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Charles de Gaulle

(1890 - 1970)

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1890
22. November: Charles André Joseph Marie de Gaulle wird in Lille, der Hauptstadt von Französisch-Flandern, als Sohn des Gymnasiallehrers Henri de Gaulle geboren.

1912
Nach Beendigung der Offiziersschule St. Cyr wird de Gaulle als Leutnant zum 33. Infanterieregiment nach Arras versetzt.

1914
15. August: Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird de Gaulle bei Dinant verwundet.

1915
De Gaulle wird zum Hauptmann befördert und nimmt an der Champagne-Schlacht teil.

1916
Februar: Bei den Kämpfen um Verdun, wo er unter General Henri Philippe Pétain dient, gerät de Gaulle verwundet in deutsche Kriegsgefangenschaft. In dieser Zeit lernt er etwas Deutsch.

1919
Nach Kriegsende und Entlassung aus der Gefangenschaft setzt de Gaulle seine Karriere in die französische Armee fort.

1920-21
De Gaulle arbeitet im Stab von General Maxime Weygand (1867-1965) in Polen, das von Frankreich bei seinen Raubzügen gegen Deutschland, Litauen, Weißrußland und die Ukraïne militärisch unterstützt wird.

1922
De Gaulle wird Dozent für Militärgeschichte in St. Cyr (bis 1924).

1924
De Gaulle wird Besatzungsoffizier (Kommandeur des 19. Füsillier-Bataillons) in Mainz.

1925
De Gaulle wird Besatzungoffizier in Beyrouth [Bayrūt] (Libanon).

1926
De Gaulle heiratet Yvonne Vendroux. Die Ehe steht unter keinem glücklichen Stern; die Kinder sind - außer seinem ältesten Sohn Philippe, dessen Taufpate Pétain wird - erbkrank (mongoloïd).


1927
De Gaulle wird Besatzungsoffizier in Trier.

1930
De Gaulle wird Referent im Kriegsministerium.

1932
De Gaulle wird Generalsekretär des Nationalen Verteidigungsrates (bis 1936). Mit seinem Drängen auf Schaffung leichter, eigenständig operierender Panzerverbände, wie sie in England Captain Basil Liddell Hart und in Deutschland Major Heinz Guderian befürworten, macht er sich in konservativen Kreisen zunehmend unbeliebt.

1934
De Gaulle veröffentlicht "Die Schneide des Schwertes" und "Die Armee der Zukunft" und stößt damit bei der militärischen Führung auf völlige Ablehnung.

1937
De Gaulle wird zum Oberst befördert und als Kommandeur des 507. Panzerregiments ins Elsaß "weggelobt".

1939
September: Nach Beginn des Polenfeldzugs und der auf englisches Drängen hin erfolgten Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland (nicht aber an die Sowjetunion, als auch die Rote Armee in Polen einmarschiert) gelangt die militärische Führung angesichts des schnellen Vormarsches deutscher Panzerverbände zu der Einsicht, daß De Gaulle doch Recht hatte. Er wird zum Kommandeur der 4. Panzerdivision ernannt (die freilich überwiegend nur auf dem Papier steht). Zu Kampfhandlungen kommt es vorerst nicht ("Drôle de guerre", "Sitzkrieg", "Phoney war").

1940
10. Beginn des deutschen Angriffs auf Belgien, die Niederlande und Frankreich.
19. Mai: De Gaulle wird zum Brigadier (Generalmajor) befördert. Trotz einiger lokaler Erfolge kann er den deutschen Vormarsch jedoch nicht aufhalten.
6. Juni: De Gaulle wird zum Staatssekretär im Kriegsministerium ernannt, zu einem Zeitpunkt, als die militärische Lage bereits aussichtslos ist.
14. Juni: Die französische Regierung verläßt Paris und flieht nach Bordeaux.
15. Juni: De Gaulle verläßt seine Truppe und flieht nach London.
16. Juni: Die Regierung Reynaud tritt zurück.
17. Juni: Marschall Pétain bildet eine neue Regierung, die sofort um Waffenstillstand bittet.


18./23. Juni: De Gaulle ruft über Radio London "alle Franzosen" dazu auf, sich mit ihm zu vereinigen, weiter gegen den deutschen Feind zu kämpfen, zu handeln, Opfer zu bringen und zu hoffen. Er spricht zum ersten Mal davon, daß dieser Krieg ein "Weltkrieg [guerre mondiale]" sei.


25. Juni: De Gaulle gründet das "Komitee freies Frankreich", ernennt sich selber zum Chef der "Freien Französischen Streitkräfte" und zum Chef des "Nationalen Verteidigungskomitees".
Juli: De Gaulle wird in absentia vom Kriegsrat der Vichy-Regierung wegen Fahnenflucht und Hochverrats zum Tode verurteilt.
De Gaulle tröstet sich mit einem Besuch bei einem seiner letzten Verbündeten, dem NegerhäuptlingGouverneur des Tschad, Félix Éboué [Glücklich Ausgeschissen].


1941
De Gaulles Popularität erreicht einen Tiefpunkt.


1942
Juni: De Gaulle gründet das "Comité Français de Libération Nationale [Nationales Befreiungskomitee]" und macht sich wenig später zu dessen Präsident.
November: Die Alliierten landen in Nordafrika, ohne dies de Gaulle vorher mitzuteilen; den Oberbefehl über die französischen Truppen erhält vielmehr General Giraud (1879-1949), in dem Roosevelt und Churchill den künftigen Führer Frankreichs sehen.
Dezember: De Gaulle läßt zunächst Admiral François Darlan, einen anderen lästigen Konkurrenten, ermorden.


1943
Januar: Auf der Konferenz von Casablanca ist de Gaulle nur "vierter Mann" neben Roosevelt, Churchill und Giraud.
Juni: In Algier wird ein "Französisches Komitee zur Nationalen Befreiung (C.F.L.N.)" gegründet, dem de Gaulle und Giraud gemeinsam vorsitzen.
November: De Gaulle verdrängt Giraud aus dem C.F.L.N. und übernimmt dessen alleinigen Vorsitz.

1944
April: Bei schweren Bombenangriffen der Alliierten auf die Pariser Innenstadt sterben 600 Franzosen; die Zahl der Verletzten und Obdachlosen ist fünfstellig.
Giraud legt den Oberfehl über die französischen Truppen nieder; sein Nachfolger wird de Gaulle.
Mai: De Gaulle bildet in Algier eine "provisorischen Regierung der französischen Republik".
6. Juni: Die alliierte Invasion in der Normandie beginnt - ohne de Gaulle.
August: De Gaulle zieht an der Spitze amerikanischer Truppen in Paris ein, das die Deutschen zur offenen Stadt erklärt haben, um weitere Zerstörungen zu vermeiden, und läßt sich als "Befreier" feiern.


September: De Gaulle erklärt sich zum Chef der provisorischen Regierung Frankreichs. Nach der "libération" setzt die "épuration [Säuberung]" ein, eine Hexenjagd auf "Collaborateure", der über eine Million Französinnen und Franzosen zum Opfer fallen.


Die Elsässer - die bereits im September 1939 ins französische Baskenland deportiert worden waren - werden praktisch ausgerottet; die letzten wehrfähigen Männer, die noch nicht ermordet worden sind, werden unter Androhung der Todesstrafe für "Collaboration" gezwungen, zur Fremdenlegion zu gehen, mit der sie im Indochinakrieg verheizt werden; das Elsaß - das nicht mehr so genannt werden darf, sondern nur noch "Departement Oberrhein und Departement Unterrhein" - wird mit "echten" Franzosen neu besiedelt. Damit hat de Gaulle die von Napoléon III begonnene Ausrottungspolitik erfolgreich zu Ende geführt. Dieser Völkermord wird bis heute in allen amtlichen deutschen und französischen Geschichtsbüchern tot geschwiegen.

[Originalplakat 1944: Aufruf zur Säuberung des Elsass von Elsässern]

1945
15. August: De Gaulle läßt Pétain einen Schauprozeß machen und ihn zum Tode verurteilen, um sich als "Begnadiger" aufspielen zu können - er wandelt die Strafe in lebenslange Isolationshaft auf der Sträflingsinsel Yeu um.


13. November: De Gaulle läßt sich von der "konstituierenden Nationalversammlung" (deren Abgeordnete er im Zusammenspiel mit der kommunistischen "Résistance" selber ausgesucht hat) zum Ministerpräsidenten Frankreichs wählen.

1946
Januar: De Gaulle tritt vom Amt des Ministerpräsidenten zurück, da er sich mit seinen Vorstellungen zur Verfassung der neuen, "IV.", Republik nicht durchsetzen kann.

1947
April: De Gaulle gründet zusammen mit dem Ex-Kolonial- und Propaganda-Minister Jacques Soustelle die Partei "Rassemblement du Peuple Français ["Sammelbecken des französischen Volkes]" (RPF), mit der er zunächst einige Erfolge bei Kommunalwahlen erzielt.

1950er Jahre
De Gaulle lehnt den Beitritt der BRD zur NATO ebenso ab wie den Schumanplan und die Gründung der EWG. Er fürchtet, daß die Deutschen in diesen Gemeinschaften früher oder später ein militärisches und wirtschaftliches Übergewicht erlangen könnten.

1953
Nach wiederholten Wahlniederlagen löst de Gaulle das RPF als Partei und als parlamentarische Gruppe auf.

1954
November: Der offene Aufstand muslimischer Terroristen in Algerien beginnt.
De Gaulle schildert seine politischen Aktivitäten bis 1946 in der Memoirenserie "L'Appel", "L'Unite" und "Le Salut" (bis 1959).

1956
August: Die muslimischen Terroristen in Algerien fordern die Unabhängigkeit von Frankreich.

1957
März: Die Gründung der "Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG)" durch Frankreich, Italien, die BRD und die BeNeLux-Staaten in Rom verfolgt de Gaulle mit Sorge. Er fürchtet, daß diese eines Tages über ein reines Wirtschaftsabkommen (von dem Frankreich durchaus profitiert) hinaus zu einer politischen Organisation werden könnte. De Gaulle setzt dagegen sein Konzept von einem "Europa der Vaterländer".

1958
Februar: Das französische Parlament verabschiedet das so genannte "Algerien-Statut", einen faulen Kompromiß, mit dem keine der beiden Seiten zufrieden ist.
Mai: Die Algerien-Franzosen fordern ihrerseits die Unabhängigkeit, um ihre Geschicke selber bestimmen zu können ("Putsch von Algier"). Der neue Ministerpräsident Pierre Pflimlin tritt nach wenigen Wochen zurück und bietet seinen Posten auf Vorschlag Soustelles - der inzwischen Gouverneur von Algerien ist - de Gaulle an.
Juni: De Gaulle wird zum Ministerpräsident ernannt, nachdem er sich stark gesagt hat, den Aufstand in Algerien nieder zu schlagen - worunter jeder anständige Franzose den Aufstand der muslimischen Terroristen versteht, obwohl sich de Gaulle sibyllinisch unklar geäußert hat ("Je vous ai compris [ich habe Euch verstanden]").
28. September: Durch Volksentscheid wird eine auf de Gaulle zugeschnittene neue Verfassung angenommen (Beginn der "V." Republik). Sie legt die bestimmende Rolle des Staatspräsidenten fest und schränkt die Rechte des Parlaments erheblich ein.
14./15. September: De Gaulle empfängt BRD-Kanzler Adenauer auf seinem Landsitz in Colombey-les-deux-Églises (Lothringen).
21. Dezember: De Gaulle wird mit 78% der Stimmen zum Staatspräsidenten gewählt.

1960
18. Januar: De Gaulle läßt die Maske fallen und spricht erstmals von einem "algerischen Algerien"; den dagegen gerichteten "Aufstand" einiger Siedler läßt er von regimetreuen Truppen, die aus Frankreich eingeflogen werden, brutal niederschlagen. De Gaulle setzt Soustelle - der an einem "französischen Algerien" festhalten will - ab und erklärt ihn für vogelfrei. (Soustelle flieht nach Italien und überlebt de Gaulle.)

1961
14. Januar: Bei einem Volksentscheid erhält de Gaulle in Frankreich 75% der abgegebenen Stimmen (die Beteiligung liegt freilich unter 50%) für seine Politik, Algerien in die Unabhängigkeit zu entlassen (in Algerien stimmen 60% dagegen).
April: Die Franzosen in Algerien erheben sich wie ein Mann - vom letzten Kolonisten bis zu den Generälen der im Land stationierten Armeen - gegen den Verräter de Gaulle. Auch dieser "Putsch" wird mit ausländischen (festland-französischen) Truppen niedergeschlagen.

1962
18. März: Im Abkommen von Evian gibt de Gaulle Algerien de facto endgültig preis.
2.-8. Juli: De Gaulle lädt Adenauer erneut Staatsbesuch nach Frankreich vorein. In der Kathedrale von Reims - dem einstigen Krönungsort der französischen Könige - läßt er eine Messe zelebrieren, in der er sich als HahnHerrscher von Gottes Gnaden aufplustert. Den deutschen Medien-Konsumenten wird die Veranstaltung im Nachhinein als "Akt der feierlichen Versöhnung des deutschen und des französischen Volkes" verkauft; die Franzosen wissen es freilich besser.* Die einzige Gemeinsamkeit, die jene Bilder erzeugen, ist jedoch die Abscheu aller echten Katholiken (die es damals in beiden Ländern noch gibt) vor der geschmacklosen Selbstinszenierung de Gaulles.


Im übrigen bleiben die Vorbehalte der Deutschen und der Franzosen gegeneinander auf Dauer bestehen.
3. Juli: Algerien erklärt seine Unabhängigkeit; 1,5 Millionen französischer Kolonisten (überwiegend Kleinbauern, abfällig "pieds noirs [Schwarzfüße]" genannt) werden von den Muslimen ermordet oder vertrieben, so sie nicht bereits geflohen sind. Sie wissen, daß De Gaulle sie verraten und verkauft hat und gründen die "Organisation Armée Secrète" (OAS), die insgesamt sieben Attentate auf de Gaulle unternimmt (bis 1963), die jedoch allesamt scheitern.
4.-9. September: Der Staatsbesuch de Gaulles in der Bundesrepublik ist geprägt von großer Skepsis und peinlicher Nichtanteilnahme der Bevölkerung - die sonst ausländischen Staatsgästen wie Queen Elizabeth von England, US-Präsident Kennedy oder Shah Reza Pahlävi von Persien stets begeistert zujubelt. Das grausame Besatzungsregime der Franzosen in Südwestdeutschland - Mord, Vergewaltigung, Plünderung, Brandstiftung waren an der Tagesordnung - und die Ermordung von ca. 100.000 deutschen Kriegsgefangenen im Konzentrationslager von Rennes (Aktenfreigabe erst 1997, nach 50 Jahren) sind noch nicht vergessen. In Bonn - der Stadt Ernst Moritz Arndts - wird ein Fackelmarsch veranstaltet, bei dem dessen altbekannte anti-französische Verse skandiert werden.
28. Oktober: Per Volksentscheid votieren 61% der französischen Wähler für eine Verfassungsänderung, wonach der Staatspräsident direkt vom Volk gewählt wird.
De Gaulle forciert den Aufbau einer französischen Nuklearstreitmacht ("force de frappe").


1963
14. Januar: De Gaulle verhindert den Beitritt Großbritanniens zur EWG (bis 1973).
22. Januar: Adenauer und de Gaulle unterzeichnen im Elysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag, der weitgehend Makulatur bleibt**.

1964
Juli: De Gaulle spricht sich gegen US-Hilfen für Südvietnam aus, da diese seinem Freund Ho Chi Minh schaden könnten.
In Saigon wird daraufhin ein "Tag der Schande" veranstaltet, an dem Figuren de Gaulles und Ho Chi Minhs Hand in Hand verbrannt werden.


1965
19. Dezember: De Gaulle setzt sich im zweiten Präsidentschafts-Wahlgang gegen den Sozialistenführer François Mitterrand durch.

1965/66
Frankreich brüskiert seine EWG-Partner, indem er sieben Monate lang die Tagungen des europäischen Ministerrats boykottiert. Mit dieser "Politik der leeren Stühle" sabotiert er Pläne der Europäischen Kommission zur Reform der Finanzierung der aus dem Ruder gelaufenen Agrarpolitik, die im wesentlichen aus einer extrem hohen Subventionierung der französischen Landwirtschaft durch Milliarden-Zahlungen der BRD besteht, die "Butterberge", "Milchseen" und andere nicht absetzbare "Vorräte" schafft.

1966
21. Februar: In einer Fernsehansprache brüskiert de Gaulle die USA, indem er nach Ablauf der Gültigkeitsdauer des NATO-Vertrages im April 1969 die Unterstellung sämtlicher ausländischer militärischer Einrichtungen in Frankreich unter seinen Oberbefehl fordert.
20.-30. Juni: De Gaulle reist in die Sowjetunion und brüskiert seine Gastgeber, indem er - wie immer und überall - versucht, sich als Führer einer Großmacht aufzuspielen.

[Karikatur]
De Gaulle spielt sich gegenüber Chruschtschow, Adenauer, Eisenhower
und Wilson (v.r.n.l.) als Großmachtpolitiker auf. Auf der 'Weltkarte'
sind die USA zur Größe der britischen Inseln geschrumpft - die ver-
schwunden sind -, die BRD ist ein Wurmfortsatz zur UdSSR, und
Afrika besteht nur aus Algerien. Als 'Vorbilder' hängen an der
Wand: Jeanne d'Arc, Ludwig XIV und Napoléon Bonaparte.

1. Juli: Da die NATO-Partner nicht auf de Gaulles Forderungen eingehen, zieht er die französischen Offiziere aus den integrierten Stäben ab; das NATO-Hauptquartier und die politische NATO-Spitze werden von Paris in die belgische Hauptstadt Brüssel verlegt.

[De Gaulle in Kanada]
1967
Juni: Inmitten der arabischen Kriegsvorbereitungen gegen Israel brüskiert de Gaulle seinen bisherigen Verbündeten Israel mit einem Waffenembargo. Zu seiner unangenehmen Überraschung überrennen die israelischen Truppen dennoch binnen sechs Tagen die verbündeten Araber und besetzen Teile Ägyptens, Syriens und Jordaniens. De Gaulle gewährt zahlreichen "palästinensischen" Flüchtlingen Asyl. Damit beginnt eine massive muslimische Einwanderungswelle, die binnen einer Generation zum größten innenpolitischen Problem Frankreichs wird. Die französische Außenpolitik bleibt künftig Israel-feindlich und Araber-freundlich.***
24. Juli: Bei einem Staatsbesuch in Kanada aus Anlaß der 100-Jahrfeier des Dominion-Status' brüskiert de Gaulle seine Gastgeber durch eine größenwahnsinnige Abschiedsrede, die er mit den Worten schließt: "Es lebe das freie Quebec! Es lebe das französische Kanada! Es lebe Frankreich!"
6.-12. September: Bei einem Staatsbesuch in Polen brüskiert de Gaulle die deutsche Bundesregierung durch seine Forderung nach einer Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.


1968
Die Studentenrevolte der "68er" in Paris und die folgende große Streikwelle erschüttern die letzten Reste von De Gaulles Autorität. Er flieht - wie schon 1940 - feige ins Ausland, diesmal in das von französischen Truppen besetzte Baden-Baden.


1969
Januar: In den USA wird Richard Nixon Präsident, der sich allmählich der Auffassung de Gaulles anschließt, daß man Südvietnam getrost verratenfallen lassen könne.


27. April: De Gaulle verbindet das Referendum über die so genannte Regionalreform und die praktische Abschaffung des Senats mit der persönlichen Vertrauensfrage. Mit 47,5% der Stimmen scheitert der Volksentscheid. Daraufhin tritt de Gaulle als Präsident zurück; er hinterläßt seinem Nachfolger Georges Pompidou einen innen- und außenpolitischen Scherbenhaufen. Seine - linken und rechten - Gegner sprechen in Anspielung auf die ebenso genannten Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert von "libération". Einige erinnern auch an die Parallelen zu seinem Landsmann, dem Grafen d'Artois, der vor Napoléon nach England floh und - nachdem die Alliierten den letzteren vertrieben hatten - als "König Ludwig XVIII" nach Paris zurück kehrte und sich als "Befreier" aufspielte, obwohl er selber zu dieser "Befreiung" keinen Handschlag beigetragen hatte.

1970
Erscheinungsbeginn der zweiten Memoirenserie de Gaulles. Im ersten Band, "Le Renouveau" schildert er die ersten vier Jahre seiner Präsidentschaft. Die neue Folge unter dem Gesamttitel "Memoire d'Espoir" ist auf drei Bände konzipiert.
9. November: Charles de Gaulle stirbt in Colombey-les-deux-Églises und wird dort drei Tage später begraben.
An seiner Beerdigung nehmen u.a. Shah Rehza Pahlävi von Persien und Negus Haile Selassie von Äthiopien teil.


De Gaulles Ansehen wächst, je länger seine Missetaten - Völkermord an den Elsässern, Verrat an den Algerien-Franzosen, Verrat an den Vietnamesen, Verrat an Israel, Grundsteinlegung zur Überfremdung Frankreichs durch militante Muslime - zurück liegen und allmählich in Vergessenheit geraten. Am Ende bewahren die Franzosen Ihrem größten Verbrecher seit Napoléon Bonaparte - ebenso wie diesem - ein ehrendes Andenken.


* * * * *

1984-86
Jean Lacouture veröffentlicht eine dreibändige De-Gaulle-Biografie.


1988
De Gaulle erscheint erstmals auf einer französischen Gedenkmünze.


1997
In Erinnerung an seinen 30 Jahre zurück liegenden Auftritt in Québec wird de Gaulle dortselbst ein Denkmal errichtet - von einer Unabhängigkeit Québecs kann allerdings weiterhin keine Rede sein.


2003/04
Philippe de Gaulle veröffentlicht umfangreiche "Erinnerungen", in denen er den Lebenslauf seines Vaters stark beschönigt.

2005
April: De Gaulle wird von Zuschauern des französischen Staatsfernsehens in Anbetracht seiner Körpergröße von fast 2 m zum "größten Franzosen aller Zeiten (GröFaZ)" gewählt.

2009
April: Der neue "gaullistische" Staatspräsident Nicolas Sarkozy macht de Gaulles Teilrückzug aus der NATO rückgängig; Frankreich wird wieder Vollmitglied.


*Die Kathedrale Notre Dame de Reims war nicht nur Krönungsort der französischen Könige - als deren legitimer Nachfolger de Gaulle sich sah -, sondern wurde nach dem Ersten Weltkrieg - ähnlich wie die Bibliothek von Löwen in Belgien - als Aufhänger für Greuelpropaganda wegen angeblicher deutscher "Kriegsverbrechen" mißbraucht. Zu diesem Zweck hatte Reims 1919 den offiziellen Status einer "Martyrerstadt" erhalten. 1945 mußte die Kapitulation der deutschen Wehrmacht auf Betreiben de Gaulles in Reims unterzeichnet werden.

Die Franzosen des Jahres 1962 verstanden die Symbolik noch genau: Nach Reims kam ein Deutscher nur, um zu kapitulieren und Abbitte für seine Verbrechen zu leisten! (Niemals wäre etwa de Gaulle auf die Idee gekommen, an einer Messe im Kölner Dom teilzunehmen. Bis heute hat noch kein einziger alliierter Politiker eine der im 2. Weltkrieg gezielt zerbombten Kirchen in Dresden, Lübeck oder Würzburg besucht, geschweige denn um dort zu beten.)

**Zum 45. Jahrestag der Vertragsunterzeichnung am 22.01.2008 wird im Deutschlandfunk die (französische) Stellvertretende Generalsekretärin der infolge jenes Abkommens gegründeten "Deutsch-Französischen Hochschule" interviewt. Ihre Deutschkenntnisse bewegen sich auf dem Niveau "ein Jahr Unterricht als Fremdsprache"; sie bezeichnet ihr Unternehmen als "success story" und antwortet auf die Frage, welche Vorteile ein Studium dortselbst den Absolventen gebracht habe: "Wilä won inän abän Schobs in angälsägsisch Ländär gefuhndän."

***Dem steht nicht entgegen, daß es in der französischen Innenpolitik eine starke jüdische Lobby gab und gibt, die erreicht hat, daß Juden im 21. Jahrhundert nicht nur den Staatspräsidenten, sondern auch viele Präfekten und Großstadt-Bürgermeister (u.a. von Paris und StraßburgStrasbourg) stellen. Ende der 1960er Jahre setzte - auch in anderen Ländern - eine Entwicklung ein, die mittlerweile zu einer merkwürdig schizofrenenbemerkenswert differenzierten Wahrnehmung "der" Juden geführt hat: "Gute Juden" sind (nur noch) diejenigen, die verstreut unter allen anderen Völkern der Erde leben; "böse (zionistische) Juden" sind dagegen diejenigen, die es gewagt haben, in die alte Heimat ihrer Vorfahren - allgemein nur noch "Palästina" genannt - zurück zu kehren und dort ein blühendes Staatswesen aufzubauen, da dies den "palästinensischen" Muslimen nicht paßt, die sie in typisch islamischer "Toleranz" nicht neben sich leben lassen wollen.


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