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Theodor Heuss

(1884 - 1963)

[Theodor Heuss]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1884
31. Januar: Theodor Heuss wird in Brackenheim/Württemberg als jüngster Sohn eines Straßenbaumeisters geboren.

1902-1905
Heuss studiert Nationalökonomie in München und Berlin.

1905
Heuss wird zum Dr. rer. pol. promoviert, nachdem er eine agrargeschichtliche Dissertation mit dem Titel "Weinbau und Weingärtnerstand in Heilbronn" vorgelegt hat.

1905
Heuss wird Mitarbeiter der von Friedrich Naumann herausgegebenen Zeitschrift "Die Hilfe" in Berlin (bis 1912, ab 1907 als Leiter des Ressorts "Politik").

1908
Heuss heiratet in Straßburg die drei Jahre ältere Elly Knapp, Tochter des elsässichen Nationalökonomen Georg Knapp.
(Der Pfarrer, der sie traut, ist der damals noch unbekannte Albert Schweitzer). Aus der Ehe geht ein Sohn hervor.

1910
Heuss wird Mitglied der "Fortschrittlichen Volkspartei" (bis 1918).

1912
Heuss wird "Hauptschriftleiter" (Chefredakteur) der "Neckarzeitung" in Heilbronn (bis 1918).

1913-1918
Heuss redigiert die Halbmonatszeitschrift "Der März" in Heilbronn.

1915
Heuss veröffentlicht er die patriotische Schrift "Kriegssozialismus".

1918
Heuss kehrt nach Berlin zurück, wo er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) beitritt.
Heuss wird Mitglied der Geschäftsführung des "Deutschen Werkbundes".

1918
Heuss wird Chefredakteur der Wochenzeitschrift "Deutsche Politik" (bis 1922).

1919
Heuss wird zum Bezirksverordneten in Berlin-Schöneberg gewählt und arbeitet parallel bei der "Vossischen Zeitung" und der "Frankfurter Zeitung".

1920
Heuss wird Dozent an der Hochschule für Politik in Berlin (bis 1933).

1923
Heuss wird Chefredakteur der Zeitschrift "Die Deutsche Nation" (bis 1926).

1924
Heuss wird für die DDP in den Reichstag gewählt (bis 1928).

1930
Heuss wird für die Deutsche Staatspartei (Nachfolgerin der DDP) in den Reichstag gewählt (bis 1933).

1932
Heuss analysiert in "Hitlers Weg" kritisch den Aufstieg der NSDAP und ihres Führers Adolf Hitler.

1933
23. März: Heuss stimmt - angeblich widerstrebend - dem Ermächtigungsgesetz zu, das die nationalsozialistische Alleinherrschaft ermöglicht.
Mai: Heuss wird als Dozent der Hochschule für Politik in Berlin entlassen.
12. Juli: Heuss verliert sein Reichstagsmandat.
Heuss wird Herausgeber der Zeitschrift "Die Hilfe" (bis 1936).

1937-1945
Heuss schreibt und veröffentlicht - teilweise unter dem Pseudonym Thomas Brackheim - verschiedene Biografien: 1937 über den Politiker und Weggefährten Friedrich Naumann, 1939 über den Architekten Hans Pölzig (1869-1936), 1940 über den Zoologen Anton Dohrn und 1942 über den Chemiker Justus von Liebig.
Seit 1943 arbeitet Heuss an einer Biografie des Industriellen Robert Bosch (1861-1942), die 1946 publiziert wird.

1941
Heuss wird fester Mitarbeiter bei der Frankfurter Zeitung, wo er vor allem historische und kulturpolitische Aufsätze veröffentlicht.

1942
Heuss erhält Publikationsverbot. Einige Zeitungen lassen Heuss jedoch weiterhin unter Pseudonym veröffentlichen.

1945/46
Heuss wird Kultusminister des unter französischer Besatzung stehenden schwäbischen Ländles "Württemberg-Baden".

1946
Juni: Heuss wird Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung von Württemberg-Baden.
September: Heuss wird Vorsitzender der im Januar neu gegründeten "Demokratischen Volkspartei" (DVP).
Dezember: Heuss wird Mitglied des Württemberg-Badischen Landtags.

1947
Heuss wird Vorstandsmitglied der 1947 gegründeten Demokratischen Partei Deutschlands (DPD).
7. März: Heuss übernimmt eine Honorar-Professur für politische Wissenschaft an der Technischen Hochschule in Stuttgart.

1948
September: Heuss wird Abgeordneter und Fraktionsvorsitzender im Parlamentarischen Rat in Bonn.
12. Dezember: Heuss wird in Heppenheim zum 1. Vorsitzenden der neu gegründeten Freien Demokratischen Partei (FDP) gewählt.
Die FDP gilt damals als Sammelbecken national-liberaler und noch weiter rechts stehender Kreise. Als damals einzige Partei - die "Soziale Reichspartei [SRP]" ist noch nicht gegründet - greift sie das brutale Besatzungsregime der Alliierten im allgemeinen sowie die "Entnazifizierung" und die "re-education [Umerziehung]" im besonderen massiv an. (Einem Besatzungs-Offizier antwortet Heuss auf seine Belehrungen: "Wir waren schon Demokraten, da wußten Sie noch gar nicht, was das ist!") Auf ihren Wahlkampfplakaten verwendet sie ungeniert die alte Sigrune, die auch der "Schutzstaffel" für ihre Abkürzung ("SS") gedient hatte.

[Wahlplakat der FDP 1949]

1949
23. Mai: Das "Grundgesetz" wird verkündet; das Besatzungsstatut bleibt jedoch bestehen; die "Bundesrepublik Deutschland [BRD]" ist ebenso ein Marionettenstaat der Westmächte wie die etwas später gegründete "Deutsche Demokratische Republik [DDR]" ein Marionettenstaat der UdSSR.
12. Juni: Heuss wird auf dem Bundesparteitag der FDP als Parteivorsitzender bestätigt.
14. August: Nach der ersten deutschen Bundestagswahl wird Heuss Mitglied des Bundestages.
12. September: Heuss wird durch die Bundesversammlung zum ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er legt sein Bundestagsmandat und den Parteivorsitz nieder.

1950
Dezember: Heuss bezieht als Amtssitz die Villa Hammerschmidt in der provisorischen Hauptstadt Bonn.
Dort läßt er sich von Oskar Kokoschka porträtieren, einem Briten tschechischer Abstammung, der im "Dritten Reich" als "entarteter Künstler" galt.

[Heuss-Porträt von Oskar Kokoschka]

1951
Da es zunehmend als peinlich empfunden wird, daß bei offiziellen Anlässen statt einer deutschen Nationalhymne der Karnevalsschlager "Wir sind die Eingeborenen von Trizonesien" oder "Heidewitzka, Herr Kapitän" gespielt wird, versucht Heuss, eine neue Nationalhymne einzuführen. Zur Auswahl stehen "Ich hab' mich ergeben..." von Hans F. Maßmann (im Volksmund nur spöttisch "die Kapitulationshymne" genannt*) - unter der ausdrücklichen Maßgabe, daß die 3. Strofe nicht mit gesungen werden darf - und "Land des Glaubens" von Rudolf Alexander Schröder, für das Heuss in seiner Neujahrsansprache vergeblich die Propagandatrommel rührt. Nachdem er sich in dieser Angelegenheit bis auf die Knochen blamiert hat, erklärt Heuss widerstrebend die alte Kaiserhymne ("Gott erhalte Franz den Kaiser") von Josef Haydn mit dem Text von Hoffmann v. Fallersleben ("Deutschlandlied") zur Nationalhymne, unter der ausdrücklichen Maßgabe, daß ausschließlich die 3. Strofe gesungen werden darf. [Die einstigen deutschen Volkstumsgrenzen sollen ebenso in Vergessenheit geraten wie die einstigen Tugenden der deutschen Frau; das tumpe Volk singt indes vorerst weiter die 1. Strofe ("Deutschland, Deutschland über alles...").] Deren Anfang - "Einigkeit und Recht und Freiheit" - wird zum politischen Leitsatz der BRD.**

[Die Kapitulationshymne] [Die 3. Strofe des Deutschlandliedes] [Deutschland über alles]

Heuss überreicht in Frankfurt/Main den "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" an Albert Schweitzer.
Heuss stiftet den "Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland" (Bundesverdienstkreuz in mehreren Stufen), von dem großen finnisch-sächsischen Humoristen Rolf Kauka und anderen bösen Zungen nur "BKK (Bonhallakriechkreuz)" genannt.

[BVK/BKK]

1952
31. Mai: Die 1842 von König Friedrich Wilhelm IV gestiftete "Friedensklasse" des 1740 von Friedrich II gegründeten Ordens "Pour le mérite" (höchste Auszeichnung des nicht mehr existierenden Staates Preußen) wird "wiederbelebt".
Heuss wird Schirmherr ("Protektor"); einer der ersten, denen er ihn umhängt, ist sein alter Spezi Albert Schweitzer.

[Pour le mérite - Friedensklasse]

19. Juli: Elly Heuss-Knapp stirbt.
26. November: Nach dem Tode des großen schwedischen Forschungsreisenden und Deutschland-Freundes Sven Hedin verbietet Heuss dem deutschen Botschafter in Stockholm die Niederlegung eines Kranzes an dessen Grab. (Sven Hedin war, wiewohl teilweise jüdischer Abstammung, wiederholt von Hitler empfangen worden und damit in den Augen der braven "Liberalen" zur Unperson geworden.) Das gute Verhältnis der Schweden zu Deutschland kühlt danach merklich ab.

[Wahlplakat der FDP 1953] [Heuss 1953]

1953
Heuss veröffentlicht seine Jugenderinnerungen unter dem Titel "Vorspiele des Lebens".

1954
4. Juli: Bei der Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz gewinnt die Elf des Deutschen Fußballbunds (DFB) überraschend den Titel ("Wunder von Bern"). Heuss empfängt die Spieler persönlich, schenkt jedem von ihnen auf Steuerzahlerkosten eine goldene Armbanduhr (für viele die erste seit der "Befreiung" von ihren alten "Nazi"-Uhren durch die hochherzigen alliierten Besatzer 1945) und stilisiert das mit viel Glück gewonnene Match zu einer "nationalen Heldentat" hoch. Damit macht er nicht nur Fußball zum deutschen Nationalsport, sondern schafft zugleich ein völlig irrationales Gefühl des "Wir sind wieder wer", wohl in dem Glauben, daß es noch immer besser sei, wenn sich das Volk mit Fußballspielern identifiziert als mit Kriegshelden. (Der Haß des Auslands auf die Deutschen konzentriert sich von da an zunehmend auf ihre Fußballer. Als England im selben Jahr die DFB-Elf zum Länderspiel empfängt, geschieht dies anläßlich der Feiern zum 80. Geburtstags des alten Deutschen-Hassers und Kriegstreibers Winston Churchill, der am Vorabend Hetzreden unter dem Zeichen des "V" (für "Victory") hält, um bei den englischen Fußballern und Zuschauern Reminiszenzen an den Weltkrieg zu wecken. Unter Aufsicht von Anthony Eden, dem britischen Außenminister im Zweiten Weltkrieg, verliert eine deutsche Notelf - die "Weltmeister" sind infolge schlecht desinfizierter Doping-Spritznadeln fast alle an Gelbsucht erkrankt - brav mit 1:3 Toren.)
Etwa zur gleichen Zeit beginnt Heuss auch, von einem "Wirtschaftswunder" zu reden, obwohl der langsame Wiederaufstieg der deutschen Wirtschaft nach Jahre langer Zerstörung und Demonatage durch die Alliierten alles andere als ein "Wunder" ist, sondern lediglich das Resultat harter Arbeit.
17. Juli: Heuss wird von der Bundesversammlung ohne Gegenkandidat für weitere fünf Jahre zum Bundespräsidenten gewählt.

1956
Mai: Heuss macht einen Staatsbesuch bei König Konstantin II von Griechenland, das sich noch immer nicht von den Folgen des Jahre langen blutigen Bürgerkriegs erholt hat, der nach dem Abzug der deutschen Truppen als "Stellvertreterkrieg" zwischen Großbritannien und der Sowjet-Union geführt wurde.

1957
Mai: Heuss macht einen Staatsbesuch in der Türkei, die gerade die letzten Reste der griechischen Minderheit aus Istanbul vertrieben hat.
November: Heuss macht einen Staatsbesuch in Italien, wo sich nach dem Sturz des Fascismus mit Hilfe der amerikanischen Besatzer ein korruptes Mafia-Regime etabliert hat. Er wird in Rom von Staatspräsident Gronchi und im Vatikan von Papst Pius XII empfangen.


1958
Juni: Heuss macht Staatsbesuche in Kanada und den USA, wo er von Präsident Eisenhower empfangen wird.
August: Im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft in Schweden scheitert die DFB-Elf nach umstrittenem Spiel an Schweden - nach subjektiven Eindrücken weniger an deren Fußballkünsten als vielmehr am vom verhetzten schwedischen Publikum eingeschüchterten Schiedsrichter. Der Titelverlust wird als nationale Katastrofe empfunden, nach der es in der ganzen Bundesrepublik zu Übergriffen auf schwedische Touristen kommt. Heuss - der die Geister, die er rief, nun nicht mehr los wird - faselt in einer Ansprache etwas von der "Völkerfreundschaft mit den stammverwandten Schweden", die wiederhergestellt werden müsse.
Oktober: Heuss macht einen Staatsbesuch in Großbritannien, wo seit 1952 die deutschfeindliche Königin Elizabeth II regiert.

1959
In seiner zehnjährigen Amtszeit als Bundespräsident hat Heuss sich und Deutschland durch permanentes Kriechen, Schleimen und Nestbeschmutzen im Ausland unmöglich gemacht und so den Grundstein für die seit den 60er Jahren einsetzende "politische Korrektheit" der "Gutmenschen" und das "Shoa-business" gelegt. (Seine Anhänger nennen das "Abbau von Vorurteilen gegen die Deutschen in der Weltöffentlichkeit"; das einzige "Vorurteil", das dabei abgebaut wird, ist jedoch, daß die Deutschen auch nach zwei verlorenen Weltkriegen und "re-education" noch einen Rest von Würde und Selbstachtung bewahrt haben müßten.)
Um zu verhindern, daß der amtierende Bundeskanzler Konrad Adenauer Bundespräsident wird, wollen seine Gegner das Grundgesetz ändern, um dem mittlerweile 75-jährigen Heuss eine dritte Amtszeit zu ermöglichen; am Ende verzichtet er jedoch von sich aus.
Herbst: Heuss zieht sich auf seinen Ruhesitz in Stuttgart zurück. Von dort aus beteiligt er sich nach Kräften an der Demontage seines Nachfolgers Heinrich Lübke, der zunächst als völliger Trottel ohne Fremdsprachenkenntnisse ("Lübke-Englisch"), dann als "alter Nazi" (Bau von Konzentrationslagern) unmöglich gemacht wird. Als Grundlage für diese Vorwürfe dienen vom Ministerium für Staatssicherheit (M.f.S., "Stasi") der DDR gefälschte Dokumente.
Oktober: Heuss wird der "Friedenspreis des Deutschen Buchhandels" verliehen.


1960-1962
Heuss unternimmt private Reisen nach Israel, Indien und Großbritannien und widmet sich der Niederschrift seiner Lebenserinnerungen.

1963
Heuss veröffentlicht seine "Erinnerungen 1905-1933".
12. Dezember: Heuss stirbt in Stuttgart und wird fünf Tage später auf dem dortigen Waldfriedhof begraben.

1970
Die BRD gibt 2-DM-Stücke heraus, die u.a. Heuss' Kopf zeigen. (Ähnliche Stücke werden auf Konrad Adenauer und Kurt Schumacher geprägt. Die Prägungen werden 1987 eingestellt; an ihre Stelle treten Prägungen auf Ludwig Erhard, Franz-Josef Strauß und Willy Brandt.)

[2 DM]


*Diese Auffassung zeugt indes von Unkenntnis: "Ich hab' mich ergeben" wurde schon im Ersten Weltkrieg - als es noch keine offizielle Nationalhymne gab - von deutschen Soldaten neben dem "Deutschlandlied" und der "Wacht am Rhein" gesungen.

**58 Jahre später wird dieser Slogan auf offiziellen Schreiben der Bundesregierung stillschweigend durch "Freiheit, Einheit, Demokratie" im Briefkopf ersetzt. Böse Zungen meinen, damit komme zum Ausdruck, daß es in dem aus BRD und DDR zusammen gezimmerten Einheitsstaat keine Einigkeit und in dem Justizstaat BRDDR kein Recht mehr gebe, sondern nur noch die substanzleerefreie Hülle einer "Demokratie".


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