Die Geschichte der Buren
Von der Landung am "Kap der guten Hoffnung" bis zum
Burenkrieg
Im Jahre 1488 entdeckte der Portugiese
Bartholomäus Diaz an der Südspitze Afrikas völlig zufällig eine weit in
den Ozean vorspringende Felsnadel, die er angesichts des schlechten
Wetters "Kap der Stürme" nannte. Er war damals mit zwei Karavellen
unterwegs, die wir heute als lächerliche Nußschalen bezeichnen würden -
den Eingeborenen erschienen sie als unheilvolle Ungetüme. Sein König gab
der Felsnadel den Namen "Kap der guten Hoffnung", da man sich auf diesem
Weg eine Verbindung auf dem Seeweg nach Indien erhoffte. Diese war damals
für den Handel von ernormer Wichtigkeit, und so dauerte es nur elf Jahre,
bis es Vasco da Gama gelang Afrika zu umsegeln. Den Portugiesen folgten
bald Dänen, Engländer, Holländer und Franzosen und immer diente die Bucht
am Kap als Landestation zur Aufnahme von Frischwasser.
Jan van
Oldenbarneveldt hatte die konkurrierenden Kaufleute in der United
Chartered East India Company, der ersten Aktiengesellschaft der Welt,
zusammengeschlossen. Als das, dieser Gesellschaft gehörende Ostindienboot
"Haarlem" vor der Kapküste sank, rettete sich die überlebende Besatzung in
der Tafelbucht, wo sie bis zu ihrer Bergung einige Monate ausharren mußte.
Aufgrund ihrer Erzählungen von einem fruchtbaren, klimatisch erträglichen
und nur dünn besiedelten Land, zogen am 6. April 1652 die ersten
europäischen Siedler unter Leitung von Jan van Riebeeck nach Südafrika und
gründeten Kapstadt. Im Jahre 1713 legte ein Schiff der Kompanie in
Kapstadt an. Sklaven brachten Kleider zum Waschen an Land, doch diese
waren von ostasiatischen Pockenkranken getragen worden und rasch breitete
sich diese, bis dahin in Südafrika unbekannte Krankheit unter den
Eingeborenen aus, bis ein ganzes Volk nahezu ausgerottet war. Die
Eingeborenen waren Hottentotten und Buschmänner, Vertreter einer braunen
Pygmäenrasse.
Die junge Kolonie entwickelte sich erfolgreich. Zu
den Holländern gesellten sich viele Deutsche und Österreicher, aber auch
Dänen, Schweden und Hugenotten. Aus diesen Einwanderern bildete sich nach
und nach eine Nation mit eigener Sprache: die Buren ("Bauern") oder
Afrikaner, deren frühere Abstammung noch an den Familiennamen erkennbar
ist. Die Swart, van Heerden und Van Rooy sind holländisch-flämischen, die
Badenhorst, Krüger, Pelzer, Steyn und Schumann deutschen und die Du
Plessis, de Villers und Malan französischen Ursprungs.
Die
Ostindische Kompanie, die ihre Nachfolger in Holland in geheimer Sitzung
selbst bestimmte, hatte in ihren Kolonien unbeschränkte Vollmachten. Sie
setzte als Vertreter einen Gouverneur ein, übte absolute Gerichtsbarkeit
aus, oder setzte die Preise für Vieh, Saatgut, Gemüse und Wein willkürlich
fest. So erlebte Kapstadt zeitweise schlechte, aber auch blühende Zeiten
unter einem gerecht denkenden und weitblickenden Gouverneur. Insgesamt
entwickelte sich die Kolonie aber erfolgreich. Kapstadt hatte Ende des 18.
Jahrhunderts bereits 1200 Häuser, teils in schönem holländischen Barock,
die Kolonie insgesamt 27.000 weiße Einwohner.
Die Lage änderte
sich mit Beginn des 19. Jahrhunderts, als Napoleon Holland besetzte, die
Ostindische Komapnie ihre Tore schloß und England die Kolonie Hollands
gegen eine Entschädigung von sechs Millionen Pfund annektierte. Engländer
übernahmen die Herrschaft in Kapstadt, und mit ihnen kam ein Strom von
Einwanderern, Beamten, Offizieren, Farmern und Händlern aus
Grossbritannien. Die örtlichen Amtsträger erhielten nur noch wenig
Bewegungsfreiheit, es kam zu Konflikten zwischen englischen Missionaren
und den Buren. Rebellische Farmer, die sich gegen die englische
Gerichtsbarkeit auflehnten, wurden gehängt. London verfügte die
Freilassung von 34.000 Sklaven, die erst wenige Jahre zuvor von der
englischen Verwaltung an die Farmer teuer verkauft worden waren. Nicht
alle Freigelassenen wurden Tagelöhner, mancher wurde Landstreicher und
Viehräuber, ohne daß die englische Verwaltung in der Lage gewesen wäre,
die Farmer hinreichend vor ihnen zu schützen. Immer stärker wuchs der Hass
gegen die englische Fremdherrschaft, Unterdrückung, Bevormundung. So zogen
im Jahre 1835 über 10.000 Menschen mit ihren Ochsenwagen, Vieh und all
ihrem Hab und Gut gen Norden in ein ihnen nahezu unbekanntes, unwirtliches
Land. Ihr Haus und Hof, ihre angestammte Heimat ließen sie schweren
Herzens hinter sich, der ersehnten Freiheit zum Opfer. Der "Große Treck"
ging über die Glutsteppe des südafrikanischen Hochvelds, über die Flüsse
Oranie und Vaal, durch die Schluchten und unwegsamen Pässe der
Drakensberge, durch dichten Busch bis an die Nähe Natals und bis hinauf
zum Limpopo. Sie nannten sich Voortrekker, "Pioniere".
Drei Jahre
dauerte diese Wanderung und sollte das Volk der Buren tief prägen. Sie
fanden ein Land, nur spärlich von Buschmännern besiedelt und unwirtlich,
aber sie waren frei von englischer Kolonialherrschaft. Der Hauptteil der
Trekker ließ sich in Transvaal nieder, wo 1836 die erste Republik
ausgerufen wurde. Kurze Zeit später drangen von Norden her Angehörige des
Matabele-Stammes in Transvaal ein und stellten Besitzansprüche. Die
Voortrekker verschanzten sich in ihren Wagenburgen und siegten schließlich
am 17.01.1837. Doch nicht alle Buren waren sich einig, hier das verheißene
Land gefunden zu haben. Ein Teil der Buren suchte weiter im Norden ihr
Heil. Etwa 600 andere liefen in Natal in die Falle eines Zuluhäuptlings
und wurden ermordet. Ein anderer Burenführer rächte diese Opfer. Der 16.
Dezember ist seither zum Nationalfeiertag geworden. Dieser Burenführer
gründete die Republik "Natalia". Kurze Zeit später landeten jedoch die
Engländer an der Küste und trieben die Buren zurück nach Transvaal.
1844 wurde in Transvaal die erste Verfassung genehmigt. Darin
wurde u.a. die Sklaverei verboten und der Schutz des für die Bantu
reservierten Landes festgeschrieben. Am 17.01.1852 erkannte England die
Unabhängigkeit Transvaals an. Zwei Jahre später wurde ein zweiter
Burenstaat gegründet, der Oranjefreistaat. Damit hatten die Buren ihr Ziel
erreicht: Die ersten beiden, von Europa unabhängigen Republiken mit je
einem, vom Volk gewählten Präsidenten, einem Volksraad als
Einkammerparlament, einer guten Gerichtsbarkeit und den Heemrade als
Provinzialverwaltungen.
Doch die erreichte Freiheit war keineswegs
ungefährdet, für ein Volk, wenige 10.000 Menschen zählend, umgeben von zum
Teil kriegerischen Bantustämmen, in einem Raum, der im Zeitalter der
Kolonisation zunehmend strategische und wirtschaftliche Bedeutung
erlangte. So gelang es dem früheren Missionar Theophilus Shepstone als
Spezialkommisar den zu jener Zeit nicht sehr erfolgreichen Präsidenten
Transvaals zu entlassen und die Republik am 12.04.1877 unter englische
Krone zu stellen. Da erwachte der Widerstand, getragen von Paul Krüger als
Vizepräsidenten. Es folgten zwei Reisen nach London, um gegen die
Annektierung zu protestieren - vergeblich! Daraufhin kamen die Buren den
Briten auch nicht zu Hilfe, als sich in der benachbarten englischen
Kolonie der Stamm der Zulu erhob. Als die englische Besatzungsmacht
daraufhin zur Deckung der Kriegskosten Steuern erhob, brachen in Transvaal
Unruhen aus. Um Ohm Krüger bildete sich eine provisorische Burenregierung
mit dem Ziel, die Unabhängigkeit der Republik wiederherzustellen. Die
Buren verfügten lediglich über 7.000 Mann und geringe Munitionsvorräte,
die britische Weltmacht hatte hingegen die stärkste Flotte der Welt, mit
der sie jede beliebige Truppenmacht, jeden Nachschub an Waffen, Munition
und Ausrüstung nach Afrika transportieren konnte. Um so mehr erstaunte die
Welt, als die Buren ihren Eersten Vryheidsoorlog, ihren "ersten
Freiheitskrieg" 1881 gewannen. Die Engländer hatten den Krieg zu wenig
ernst genommen, den Feldzug strategisch schlecht vorbereitet.
Mit
dem diplomatischen Geschick Paul Krügers gelang es, daß den Transvaalern
in den darauffolgenden Friedensverhandlungen freie Selbstregierung unter
britischer Oberhoheit zugestanden wurde. Aber auch damit war Krüger noch
nicht zufrieden. Er reiste als neuer Präsident Transvaals nach London, in
das Zentrum des Weltreiches, verhandelte mit Joseph Chamberlain - bis er
am 27.02.1884 die Freiheit Transvaals wiederhergestellt hatte.
Doch bald schon sollte neues Unheil die lang ersehnte Freiheit
wieder zerstören: In Transvaal wurden die damals reichsten Goldlager der
Welt entdeckt. Auch Präsident Krüger, der die seinem Land drohende Gefahr
erkannte, gelang es nicht, den 1886 beginnenden Goldrausch zu verhindern.
Massen abenteuerlicher Goldsucher, profitgieriger Händler und
leichtlebiger Glücksritter vornehmlich englischer Herkunft strömten in das
bisher rein bäuerliche, dünnbesiedelte Land, so daß es schließlich mehr
Uitlanders, "Ausländer", als Buren gab. Die Buren standen plötzlich vor
bisher nicht gekannten Schwierigkeiten, die durch das fordernde Verhalten
der britischen Regierung noch vergrößert wurden. Unruhen wurden
angestiftet und kurzentschlossen ließ Cecil Rhodes, Engländer und seit
1890 Premierminister der Kapkolonie, ohne vorangehende Kriegserklärung ein
kleine Truppe gewaltsam in Transvaal einfallen. Doch die Wachsamkeit der
Buren zwang die Engländer nach kurzem Gefecht am 02.01.1896 zur Aufgabe.
Ohm Krüger löste den Zwischenfall mit diplomatischem Geschick und lieferte
die Anführer zur Aburteilung an England aus. Anläßlich des Sieges
erhielten die Buren von Kaiser Wilhelm II. von Deutschland vor 104 Jahren
ein Glückwunschtelegramm, die "Krügerdepesche".
Doch die
Spannungen zwischen Engländern und Buren waren nicht beigelegt, sondern
wuchsen noch mehr. Nach den Erfahrungen des ersten Krieges wollten sich
die Engländer nicht noch ein zweites Mal überrumpeln lassen, sondern
bereiteten ihren Aufmarsch sorgfältig vor. Präsident Krüger, der sich
nicht kampflos geschlagen geben lassen wollte, hatte nur die Möglichkeit
eines Überraschungsangriffs, um nicht vor der Übermacht der Weltmacht
erdrückt zu werden. So erklärte er am 21.11.1899 den Krieg, um die
Freiheit der Burenrepublik zu retten. In den ersten Wochen des "zweiten
Freiheitskrieges" errangen die Buren eine Reihe von Siegen, doch dann
änderten die Engländer ihre Strategie. Während die Buren anfangs etwa
50.000, später nur noch 20.000 Mann waren, hatte England 300.000 Mann zur
Verfügung. Die Buren mußten bald erkennen, daß sie in offener Feldschlacht
der britischen Feuerüberlegenheit nicht mehr gewachsen waren. Die
Engländer besetzten Kimberley, dann Bloemfontein, die Hauptstadt des
Oranjefreistaats, der am 29.05.1900 annektiert wurde; es folgte Pretoria
und schließlich wurde am 01.09.1900 auch Transvaal annektiert. Präsident
Krüger eilte nach Europa, wo er vergeblich tatkräftige Unterstützung für
sein Vaterland suchte. Trotz allen Unglücks leisteten die Buren
Widerstand, kämpften für ihre Freiheit, während die Engländer mit immer
grausameren Methoden versuchten, den Willen der Buren zu brechen. So
sperrten sie über ein Drittel der Gesamtbevölkerung, 122.000
Zivilpersonen, hauptsächlich Frauen und Kinder in Konzentrationslager, wo
unter grausamen Bedingungen mindestens jeder vierte qualvoll ums Leben
kam. Damit hatte Großbritannien eine der schrecklichsten Einrichtungen der
Menschheit erfunden. Nach zwei Jahren war das ganze Land ausgebrannt,
ausgehungert, die Farmen zerstört, das Vieh verschleppt, die Brunnen
zugeschüttet oder vergiftet. Das war das Ergebnis des ersten Krieges im
Jahrhundert der Kriege ohne Gnade.
Hagen |