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Heinz Guderian

(1888 - 1954)

[Heinz Guderian]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1888
17. Juni: Heinz Guderian wird in Culm a. d. Weichsel (Westpreußen) als Sohn des Premier-Lieutenants Friedrich Guderian und dessen Ehefrau Clara (geb. Kirchhoff) geboren.

1891
Die Familie zieht nach Colmar (Elsaß) um.

1901
1. April: Guderian wird in die Cadettenanstalt in Carlsruhe (Baden) aufgenommen.

1903
März: Guderian wechselt an die Hauptcadettenanstalt in Lichterfelde bei Berlin.


1907
Februar: Nach der Reifeprüfung wird Guderian Fähnrich beim Hannoverschen Jäger-Bataillon Nr. 10 in Bitsch (Lothringen), dessen Commandeur sein Vater inzwischen geworden ist.

1908
27. Januar: Guderian wird (rückwirkend zum 22. Juni 1906) zum Leutnant befördert.

1909
1. Oktober: Guderian wird mit dem Jäger-Bataillon nach Goslar versetzt.

1912
1. Oktober: Guderian wird zum 3. Telegraphen-Bataillon nach Coblenz versetzt.

1913
1. Oktober: Guderian heiratet nach zweijähriger Verlobungszeit die Generalarzt-Tochter Margarete Goerne. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor.
3. Oktober: Guderian wird zur Kriegsacademie abcommandiert.

1914
August: Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wird Guderian als Nachrichtenoffizier der 5. Cavallerie-Division an der Westfront eingesetzt.
Oktober: Guderian wird als Nachrichtenoffizier zur 4. Armee versetzt.
8. November: Guderian wird zum Oberleutnant befördert.

1915
Mai: Guderian wird als Nachrichtenoffizier zum Armeeoberkommando (A.O.K.) versetzt.
18. Dezember: Guderian wird zum Hauptmann befördert.

1916
Guderian nimmt als Nachrichtenoffizier im Stab des 5. A.O.K. an der Schlacht von Verdun teil.

1917
3. April: Guderian wird Generalstabsoffizier (Ic - Nachrichten) in der 4. Infanterie-Division.

1918
Oktober: Guderian wird als leitender Generalstabsoffizier (Ia) nach Udine (Italien) versetzt.
November: Nach der Revolution, dem Sturz der Monarchie, der Flucht von Kaiser Wilhelm II und der Unterzeichnung des Waffenstillstands ist der Krieg für das Deutsche Reich verloren.
Dezember: Guderian wird vom preußischen Kriegsministerium dem "A.O.K. Heimatschutz" zugeteilt, der die ostdeutschen Gebiete vor polnischen Mörderbanden schützen soll.

1919
30. Mai: Guderian wird als Generalstabsoffizier zur "Eisernen Division" versetzt, die im Baltikum kämpft.
August: Guderian wird zurück nach Berlin versetzt.
1. Oktober: Guderian wird in den Generalstab der 10. Reichswehrbrigade nach Hannover versetzt.

1920
1. Januar: Guderian wird als Kompagniechef im 10. Jäger-Bataillon nach Goslar versetzt.
März-Mai: Guderian wirkt an der Niederschlagung diverser kommunistischer Aufstände mit.
30. Mai: Guderian wird offiziell in das 100.000-Mann-Heer übernommen, das die "Weimarer Republik" nach dem Versailler Diktat noch unterhalten darf und als Reichswehr bezeichnet.

1922
Januar: Guderian wird zur "Inspektion der Verkehrstruppen" (einem Ersatz des verbotenen Generalstabs) in München versetzt.
1. April: Guderian wird in die Kraftfahrtabteilung des Reichswehrministeriums in Berlin versetzt. Dort macht er sich erstmals Gedanken über die Aufstellung von selbständigen Verbänden aus gepanzerten Kampfwagen. (Im Ersten Weltkrieg waren die schwer gepanzerten "Tanks" lediglich als langsame Infanterie-Begleitung eingesetzt worden.) Er studiert u.a. die Schriften des britischen Militär-Theoretikers Liddell Hart.

1924
1. Januar: Guderian wird als Stabsoffizier zur 2. Division nach Stettin versetzt.

1926
Guderian absolviert einen Französisch-Kurs an der Universität Lausanne und erwirbt das Dolmetscher-Patent der Reichswehr.

1927
1. Februar: Guderian wird zum Major befördert.
1. Oktober: Guderian wird zur Transportabteilung des Truppenamtes im Reichswehrministerium versetzt.
Da das Versailler Diktat Deutschland Panzer verbietet, läßt Guderian Panzerübungen mit Traktoren, Autos und Panzerattrappen aus Holz durchführen.

1929
Guderian wird nach Schweden zu einem Strijdsvagn-Bataillon abkommandiert.

1930
1. Februar: Guderian wird zum Kommandeur der 3. Kraftfahr-Abteilung in Berlin ernannt.

1931
1. Oktober: Guderian wird Chef des Stabes der Inspektion der Verkehrstruppen unter General Lutz.

1932
Guderian wird mit anderen Offizieren in die Sowjetunion an die Kampfwagenschule Kasan abkommandiert.

1933
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) faßt das Reichswehrministerium unter den Generälen v. Blomberg und v. Reichenau das bereits von allen "Weimarer" Regierungen geplante Abschütteln der "Fesseln von Versailles" konkreter ins Auge. Dazu zählt u.a. der Aufbau einer Luftwaffe und von Panzereinheiten.
1. April: Guderian wird zum Obersten befördert und mit den Vorbereitungen zum Aufbau einer modernen Panzertruppe beauftragt.

1934
Guderian wird Stabschef des Kommandos der Kraftfahrtruppen.

1935
März: Nach Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit (Aufhebung der Beschränkung des Heeres auf 100.000 Mann, Wiedereinführung der allgemeinen Wehrdienstpflicht) werden in der neu geschaffenen Wehrmacht die (bereits seit 1934 heimlich aufgestellten) ersten drei Panzerdivisionen offiziell als solche bezeichnet; der "Landwirtschaftliche Schlepper" wird in "Panzer I" umbenannt. (Er ist lediglich mit 2 Maschinengewehren bewaffnet und nur schwach gepanzert; sein Nachfolgemodell, der "Panzer II", hat statt des 2. MG eine 2-cm-Kanone, der "Panzer III" eine 3,7-cm-Kanone. Wie sich später herausstellt, ist keiner dieser Panzer im Vergleich zu denen anderer Staaten kriegstauglich.)
15. Oktober: Guderian wird zum Kommandeur der 2. Panzerdivision in Würzburg ernannt.

1936
1. August: Guderian wird zum Generalmajor befördert.

1937
Guderian veröffentlicht "Achtung, Panzer!". Darin legt er seine strategischen Überlegungen zur Kriegsführung mit Panzerverbänden dar.

1938
Februar: Guderian wird zum Generalleutnant befördert und als Nachfolger des pensionierten Generals Lutz Inspekteur der Panzertruppen (vormals "Verkehrstruppen").
März/Oktober: Beim friedlichen "Anschluß" der Ostmark (vormals "Republik [Deutsch-]Österreich") und der Heimkehr des Sudetenlandes haben die Panzertruppen nur verkehrstechnische Probleme zu bewältigen.
November: Guderian wird zum General der Panzertruppen befördert und zum Chef der Schnellen Truppen (d.h. incl. motorisierte Infanterie) ernannt.

1939
1. September: Mit Beginn des Polenfeldzugs ist Guderian Befehlshaber des motorisierten XIX. Armeekorps.
6. September: Nachdem sich die leichten Panzer als völlig unzureichend erwiesen haben (sie sind selbst von polnischer Kavallerie angegriffen worden), drängt Guderian bei Hitler auf den Bau schwererer Tanks mit stärkerer Panzerung und besserer Bewaffnung. Infolge von Guderians Strategie der Mobilität der Panzerwaffe (Einsatz als geschlossen operierende Angriffsstoßkeile durch die gegnerischen Frontlinien) wird der Polenfeldzug dennoch zu einem "Blitzkrieg".
30. September: Guderian wird von Hitler persönlich das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz verliehen.
Nachdem Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich bereits am 3. September den Krieg erklärt haben (nicht aber der Sowjetunion, als infolge des Hitler-Stalin-Pakts auch die Rote Armee in Polen einmarschiert), arbeitet Guderian zusammen mit General Erich v. Manstein einen Angriffsplan gegen Frankreich aus, der auf einem schnellen Vorstoß von Panzerverbänden durch die Ardennen bis zum Kanal ("Sichelschnitt") beruht. Hitler macht diesen Plan gegen den Rat der Generalität zur Grundlage der Westoffensive.

1940
Mai: Im Frankreichfeldzug gelingt Guderian mit seinem XIX. Korps der geplante "Sichelschnitt". Da Hitler in der trügerischen Hoffnung, eine schonende Behandlung würde die Engländer friedensbereit machen, die Panzer vor Dünkirchen anhalten läßt, um ein Entkommen des britischen Expeditionskorps zu ermöglichen, wird das strategische Ziel der Operation gleichwohl verfehlt.
Juni: Während der weiteren Kämpfe in Frankreich stößt Guderian über Verdun Richtung Schweizer Grenze vor, wodurch das Hauptkontingent des französischen Heers eingeschlossen wird.
Juli: Guderian wird zum Generaloberst befördert.

1941
Juni: Im Rußlandfeldzug befehligt Guderian zunächst die Panzergruppe 2, mit der er an der Kesselschlacht von Bialystok und Minsk beteiligt ist.
17. Juli: Guderian wird während der Schlacht bei Smolensk das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
23. August: Guderian versucht als Sprecher der Generäle an der Ostfront, Hitler zu überzeugen, den direkten Angriff auf Moskau der Eroberung der Ukraine vorzuziehen. Hitler lehnt dies mit den Worten ab: "Meine Generäle verstehen nichts von Kriegswirtschaft."*
Oktober: Nach der Eroberung der Ukraine gewinnt Guderian mit seinen zur 2. Panzerarmee erweiterten Verbänden die Kesselschlacht von Wjasma und Brjansk.
Henning v. Tresckow versucht vergeblich, Guderian für einen Putsch gegen Hitler zu gewinnen.
21. Dezember: Im Verlauf der sowjetischen Winteroffensive von 1941/42 ordnet Guderian gegen Hitlers "Halte-Befehl" einen taktischen Rückzug an.
25. Dezember: Guderian wird aufgrund seiner eigenmächtigen Frontbegradigung von der Ostfront abberufen und zur "Führerreserve" versetzt.

1943
Januar: Auf der Konferenz von Casablanca einigen sich die Alliierten angesichts des Verlaufs der Schlacht um Stalingrad, in der sich die Vernichtung der deutschen 6. Armee und damit die Kriegswende abzeichnet, vor allem über zwei Punkte: 1. Niemand wird einen Separatfrieden mit dem Deutschen Reich schließen. 2. Es wird weiter gekämpft bis zur bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht.
März: Guderian wird reaktiviert und zum Generalinspekteur der Panzertruppen ernannt.
Oktober: Guderian erhält als Dotation ein Landgut im Warthegau.

1944
21. Juli: Guderian wird zum Chef des Generalstabs ernannt als Nachfolger des bei Hitler in Ungnade gefallenen Kurt Zeitzler (1895-1963).
Nach dem Attentat vom 20. Juli gehört Guderian - zusammen mit den Feldmarschällen Wilhelm Keitel und Gerd v. Rundstedt - dem "Ehrenhof des Heeres" an, der die am Anschlag auf Hitler beteiligten Offiziere unehrenhaft aus der Wehrmacht ausschließt. Oberflächliche "Historiker" legen ihm dies später als besondere "Regimetreue" aus.

1945
28. März: Guderian drängt bei Hitler auf einen separaten Waffenstillstand mit den Westmächten. Er verkennt, daß die Alliierten - die nicht gegen das NS-Regime, sondern gegen Deutschland kämpfen und es um jeden Preis vernichten wollen - zu einem solchen Separatfrieden gar nicht bereit sind, sondern sich an die auf der Konferenz von Casablanca getroffenen Vereinbarungen halten. Guderian wird entlassen.

1945-1948
Guderian ist in amerikanischer Kriegsgefangenschaft.

1950
Guderian veröffentlicht seine Memoiren unter dem Titel "Erinnerungen eines Soldaten". Er erhebt darin schwere Vorwürfe gegen Hitlers Strategie im Rußlandfeldzug, insbesondere wegen des Abschwenkens des Angriffskeils im Spätsommer 1941 nach Süden auf Kiew statt direkt östlich auf Moskau, und prozessiert Jahre lang gegen Leute, die ihm daran eine "Mitschuld" zuweisen wollen. Er schließt seine Betrachtungen mit dem Gedicht "Fichte an alle Deutschen" von Albert Matthäi:

Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben,
An Deines Volkes Aufersteh'n!
Laß diesen Glauben Dir nicht rauben
Trotz Allem, Allem, was gescheh'n.
Und handeln sollst Du so, als hinge
Von Dir und Deinem Tun allein
Das Schicksal ab der deutschen Dinge
Und die Verantwortung wär' Dein!

Guderian schreibt das vorstehende Gedicht irrtümlich Matthäis Zeitgenossen Bogislav v. Selchow** zu; offenbar liegt eine Verwechslung vor mit dessen Gedicht "Deutsche Zukunft":

Und wenn sie alle weichen
Wenn menschenleer das Feld
Wenn von den deutschen Eichen
Der letzte Stamm zerschellt

Wenn todeswund in Scherben
Das letzte Schwert zersprang
Ich glaube nicht an Sterben
Und nicht an Untergang

Ob sich die Gegner wiegen
In trunkner Siegesgier,
Sie mögen heute siegen,
Doch morgen siegen wir!

1954
14. Mai: Heinz Guderian stirbt in Schwangau bei Füssen.


*Entgegen Guderian neigen die meisten Militärhistoriker heute zu der Auffassung, daß eine Eroberung Moskaus ohne Ausschaltung der im Südosten stehenden Sowjet-Armeen ebenso wenig gebracht hätte wie 1812, als Napoleon Moskau besetzte, Hitlers Entscheidung also nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch gesehen richtig war. Sie wäre auch politisch gesehen richtig gewesen, wenn Hitler die Ukraïne als befreites Land behandelt und als Verbündete im Kampf gegen die Sowjet-Union eingesetzt hätte - wozu er freilich nicht bereit war.

**Von Selchow stammt auch der - fälschlich Kaiser Wilhelm II zugeschriebene - Spruch: "Gott schütze uns vor unseren Volksvertretern. Vor unseren äußeren Feinden werden wir uns schon selbst schützen." Unbekannt ist dagegen die Herkunft des Satzes: "Wer glaubt, daß Volksvertreter das Volk vertreten, der glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten."


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