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KARL  DÖNITZ

(1891 - 1980)

[Karl Dönitz]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1891
16. September: Karl Dönitz wird in Grünau bei Berlin als Sohn eines Ingenieurs geboren.

1898
Die Familie zieht nach Jena, wo Dönitz eine Privatschule besucht. Hausnachbar ist der Kommandeur des Infanterie-Regiments 94, der in Dönitz schon früh den Wunsch weckt, Berufsoffizier zu werden.

1910
1. April: Nach seinem Abitur am Weimarer Realgymnasium tritt Dönitz als Seekadett in die kaiserliche Marineschule Kiel-Wik ein.

1911
1. April: Dönitz wechselt als Säbelfähnrich auf die kaiserliche Marineschule in Flensburg-Mürwik.
August: Dönitz wird als Signaloffizier auf den leichten Kreuzer "Breslau" abkommandiert.

1912
15. April: Dönitz wird zum Fähnrich z.S. befördert.
November: Die "Breslau" wird als Blockadeschiff im Balkankrieg in die Adria beordert (bis 1913).

1913
27. September: Dönitz wird zum Leutnant z.S. befördert.

1914
29. Juli: Das englische Linienschiff "King Edward VII" verlegt der "Breslau" vor Durazzo den Weg. (Wie sich herausstellt, hat das vorgeblich noch "neutrale" Großbritannien längst den Krieg gegen das Deutsche Reich beschlossen, lange vor dessen Einmarsch ins "neutrale" Belgien, der dazu später als Vorwand herhalten muß.)
August: Die "Breslau" tritt unter dem türkischen Namen "Midilli" in die Dienste des Osmanischen Reiches und kämpft im Schwarzen Meer gegen russische Einheiten.

1915
Juni: Nachdem die "Midilli" im Bosporus auf eine Mine gelaufen ist, wird Dönitz kurzfristig zur Fliegertruppe versetzt.

1916
27. Februar: Dönitz kehrt auf die wiederhergestellte "Midilli" zurück.
22. März: Dönitz wird zum Oberleutnant z.S. befördert.
Mai: Dönitz heiratet die Generalstochter Ingeborg Weber. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor, die ebenfalls Marineoffiziere werden, und eine Tochter, die später den Marineoffizier Günther Hessler heiratet.
1. Oktober: Dönitz wird zur U-Boot-Flotte abkommandiert und Wachoffizier auf U 39.


1918
28. Februar: Dönitz wird zum Kommandanten von U 25 ernannt.
18. März: Dönitz versenkt die "Cyclops" und erhält dafür das Ritterkreuz der Hohenzollern.
5. September: Dönitz wird zum Kommandanten von U 68 ernannt.
5. Oktober: Dönitz gerät bei einem mißlungenen Angriff auf einen Geleitzug in britische Kriegsgefangenschaft, zunächst auf Gibraltar, dann in Redmires bei Sheffield (bis Juli 1919).

1919
28. Juni: Durch den Versailler Vertrag werden die deutschen Streitkräfte auf ein 100.000-Mann-Heer und eine 15.000-Mann-Marine begrenzt; die meisten Berufsoffiziere werden entlassen.

1920
Dönitz wird in die Reichsmarine der "Weimarer Republik" übernommen. Da der Versailler Vertrag dem Deutschen Reich neben größeren Kriegsschiffen auch jegliche U-Boote verbietet, wird er Kommandant des Torpedoboots T 157 in Swinemünde.

1921
10. Januar: Dönitz wird zum Kapitänleutnant befördert.

1923
Dönitz wird zum Admiralstabsoffizier ausgebildet.

1924
1. Oktober: Dönitz wird Referent für organisatorische Dienstvorschriften bei der Marineleitung in Berlin.

1927
1. Oktober: Dönitz wird Navigationsoffizier auf der "Nymphe".

1928
1. Oktober: Dönitz wird Kommandeur der 4. Torpedoboot-Halbflotille.
1. November: Dönitz wird zum Korvettenkapitän befördert.

1930
1. Oktober: Dönitz wird Erster Admiralstabsoffizier und Leiter der Admiralstabsabteilung Nordsee beim Oberkommando der Kriegsmarine in Wilhelmshaven.

1932
Im Oberkommando der Kriegsmarine wird heimlich der Bau von sechs kleinen U-Booten à 250 Tonnen vorbereitet.

1933
30. Januar: Reichspräsident Paul v. Hindenburg beruft Adolf Hitler, den Führer der NSDAP - der stärksten im Reichstag vertretenen Partei - zum Reichskanzler.
Entgegen allen Erwartungen/Befürchtungen im In- und Ausland bedeutet dies jedoch zunächst keine Vergrößerung der durch den Versailler Vertrag begrenzten deutschen Streitkräfte; vielmehr drängt Hitler die Entente-Mächte, endlich auch selber abzurüsten, wie dies in Versailles vorgesehen war.
1. Oktober: Dönitz wird zum Fregattenkapitän befördert.

1934
30. September: Dönitz erhält das Kommando über den leichten Kreuzer "Emden".

1935
16. März: Nachdem die Entente-Mächte eine Abrüstung endgültig abgelehnt haben, erklärt Deutschland den Versailler Vertrag für hinfällig und führt zur Wiederherstellung seiner Wehrhoheit die allgemeine Wehrpflicht wieder ein.
18. Juni: Im deutsch-britischen Flottenabkommen wird die Stärke der Kriegsmarine-Einheiten im Tonnage-Verhältnis 35:100 (bei U-Booten 45:100*) vereinbart.
22. September: Dönitz wird zum Kommandeur der (1.) U-Boot-Flotille "Weddigen" ernannt.
1. Oktober: Dönitz wird zum Kapitän z.S. befördert.

1936
1. Januar: Dönitz wird zum "Führer der U-Boote (F.d.U.)" ernannt und mit dem Ausbau der U-Boot-Waffe beauftragt, eine Aufgabe, an der er kläglich scheitert. Die deutschen U-Boote bleiben, obwohl der technische Fortschritt längst erhebliche Verbesserungen ermöglicht, auf dem Stand des Ersten Weltkriegs, d.h. reine Tauchboote, die nur für kurze Zeit unter Wasser operieren können. Statt dessen konzentriert sich Dönitz auf eine Verbesserung der Ausbildung, vor allem in Bezug auf nächtliche Überwasserangriffe und Angriffe von U-Boot-Gruppen ("Rudeltaktik" der "grauen Wölfe"). Zudem wird die durch das Flottenabkommen eingeräumte Tonnagemenge selbst an U-Booten alten Stils nie ausgeschöpft.**
Mit diesem Versagen wird Dönitz - ähnlich wie der "Generalluftzeugmeister" Ernst Udet auf dem Gebiet der Luftwaffe - zusammen mit seinem Vorgesetzten und Vorgänger, [Groß-]Admiral Erich Raeder, zu einem der Hauptverantwortlichen für den Untergang der U-Boot-Waffe im Zweiten Weltkrieg und des Deutschen Reiches an dessen Ende.

1939
3. September: Als Großbritannien dem Deutschen Reich den Krieg erklärt, hat letzteres ganze 22 (zweiundzwanzig) hochseetaugliche (Typ VII-)U-Boote zur Verfügung, von denen genau 7 (sieben) einsatzbereit sind. (Demgegenüber verfügt Großbritannien über 47, Frankreich über 78 U-Boote.) Nach Dönitz' eigener Einschätzung wären mindestens 300 Boote erforderlich gewesen, um den Handelskrieg gegen England zu gewinnen. Statt dessen werden zahlreiche neue, kostspielige Schlachtschiffe, Panzerschiffe, Flugzeugträger und leichte Kreuzer auf Kiel gelegt, die sich später als weitgehend wirkungslos erweisen.
17. Oktober: Drei Tage nach Versenkung der "Royal Oak" in Scapa Flow durch U 47 (Kapitänleutnant Prien) wird Dönitz rückwirkend zum 1.10. zum Konteradmiral befördert und seine Dienststellung in "Befehlshaber der U-Boote (B.d.U)" umbenannt.


1940
21. April: Obwohl die U-Boot-Waffe bei der Invasion Norwegens wegen defekter Torpedos auf der ganzen Linie versagt hat, wird Dönitz das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.
1. September: Ein Jahr nach Kriegsbeginn steht die U-Boot-Waffe nach nur 28 Neubauten und ebenso vielen Verlusten noch immer mit ganzen 22 Tauchbooten da. Dönitz wird gleichwohl zum Vizeadmiral befördert.
Im U-Boot-Krieg gegen die alliierten Geleitzüge im Nordatlantik gelingen zunächst trotz zahlenmäßiger Unterlegenheit überraschend große Erfolge, die zeitweise fast zu einer Unterbrechung der britischen Nachschubwege führen. (Im Seekrieg werden 2.800 alliierte Schiffe mit insgesamt 15 Millionen Bruttoregistertonnen durch deutsche U-Boote versenkt, die jedoch bald durch Neubauten vor allem in den USA wieder ausgeglichen werden.)


1941
11. September: Mit der Shoot-on-sight-order Roosevelts - dem Befehl an die US-Kriegsmarine, deutsche Schiffe ohne Vorwarnung anzugreifen - treten die USA auch militärisch in den Krieg gegen die Achsenmächte ein. Die deutsche Seite reagiert drei Monate lang nicht.
11. Dezember: Bei offiziellem Beginn des Krieges gegen die USA verfügt Dönitz über 91 U-Boote, davon ganze 12 (zwölf) im Atlantik, 23 im Mittelmeer, der Rest liegt zur Reparatur in den Werften.


1942
14. März: Dönitz wird zum Admiral befördert.
12. September: U 156 versenkt den britischen Truppentransporter Laconia. Anschließend taucht das U-Boot auf, nimmt die Schiffsbrüchigen an Bord und kennzeichnet sich durch Rot-Kreuz-Flaggen. Daraufhin bombardieren alliierte Kampfflugzeuge das U-Boot und die Rettungsboote und töten dabei mehrere der Geretteten (darunter zahlreiche italienische Kriegsgefangene).*** Dönitz befiehlt daraufhin, künftig keine alliierten Schiffsbrüchigen mehr zu retten.
28. September: Dönitz informiert Hitler erstmals über die Möglichkeit, echte Unterseeboote zu bauen, die längere Zeit unter Wasser operieren können. (Konstruktionspläne dafür hatte der Kieler Ingenieur Helmuth Walter dem Oberkommando der Kriegsmarine bereits 1934 vorgelegt, ohne damit ernst genommen zu werden.)


1943
31. Januar: Dönitz wird zum Großadmiral befördert und zum Oberbefehlshaber der Kriegsmarine ernannt. Er löst damit Großadmiral Raeder ab, der wegen des erfolglosen Einsatzes der schweren Kriegsschiffe und seiner Abneigung gegen die U-Boot-Waffe bei Hitler in Ungnade gefallen ist.


31. Mai: Nachdem durch den Einsatz technischer Neuerungen bei den Alliierten (vor allem des deutscherseits völlig vernachlässigten und unterschätzten Radars) fast alle noch im Atlantik eingesetzten deutschen U-Boote verloren gegangen sind (wobei auch Dönitz' Söhne den Tod gefunden haben; die U-Boot-Männer haben mit fast 75% den höchsten Prozentsatz an Gefallenen aller Waffengattungen, einschließlich der Waffen-SS) erwirkt Dönitz bei Hitler die vorläufige Einstellung des U-Boot-Krieges im Atlantik, bis die neuen (Typ-XXI-)U-Boote einsatzbereit sind. Bis dahin ist der Krieg jedoch bereits zugunsten der Alliierten entschieden.


1945
1. Mai: Dönitz, den Hitler testamentarisch zu seinem Nachfolger als Reichspräsident bestimmt hat, übernimmt die Regierungsgewalt und den Oberbefehl der Wehrmacht. Per Rundfunk fordert er zur Fortsetzung des Kriegs im Osten auf.
3. Mai: Von Flensburg aus versucht Dönitz die zentrale Lenkung einer stufenweisen Kapitulation, um Rückzug und Flucht von Armee und Zivilbevölkerung aus den Ostgebieten so lange wie möglich offen zu halten.
8. Mai: Dönitz erklärt die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht.
23. Mai: Dönitz wird in Flensburg von den britischen Besatzern für abgesetzt erklärt und verhaftet.


1946
1. Oktober: Dönitz, der vor dem interalliierten Kriegsverbrecher-Tribunal in Nürnberg wegen "Vorbereitung eines Angriffskriegs", "Teilnahme an einem Angriffskrieg", "Kriegsverbrechen" und "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" angeklagt worden ist, wird zu zehn Jahren Haft verurteilt, der "Mindesstrafe für erwiesene Unschuld", wie sein Verteidiger Kranzbühler meint.****


1953
Der Versuch, die Alliierten zu einer vorzeitigen Entlassung von Dönitz zu bewegen, scheitert an Gerüchten, wonach Otto Skorzeny aus seinem spanischen Exil zurück gekehrt sein soll, um Dönitz aus dem Spandauer Gefängnis zu befreien und ihn zum Staatsoberhaupt zu machen, um einen deutschen Aufstand gegen die alliierten Besatzer zu entfachen. Dönitz quittiert das mit dem - einer Begnadigung nicht eben förderlichen - Satz: "Ich bin das legale Staatsoberhaupt Deutschlands, und das bleibe ich auch, bis ich sterbe."*****

1956
1. Oktober: Dönitz wird aus dem Spandauer Kriegsverbrecher-Gefängnis entlassen. (Da seine Untersuchungshaft nicht angerechnet worden ist, hat er insgesamt elfeinhalb Jahre abgesessen.)


1958
Dönitz veröffentlicht seine ersten Memoiren unter dem Titel "Zehn Jahre und zwanzig Tage", die auch ins Englische übersetzt und ein großer Verkaufserfolg werden. Er gibt sich darin als unpolitischer, dem NS-Regime eher distanziert gegenüberstehender Soldat und Offizier. Dadurch wird er vorübergehend zu einer wichtigen Identifikationsfigur für die Traditionsbildung der neu aufgestellten Bundesmarine.


1963
Die Dönitz-Biografie von Fritz-Otto Busch erscheint.

1968
Dönitz veröffentlicht seine zweiten Memoiren unter dem Titel "Mein wechselvolles Leben".

1974
Die Dönitz-Biografie von Peter Padfield erscheint unter dem Titel "The Last Führer [Der letzte Führer]".
(Die deutsche Übersetzung erscheint unter dem reißerischen Titel "Des Teufels Admiral".)


1978
Walter Lüdde-Neurath veröffentlicht das Buch "Regierung Dönitz. Die letzten Tage des Dritten Reiches".


1980
24. Dezember: Karl Dönitz stirbt am Heiligabend in Aumühle (Schleswig-Holstein).


1981
6. Januar: Dönitz wird am Dreikönigstag in Aumühle beerdigt. Bundesverteidigungsminister Hans Apel (SPD, ungedient) verbietet den Angehörigen der Bundesmarine, an seiner Beerdigung teilzunehmen. (Dönitz war zu diesem Zeitpunkt neben Hans Ulrich Rudel (+1982) und Rudolf Hess (+1987) der meistgefürchtete "alte Nazi" - was zu sein er stets bestritten hatte).

1983
Die Dönitz-Biografie von Karl Alman erscheint.

2005
Der Fernseh-"Historiker" Guido Knopp greift den über 30 Jahre alten Titel "Des Teufels Admiral" auf, um den leidgeprüften Zuschauern des Staatssenders ZDF eine tendenziöse "Dokumentation" über Dönitz zuzumuten.

2008
14. Juni: Zum fiktiven "160. Geburtstag der deutschen Marine" hält Michael Salewski, em. Professor für Neuere Geschichte an der Universität Kiel - der den größten Teil seiner "wissenschaftlichen" Laufbahn mit dem Versuch zugebracht hat, Admiral Raeder von dem Vorwurf rein zu waschen, ein Nazi, Kriegsvorbereiter und Kriegsverbrecher gewesen zu sein - in der Frankfurter Paulskirche eine Ansprache, in der er sich nicht entblödet, Dönitz als "Verschmelzung des absolut Bösen mit der personell höchsten Spitze der Marine" zu bezeichnen. Als leuchtendes Gegenbeispiel stellt er den britischen Marine-Lord und späteren Premierminister Winston Churchill hin, der auch im Krieg an seinen "demokratisch-liberalen Idealen fest gehalten" habe.******


*Die U-Boot-Quote wurde später einvernehmlich auf 1:1 erhöht. (Die Briten hielten die U-Boot-Waffe nach der Entwicklung des akustischen Ortungssystems ASDIC für überholt.)

**Selbst bei Ausschöpfung von nur 45% der britischen Tonnage hätte Deutschland für 24.000 t U-Boote bauen dürfen, d.h. entweder 96 des 250-Tonnen-Typs II oder 48 des 500-Tonnen-Typs VII, bei 100% Ausschöpfung 200 bzw. 100 U-Boote. Aber selbst nach Kündigung des deutsch-britischen Flottenabkommens im April 1939 geschah nichts dergleichen. Hitler lehnte eine Vergrößerung der U-Boot-Flotille im Juli 1939 mit der Begründung ab, daß es "keinesfalls zu einen Krieg gegen England" kommen werde.

***Während die deutsche Marine Anweisung hatte, feindliche Schiffsbrüchige grundsätzlich zu retten, hatten die Alliierten Anweisung, deutsche Schiffsbrüchige nicht nur nicht zu retten, sondern auch keine Gefangene zu machen, sondern sie nach Möglichkeit zu töten. Dem lag ein Befehl des jüdischenbritischen Premierministers Palmerstone aus dem Jahre 1849 zugrunde, wonach deutsche Marineangehörige grundsätzlich wie Piraten zu behandeln seien.

****Dies ist schwerlich zutreffend, da es auch Freisprüche gab. Richtig ist, daß Dönitz von den letzten beiden Vorwürfen freigesprochen wurde, nachdem Admiral Chester W. Nimitz - der wie Dönitz zunächst B.d.U., dann Oberbefehlshaber der U.S. Navy war - den Mut hatte, als Zeuge zu erklären, daß nicht die deutsche Marine Kriegsverbrechen begangen hatte - eine Pflicht zur Rettung feindlicher Schiffsbrüchigen bestand nach internationalem Kriegsrecht nicht -, sondern vielmehr die U.S. Navy, indem sie auf feindliche Schiffsbrüchige - und feindliche Schiffe, die alliierte Schiffsbrüchige zu retten versuchten - schoß. (Nach dieser Erklärung war Nimitz in den USA gesellschaftlich erledigt; er starb 20 Jahre später im chilenischen Exil.) Da Roosevelt bereits tot war, konnte er nicht mehr als Zeuge zu der Frage gehört werden, wer den Zweiten Weltkrieg tatsächlich als Angriffskrieg vorbereitet und geführt hatte, so daß Dönitz nach den ersten beiden Punkten verurteilt wurde, was umso absurder war, als er von Rechts wegen von einem deutschen Gericht wegen mangelhafter Kriegsvorbereitung zum Tode hätte verurteilt werden müssen.

*****Auch dies ist schwerlich zutreffend: Weder nach der - 1945 noch immer in Kraft befindlichen - Reichsverfassung von 1919 noch nach dem "Gesetz über das Staatsoberhaupt" von 1934 konnte das letztere seinen Nachfolger einfach testamentarisch bestimmen; dieser hatte vielmehr vom Volk gewählt zu werden. (Und selbst wenn die alliierten Besatzer 1945 in Deutschland freie Wahlen zugelassen hätten - was indes illusorisch war, da sie das nicht mal in ihren eigenen Staaten taten - hätte Dönitz diese wohl kaum gewonnen.) Dönitz war folglich weder "der letzte Führer" noch "Hitlers Erbe"; dessen Testament war vielmehr in diesem Punkt schlicht unwirksam.

******Um seinen Lesern eine bespielhafte Vorstellung von dem zu vermitteln, was in den 1970er Jahren an deutschen Universitäten zu "ordentlichen Professoren" für Geschichte gemacht wurde, um als solche Jahrzehnte lang Geschichts-Lehrer auszubilden, verlinkt Dikigoros hier die Rezension eines "wissenschaftlichen Standardwerks" von Salewski zum Ersten Weltkrieg, wobei er versichert, nicht selber der Rezensent zu sein. Dikigoros kennt Salewski jedoch persönlich und kann bestätigen, daß dessen Kenntnisse im Fach Geschichte nicht über die eines Obersekundaners der 1950er oder 1960er Jahre hinaus gingen und gehen; seine Berufung nach Kiel verdankte er der Fürsprache der Herren Ruge und Hubatsch.

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