen" Ohren findet er keine "harmlose" Erklärung. (Juristisch gesehen ist dies auch gar nicht notwendig: Nach hebräischem Recht - das keine "Halbjuden" kennt - ist Heydrich ein "Goj", da seine Mutter eine "Schickse" war; auch nach den Nürnberger Rassegesetzen ist er Arier, da alle seine Großeltern getauft waren.)

1919
Halle wird von spartakistischen "Revolutionären" besetzt und ausgeplündert; ihr Auftreten läßt Heydrich zum Anti-Kommunisten werden.

1920
Heydrich besucht neben der Schule das "Freikorps Halle", welches indes kein "echtes" Freikorps ist, sondern ein inoffizieller Ersatz für die durch das Versailler Diktat von 1919 verbotenen Kadettenanstalten. Dort kommt Heydrich mit der Rassen-Ideologie der Völkischen in Kontakt.

1922
Nach dem Abitur tritt Heydrich unter dem Einfluß des später durch seine "Seeteufel"-Bücher berühmt gewordenen Kriegshelden Felix Graf Luckner, der ein häufiger Gast seiner Eltern ist, in die Reichsmarine ein.

1923
Heydrich wird Seekadett auf dem Segelschulschiff "Niobe".

1924
Heydrich wird zum Fähnrich befördert und auf den Schulkreuzer "Berlin" versetzt.


1926
01. Oktober: Heydrich wird zum Leutnant zur See befördert.

1926-1931
Heydrich besucht die Marinenachrichtenschule und wird danach bei verschiedenen Nachrichtenstellen der Marinestation Ostsee eingesetzt. Offiziell dient er auf der "Braunschweig" unter Wilhelm Canaris und als Funkoffizier auf dem Flottenflaggschiff "Schleswig-Holstein". Tatsächlich wird Heydrich insgeheim von Canaris (dessen Frau eine alte Bekannte seiner Mutter ist) für den "Nachrichtendienst" (Spionage) ausgebildet.

1928
Heydrich wird offiziell zum Marine-Nachrichtendienst in Kiel versetzt und zum Oberleutnant zur See befördert.

1930
Dezember: Heydrich verlobt sich mit Lina v. Osten.

1931
30. April: Heydrich wird infolge einer Intrige auf Betreiben von Admiral Erich Raeder "wegen ehrenwidrigen Verhaltens" aus der Marine entlassen. [Angeblich hatte Heydrich eine geheime Verlobung mit der Tochter eines mit Raeder befreundeten Waffenschiebers nicht einzulöst, tatsächlich wollte man den "blonden Moses" - nachdem seine jüdische Abstammung bekannt geworden war - los werden.]
01. Juni: Heydrich tritt der NSDAP bei.
14. Juni: Heydrich lernt über Lina v. Osten den Geflügelzüchter und Reichsführer-SS Heinrich Himmler kennen.
14. Juli: Heydrich wird als Obersturmführer (Oberleutnant) in die SS übernommen.
10. August: Himmler beauftragt Heydrich mit dem Aufbau eines Nachrichten- und Überwachungsdiensts für die Partei, des späteren Sicherheitsdiensts (SD). [Bei unwissenden Autoren hält sich hartnäckig das Gerücht, dies sei infolge eines Mißverständnisses geschehen - Himmler habe Heydrichs Ausbildung zum "Nachrichtenfunker" für eine Ausbildung zum "nachrichtendienstlichen" Spionagedienst gehalten; tatsächlich hatte Heydrich seine geheime Ausbildung bei Canaris natürlich offen gelegt.]
01. Dezember: Heydrich wird zum SS-Hauptsturmführer (Hauptmann) befördert.
25. Dezember: Heydrich wird zum SS-Sturmbannführer (Major) befördert.
26. Dezember: Heydrich heiratet Lina v. Osten. Aus der Ehe gehen vier Kinder hervor.

1932
Juli: Heydrich wird zum SS-Standartenführer (Oberst) befördert und zum Leiter des neu geschaffenen SD ernannt, der organisatorisch Himmlers SS untersteht, dessen engster Mitarbeiter Heydrich wird.

1933
30. Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg beauftragt Adolf Hitler als Führer der stärksten Fraktion im Reichstag, mit der Regierungsbildung.
Februar: Heydrich nimmt als Mitglied der deutschen Delegation an der Zweiten Internationalen Abrüstungskonferenz in Genf teil. Er durchschaut die allgemeine Heuchelei und Verlogenheit der "faulen Kompromisse" und geißelt sie mit offenen Worten, die bei den Berufsdiplomaten unter Botschafter Nadolny großes Unbehagen hervor rufen und zu seiner Abberufung führen. (Offizieller Vorwand für die Abberufung ist die "Hakenkreuz-Affäre": Nachdem der Genfer Hotelier es abgelehnt hat, eine deutsche Reichsflagge zu hissen - wie er es mit den Flaggen aller anderen teilnehmenden Staaten getan hatte -, hängt Heydrich einfach selber eine auf.
März: Nach dem Sturz der bayerischen Regierung unter Heinrich Held übernimmt Heydrich die bayerische politische Polizei. Er wird zum SS-Brigadeführer (Generalmajor) befördert.
November: Der SD wird als fünftes Hauptamt innerhalb der SS direkt Himmler als Reichsführer SS unterstellt.

1934
Januar: Nach der Gleichschaltung der Länder erhält Heydrich auch die Kontrolle über die politische Polizei der anderen Länder (mit Ausnahme Preußens).
April: Heydrich übernimmt auch das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapa) in Preußen und wird damit zum Chef eines engmaschigen Überwachungssystems; zugleich leitet er den politischen Nachrichtendienst der NSDAP.
30. Juni/1. Juli: Heydrich hat wesentlichen Anteil an der im Nachhinein als "Niederschlagung des Röhm-Putsches" bezeichneten Mordaktionen an der Führung der Sturmabteilung (SA) und anderer Gegner des Regimes.
Heydrich wird zum SS-Gruppenführer (Generalleutnant) befördert, mit 32 Jahren der jüngste.


1936
August: Heydrich ist Mitglied der deutschen Olympiaauswahl im Modernen Fünfkampf.
Heydrich wird Leiter der Sicherheitspolizei und des SD für das gesamte Deutsche Reich. Die politische Polizei der Länder wird unter seiner Führung reichseinheitlich zur Geheimen Staatspolizei (Gestapo) zusammen gefaßt.

1938
Nach dem Anschluß "Österreichs" schickt Heydrich Adolf Eichmann - der wie er selber Halbjude ist - nach Wien, um dort eine "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" [nach Palästina] einzurichten.


1939
Heydrich wird Chef des neu geschaffenen Reichssicherheitshauptamts (RSHA), in dem alle bisherigen Kommandostellen der Gestapo, der Kriminalpolizei und des SD zusammen gefaßt werden.
Juni: Heydrich richtet auch in Berlin eine "Reichszentrale für jüdische Auswanderung" ein, deren Leitung später ebenfalls Eichmann übernimmt.
3. September: Großbritannien und Frankreich nehmen den Beginn des Polen-Feldzugs zum Vorwand, dem Deutschen Reich den Krieg zu erklären (nicht aber der Sowjetunion, als deren Truppen ebenfalls in Polen einmarschieren), der sich nach dem Kriegseintritt der USA und Japans zum Zweiten Weltkrieg ausweitet. Großbritannien verbietet umgehend jede weitere Einwanderung deutscher Juden nach Palästina, da diese als "Angehörige eines Feindstaats" angesehen werden; die jüdische Einwanderung nach Palästina kommt praktisch zum Erliegen. Die Naziführung beschließt daraufhin, die Juden aus dem Reich (incl. der "Ostmark") statt dessen im "Generalgouvernement" (Restpolen) anzusiedeln, wo zu diesem Zweck eigene Ghettos geschaffen werden.
Heydrich läßt sich an der Jagdfliegerschule Werneuchen zum Piloten ausbilden.

1940
April-Mai: Heydrich nimmt als Jagdflieger im Range eines Hauptmanns d.R. am Norwegen-Feldzug teil. Ihm werden die bronzene Frontflugspange und das EK II verliehen.

1941
Juni-Juli: Heydrich nimmt als Jagdflieger im Range eines Majors d.R. am Rußland-Feldzug teil. Ihm werden die silberne Frontflugspange und das EK I verliehen. Nachdem er von russischer FlAK abgeschossen worden ist (eigene Abschüsse sind - wie schon in Norwegen - keine verzeichnet) verbietet ihm Himmler weitere Fronteinsätze.
31. Juli: Heydrich wird offiziell mit der "Endlösung der Judenfrage" beauftragt.
29. September: Heydrich wird zum SS-Obergruppenführer (General) befördert und übernimmt als stellvertretender Statthalter für das "Protektorat Böhmen und Mähren" die Amtsgeschäfte von Konstantin v. Neurath.

1941-42
Mit einer Mischung aus harter Hand und massiver Verbesserung der Lebensumstände (die Arbeiter in den Škoda-Werken erhalten zum ersten Mal seit 1919 ordentliches Schuhwerk und gute Verpflegung) bricht Heydrich den Widerstand der tschechischen Oppositionsbewegung. Seine Maßnahmen machen ihn so populär, daß er es sich leisten kann - wie Hitler - im offenen Wagen ohne bewaffneten Schutz durchs Land zu fahren (was heutzutage kein deutscher oder tschechischer Politiker mehr wagen würde).

1942
20. Januar: Auf einer so genannten "Besprechung zur Endlösung der Judenfrage" in Berlin (später "Wannsee-Konferenz" genannt), deren Vorsitz Heydrich führt, wird die bisherige Politik der Förderung einer Auswanderung nach Palästina (die von den Briten seit 1939 unterbunden ist) bzw. einer Umsiedlung in osteuropäische Ghettos aufgegeben und statt dessen die fysische Vernichtung der Betroffenen durch "Arbeitseinsatz" oder "Sonderbehandlung" beschlossen.
März: Der später so genannte "Holocaust" beginnt (bis 1944).
27. Mai: Da sich unter den im "Protektorat" lebenden Tschechen niemand zu einem Attentat auf Heydrich bereit findet, schickt die britische Regierung - der seine Popularität peinlich ist, da sie ihre Greuelpropaganda unglaubwürdig macht - eigens gedungene Mörder nach Prag, denen es gelingt, Heydrich mit einer Handgranate schwer zu verletzen. Die Attentäter, die sich in einer Kirche verschanzen, werden von SS-Einheiten im Kampf getötet.
4. Juni: Heydrich erliegt seinen Verletzungen.* (Seine Totenmaske und sein Grab wurden von den alliierten Besatzern zerstört, so daß sie heute nur noch auf Bildern und Briefmarken zu sehen sind.) Himmler nennt ihn in seiner Grabrede einen "Mann mit eisernem Herzen".


10. Juni: Bei der Suche nach Hintermännern zerstören SS-Einheiten auf Befehl von Kurt Daluege das tschechische Dorf Lidice (bei Prag). Dabei werden 173 Männer erschossen und 203 Frauen deportiert (von denen 60 bis Kriegsende umkommen); 104 - nach anderen Quellen 88 - Kinder unter 15 Jahren werden zur "Rückdeutschung" ins Reich gebracht. (16 dieser Kinder werden nach Kriegsende von den alliierten Besatzern in Deutschland aufgespürt und wieder "re-slawisiert".) Diese Aktion - bei der insgesamt 223 Tschech[inn]en umgekommen sind - muß auf Jahrzehnte hinaus als "Rechtfertigung" für die nach Kriegsende erfolgte Ermordung oder Vertreibung von 3,5 Millionen Volksdeutschen aus Böhmen, Mähren und dem Sudetenland herhalten, die auf der "Rechtsgrundlage" der bis heute fortgeltenden "Beneş-Dekrete" beruhen. Edvard Beneş, einer der größten Verbrecher des 20. Jahrhunderts, macht aus dem Vorfall ein gutes Geschäft, indem er den aus einem sizilianischen Mafia-clan stammenden "Napoleon von New York", den Roosevelt-Intimus und Bürgermeister von New York City Fiorello [Blümchen] LaGuardia, große Sammlungen zum "Wiederaufbau" Lidices bei den gutgläubigen Amerikanern durchführen läßt. Das Geld stecken die beiden Kriminellen und ihre Komplizen überwiegend in die eigenen Taschen. Lidice wird - neben Auschwitz in Polen, Coventry in England, Kalavrita in Griechenland und Guernica in Spanien - zu dem Pilgerzentrum des Betroffenheits-Tourismus in der ČSSR.


1962
Die Heydrich-Biografie von Charles Wighton erscheint. Er nennt Heydrich "Hitlers übelsten Henker".

1973
Die oberflächliche Heydrich-Biografie von Alan Wykes erscheint - einer der schwächsten Bände der Serie "Ballentine's History of the Violent Century" (deutsche Übersetzung 1982).

1976
Die Memoiren Lina Heydrichs dürfen - ähnlich wie Hitlers "Mein Kampf" - nur in einer gekürzten und zensierten Fassung mit entstellenden "Anmerkungen" von Werner Maser erscheinen; sie erhalten darüber hinaus den von der Autorin nicht zu verantwortenden Titel "Leben mit einem Kriegsverbrecher", der auch juristisch unhaltbar ist, da selbst das alliierte Militär-Tribunal in Nürnberg keine Verfahren gegen Tote durchgeführt hat.

1986
Die Heydrich-Biografie von Günther Deschner erscheint. Er beurteilt Heydrich abschließend mit einem Nietzsche-Zitat als "blonde Bestie" und Lina v. Osten als seine "femme fatale".


*Es wurde lange darüber gerätselt, wie es angesichts der eigentlich nicht tödlichen Verletzungen dazu kommen konnte. Als offizielle Todesursache wurde "Blutvergiftung" angegeben. 1982 deckte Robert Harris in "A Higher Form of Killing" auf, daß die Briten die Handgranate mit dem chemischen Kampfstoff BTX vergiftet hatten.


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