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SIRIMĀWO  BHÃDĀRNĀYKE

(17.04.1916 - 10.10.2000)

[Sirimawo Bhandarnayke]

Tabellarischer Lebenslauf
zusammengestellt von
Nikolas Dikigoros

1916
17. April: Sirimāwo Ratwatte wird in Balangoda geboren. Ceylon ist seit 1803 eine "Kronkolonie" Großbritanniens*, das seit 1914 einen Weltkrieg führt, um sein "Empire" (ca. ein Drittel der bewohnten Erde) noch weiter zu vergrößern.



1917-19
Am Ende des Krieges verweigern die Briten den Ceylonesen - wie den anderen Indern auch - die zuvor versprochene Unabhängigkeit. Dagegen wird - ähnlich wie auf dem Festland - erst die "Ceylon Reform League", dann der "Ceylon National Congress" gegründet, die jedoch infolge von Streitigkeiten zwischen Siηhalesen und Tamilen mehr sich selber bekämpfen als die britischen Kolonialherren.

1926
Sirimāwo wird in die Klosterschule der Heiligen Brigitte in Colombo aufgenommen. (Sie konvertiert jedoch nicht zum christlichen Glauben, sondern bleibt Buddhistin.)

1939
3. September: Zwei Tage nach Beginn des Polenfeldzugs bricht Großbritannien den nächsten Weltkrieg gegen das Deutsche Reich vom Zaun. Erneut versprechen die Briten ihren Kolonialvölkern - die sie wieder als bevorzugtes Kanonenfutter verheizen - die Unabhängigkeit nach Kriegsende.

1940
Sirimāwo heiratet den Rechtsanwalt und Gründer der "Siηhala Mahā Sabhā" Solomon Dias Bhãdārnāyke jr. (Aus der Ehe gehen zwei Söhne und eine Tochter hervor.)

1945
August: Nach dem Abwurf zweier US-amerikanischer Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki endet der Zweite Weltkrieg.
Wie schon nach dem Ersten Weltkrieg denken die Briten zunächst nicht daran, ihre Unabhängigkeits-Versprechungen einzulösen.

1946
Nach schweren Meutereien auf dem indischen Festland, deren die Briten nicht mehr Herr werden, beschließen sie, ihre indischen Kolonien nun doch schrittweise aufzugeben. Solomon Bhãdārnāyke bringt die S.M.S. in eine "United National Party" genannte Blockpartei ein.


1947
Juni: Großbritannien "befördert" Ceylon zum "Dominion".
15. August: Großbritannien gibt seine Herrschaft über Indien auf.

1948
Februar:

1951
Solomon Bhãdārnāyke verläßt die U.N.P. und gründet die "Sri Lanka Freedom Party". Zu deren Zielen zählt die Einführung des Siηhala als alleinige Amtssprache, des Buddhismus als Staatsreligion und des Sozialismus als Regierungsform.

1956
Solomon Bhãdārnāyke wird Premierminister und beginnt, seine Wahlversprechen umzusetzen: Verstaatlichung der Wirtschaftsbetriebe, Bruch mit Großbritannien u.a. westlichen Ländern, Diskriminierung des Englischen und des Tamul.

1958
Wider Erwarten sind nicht einmal die von den "Reformen" Begünstigten mit der Politik Solomon Bhãdārnāykes zufrieden. Im ganzen Land beginnen bürgerkriegsähnliche Unruhen.

1959
25. September: Solomon Bhãdārnāyke wird von einem buddhistischen Mönch erschossen. Als seine Witwe übernimmt Siwimāwo die Führung der S.L.F.P.**

1960
Juli: Die S.L.F.P. gewinnt die Parlamentswahlen; Sirimāwo Bhãdārnāyke wird Premier-Ministerin.

1964
.

1965
März: In den südindischen Bundesstaaten kommt es zu Unruhen, als die Regierung Hindi anstelle von Englisch als Amtssprache in ganz Bhārat einführen will. Indirā - die selber sowohl Englisch als auch Hindi fließend spricht - reist nach Madrās und legt den Streit bei: Künftig sind beide Sprachen Amtssprachen. Im folgenden kommt es zu einer vernünftigen Neuordnung der Bundesstaaten nach Sprachgrenzen, die ihr Vater stets abgelehnt hatte.


September: Während Indirā Urlaub in Kashmīr macht, bricht ein zweiter Krieg zwischen Bhārat und Pākistān um diese Provinz aus. Die Sowjet-Union vermittelt einen Waffenstillstand ohne territoriale Veränderungen.

1966
Januar: Als Premierminister Shastri nach Taschkend fliegt, um den Friedensvertrag zu unterzeichnen, stirbt er dortselbst; Indirā folgt ihm im Amt.

1966-71
Indirās Beliebtheit beim Volk nimmt infolge von Wirtschaftskrisen, Hungersnöten u.a. Problemen allmählich ab.

1971
Dezember: Mit Unterstützung der USA und Rotchinas beginnt Pākistān einen dritten Krieg gegen Bhārat. (Dennoch entblödet sich US-Präsident Nixon nicht, Bhārat als den "Aggressor" zu bezeichnen und es damit noch weiter in die Arme der Sowjet-Union zu treiben.)


Da die Bevölkerung in "Ost-Pakistan" (Bengalen) von ihrem Regime nichts mehr wissen will und die Truppen Bhārats - insbesondere die Einheiten der Sikhs, die auch einen Großteil des Offizierskorps der anderen Verbände stellen - denen "West-Pakistans" an Kampfmoral und Know-how weit überlegen sind, endet der Krieg nach nur zwei Wochen mit der Kapitulation Pakistans.
[West-]Pakistan erkennt die Unabhängigkeit von "Ost-Pakistan" (künftig "Bangla Desh") an, ebenso die Zugehörigkeit von Ost-Kashmīr zu Bhārat. (Indirā verzichtet - gegen den Rat ihres Verteidigungsministers - darauf, ganz Kashmīr zu annektieren, und legt damit den Grundstein für eine Bewegung, die Kashmīr notfalls auch unter muslimischem Vorzeichen wiedervereinigen will.)


1972
März: Bei den Parlamentswahlen gewinnt der Congress mehr als zwei Drittel der Abgeordneten. Indirā ist auf dem Gipfel ihrer Popularität. Diese schwindet jedoch nach erneuten Wirtschaftskrisen und Hungersnöten erneut sehr schnell. Die "Grüne Revolution", die zur landwirtschaftlichen Autarkie Bhārats führen sollte, scheitert vor allem am ungebremsten Bevölkerungswachstum (die Einwohnerzahl übersteigt Ende des Jahrhunderts die Milliardengrenze), dem Indirā erst mit Prämien für freiwillige Sterilisationen, dann mit Zwangssterilisationen in kinderreichen Familien der Unterschicht zu begegnen sucht, was sie bei den kinderliebenden Indern viele Sympathien kostet.5 Vor allem in den Randprovinzen Panjāb, Asām und Keral, aber auch in Bihār und Bengalen kommt es zu - meist kommunistisch gelenkten - Unruhen.
Mai:

1975
Mai: Indirā annektiert - nach einer "Volksabstimmung" zweifelhafter Art und Güte - das kleine Himālay-Königreich Sikkim.
(Als Reaktion darauf beginnt die Wühlarbeit der Rotchinesen im benachbarten Königreich Nepāl, wo 30 Jahre später die Maoïsten die Macht ergreifen.)
Juni: Indirā ruft den Notstand aus, wirft die Anführer der "außer-parlamentarischen Opposition" ins Gefängnis und läßt die anstehenden Wahlen "vertagen".


1977
März: Gegen den Rat ihres Sohnes Sanjay schreibt Indirā kurzfristig Wahlen aus, die sie deutlich verliert.
Neuer Premierminister wird Morar Desai, der Indirā und Sanjay verhaften und dafür alle Polit- und sonstigen Verbrecher frei läßt, die in den letzten zwei Jahren ins Gefängnis gekommen waren. Eine Welle der Kriminalität überrollt Bhārat. Indirās Popularität beginnt wieder zu steigen.


1980
Januar: Bei Neuwahlen gewinnt Indirā die absolute Mehrheit und wird wieder Premierministerin. Bald hat sie erneut mit Unruhen in Kashmīr, Asām und vor allem im Panjāb zu kämpfen, wo militante Sikhs einen eigenen Staat ("Khalistān") fordern.


1981
Februar: Indirās Sohn Sanjay kommt bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.6

1983
Dezember: Sant Jarnail Singh Bhindranwale, der Anführer der militanten Khalistān-Befürworter, verschanzt sich mit seinen Anhängerm - zu denen u.a. der ehemalige Fallschirmjäger-General Shabeg Singh7 zählt - im Bezirk des "Goldenen Tempels" in Amritsar, dem Heiligtum der Sikhs.


Sant Jarnail Singh Bhindranwale * * * * * Der Tempelbezirk in Amritsar mit dem "goldenen Tempel" Harmandar Sahib (links) und dem Akal Tākhat Sahib (rechts)

1984
5./6. Juni: Indirā - in religiösen Dingen ebenso indifferent wie ihr Vater und ihr Großvater8 und entsprechend rücksichtslos - läßt den Tempelbezirk mit Waffengewalt stürmen und alle dort angetroffenen Personen töten.9
Damit macht sie Bhindranwale (hinter dem bis dahin nur eine Minderheit der Sikhs stand - bei Wahlen erzielte er keine nennenswerten Erfolge) zum Martyrer und sich selber Millionen Sikhs zu Todfeinden; sie will dies freilich nicht wahr haben und hält demonstrativ an ihren Sikh-Leibwächtern fest.
31. Oktober: Indirā Gāndhī wird von zwei ihrer Sikh-Leibwächter erschossen.
Eine sechsstellige Anzahl von Sikhs wird anschließend Opfer von Pogromen aufgebrachter Hindus10; das Verhältnis zwischen den beiden Religionsgemeinschaften ist auf absehbare Zeit vergiftet.


Indirās politisches Erbe tritt ihr Sohn Rājiw an. Er fällt 1991 als Premierminister ebenfalls einem Attentat zum Opfer.


*Entgegen weit verbreiteter Ansicht war Ceylon zuvor keine Kolonie anderer europäischer Mächte. (Allerdings hatte es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Invasionen vom indischen Festland gegeben, in deren Folge sich zahlreiche Tamilen vor allem im Norden der Insel ansiedelten.) Im 16. Jahrhunderts hatten die Portugiesen einige Handelsstützpunkte an der Küste errichtet, die im 17. Jahrhundert an die Holländer fielen. Ende des 18. Jahrhunderts nahmen die Briten die Napoleonischen Kriege zum Vorwand, jene holländischen Stützpunkte zu überfallen. Danach eroberten sie in fast zwei Jahrzehnten blutiger Kriege die gesamte Insel, zerstörten das alte Königreich Kandy, verhafteten und deportierten den letzten König als "Kriegsverbrecher" und machten Ceylon zu ihrer Kolonie. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ließen sie erst Kaffee, später Tee anbauen; für die Arbeit auf den Plantagen brachten sie weitere Tamilen ins Land. Zu ihren bevorzugten "eingeborenen" Kollaborateuren zählten die siηhalesische Familie Ratwatte-Dissawa und die jüdisch-portugiesischen Familie Dias-Bhãdārnāyke, die zur Anglikanischen Kirche konvertierte. Solomon D.-B. - Sirimāwos späterer Ehemann - konvertierte zum Buddhismus.

**Im indischen Raum können - unabhängig von der Religion - Ehefrauen, Schwestern und Töchter führender Politiker ohne weiteres deren Position "erben". Die bekanntesten Beispiele sind - neben Sirimāwo selber und ihrer Tochter Chandrika - Indirā Gāndhi und deren Schwiegertochter Sonia in Bhārat, Mujibur Rahmans Tochter Hasina Wajed in Bangla Desh, Aung Sans Tochter Suu Kyi in Barmā sowie Jinnāhs Schwester Fatima und Zulfikar Alī Bhuttos Tochter Benazir in Pākistān.


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